Titien wird 1981 in Jakarta geboren. Sie ist Indonesierin, gehört aber der chinesischen Minderheit im Land an, die gut ein Prozent der Gesamtbevölkerung Indonesiens ausmacht.

Während der Asienkrise 1997-1998 brechen in Indonesien die Mai-Unruhen aus, die sich gegen die Chinesische Minderheit richten. Ihr Vater verschifft Titien mit 16 Jahren zusammen mit ihrem jüngeren Bruder nach Shenzhen, China.

Titien soll nach einem Chinesisch-Intensivkurs anfangen zu studieren, vermasselt aber den Eingangstest zur Uni. Sie besteht darauf, ihr Studium trotzdem anfangen zu dürfen. Sie verhandelt mit dem Dekan ihrer Fakultät, dass sie zur Probe studieren darf und falls sie die Prüfungen am Ende des ersten Semesters schafft, darf sie bleiben.

Sie gehört nach dem Semester mit zu den besten des Jahrgangs und schließt nach vier Jahren ihr Studium der Internationalen Ökonomie ab. Es bleibt ihr Geheimnis, dass sie durch den Umzug mit 16 nie die Schule abgeschlossen hat.

Titien arbeitet für ein chinesisches Handelsunternehmen für anderthalb Jahre, bevor sie entscheidet, dass sie gerne in die Hauptstadt Beijing ziehen möchte.

Die indonesische Vertretung dort wird 2006 mit einem neuen Botschafter besetzt und Titien bewirbt sich auf eine Stelle als Übersetzerin. Sie wird ein paar Tage später zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Titien reist nach Beijing mit leichtem Handgepäck, hat ihr Bewerbungsgespräch und ihr wird auf der Stelle ein Arbeitsvertrag angeboten. Sie soll schon am nächsten Tag mit dem Botschafter auf erste Termine fahren. Titien ruft in Shenzhen an, ihr Vater schickt ihr die wichtigsten Unterlagen und Kleidung.

Titien bereist während ihrer Zeit in der Botschaft alle chinesischen Provinzen, von der Inneren Mongolei bis Tibet, von Guangdon nach Xinjiang. Sie wird als Übersetzerin für gr0ße Anlässe eingesetzt. Sie betreut die First Ladies während internationaler Konferenzen.

Titien zwischen Xi Jinping und Susilo Bambang Yudhoyono. Jakarta Post, 2013.

Sie übersetzt als letzte Person im Raum bei Verhandlungen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem ehemaligen indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono.

Sie dient auch unter dem aktuellen Präsidenten Jokowi. Einer ihrer größten Erfolge ist ihre Beteiligung am Handelsabkommen zwischen Indonesien und China über den Import von Vogelnestern. Einer wertvollen Suppenzutat in China.

2015 hat sie genug von Beijing und entscheidet sich nach Deutschland zu ziehen. Wegen der guten Luft, wie sie mir sagt, als wir uns ins Stuttgart kennen lernen.

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4 Kommentare

  1. Hi Tobias und Titien,

    Dieser Artikel liest sich wie ein interessanter Überblicksstreifzug über ein Buch über Titien.

    Wenn ich das richtig verfolgt habe, hat Titien wohl leider keine langjährige Überlebenschaussicht. Jedoch stellt sich die philosophische Frage nach der Lebensintensität: Manch arme Sau ist schon mit Mitte 30 halb tot, weil er/sie sich nicht mehr entwickelt, alle Kraft verloren hat.

    Titien hat sicher nicht mehr die physikalische Zeit, auf lange Sicht zu agieren. Aber alternativ in kürzerer Zeit hoch aktiv am Leben teil zu nehmen.

    … Und in dem Rahmen konzentriert Teile unseres gesellschaftlichen Lebens positiv zu beeinflussen. – Letztlich als ihr tragisches Vermächtnisses.

    … Und eben wohl auch mit ausführlicher Betrachtung der persönlichen Emotionen. – Vielleicht: Macht ein Buch!

    Liebe Grüße an Euch, Frank

    1. Hallo Frank,
      danke für den Kommentar. Freut mich, dass du den Eindruck hattest, es könnte ein Überblick über ein Buch über Titien sein. Ich habe gefürchtet, der Artikel klingt zu sehr wie ein Nachruf. Und dazu gibt es aktuell absolut keinen Grund. Titien geht es recht gut, ein bisschen Druck im Kopf und ein paar Klagen über die Nebenwirkungen vom Kortison. Sonst aber alles im grünen Bereich.

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