Academia: Don't believe the hope

Als kleiner Nachschlag zu meinem gestrigen Artikel über die Probleme in der akademischen Welt, insbesondere in Bezug auf Doktorandinnen und Postdocs, die möglicherweise die Hoffnung treibt, wenn sie nur genug Zeit und Energie investieren, es doch möglich sein sollte, einen Job im akademischen Betrieb zu ergattern.
Die hier eingebundene Grafik (Klick darauf vergrößert sie) zeigt auf, wo die 16.000 Biologie-Doktorandinnen und Doktoranden, die jedes Jahr in den USA anfangen, sich Jahre später, wieder finden.
37% aller Promovierenden brechen demnach vor der Doktorprüfung ab. 70% aller Akademiker, die die Promotion abschließen fangen einen Postdoc an. Insgesamt enden weniger als 8% all jener, die eine Promotion anfangen und 15% aller Postdocs auf einer sogenannten Tenure Track Stelle, also einem Job, der eventuell mal in einer unbefristeten Anstellung mündet.
Infografik: Where will a Biology PhD take you. Quelle: http://www.ascb.org/ascbpost/index.php/compass-points/item/285-where-will-a-biology-phd-take-you
Das große Problem ist nicht die geringe Anzahl der akademischen Stellen. Es gibt eben nur begrenzt Fördermittel. Es ist das fehlende Interesse des Systems, diejenigen, die darin ausgebildet werden, auf alternative Karrieren vorzubereiten. Wobei der Begriff „Alternative Karriere“ aufgrund der oben dargestellten Zahlenverhältnisse und in Anlehnung an den Vortrag von Gregory Petsko, eigentlich für den akademischen Weg vorbehalten sein sollte.
Um es mit dem gescheiterten Akademiker und derzeit beliebtesten Nihilisten des Internets zu sagen:
Academia: Don’t believe the hope.

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10 Kommentare

  1. Die Ursache der Misere ist (auch) die Hybris der Etablierten, die annehmen die Weisheit über das „Wesen der Wirtschaft“ gepachtet zu haben – ohne dem dort geltenden Auswahlprozess unterworfen gewesen zu sein. Die FHs in Deutschland sind da eine gute Ausnahme, denn sie verlangen den Blick über den Tellerrand. Die Lösung? Öffnung der Karrierewege Wirtschaft akadem. Forschung? Vielleicht. Aber die Widerstände gegen das Promotionsrecht der FHs zeigen wie groß das Beharrungsvermögen ist.

  2. Ups. Zwischen „Wirtschaft“ und „akadem. Forschung“ sollte noch ein Pfeil mit zwei Spitzen sein – leider ein unsinnig interpretierter html snippet. Ich habe nicht nachgedacht …

  3. Interessant wäre in diesem Zusammenhang der weitere berufliche Werdegang der 90%, die nicht an akademischen Instituttionen dauerhaft beschäftigt werden können.
    Wieviele sind in der Wirtschaft beschäftig, wieviele mussten umschulen und wieviele sind länger arbeitslos?
    Dass, besonders bei Massenstudiengängen, später nicht alle im Mittelbau von Universitäten beschäftigt werden können, ist doch logisch.

  4. @Michel: Welcher Mittelbau? Der ist in den letzten Jahrzehnten systematisch eingespart worden. Die Stellen, die es noch gibt, kann man mit der Lupe suchen.

  5. Das große Problem ist nicht die geringe Anzahl der akademischen Stellen. Es gibt eben nur begrenzt Fördermittel. Es ist das fehlende Interesse des Systems, diejenigen, die darin ausgebildet werden, auf alternative Karrieren vorzubereiten.

    Wenn das „System“ schon so nett ist die Bildung zu finanzieren, warum sollte es über den Bedarf produzierte Akademiker „auf alternative Karrieren vorbereiten“?
    MFG
    Dr. W

  6. Dr. Webbaer,
    wie aus dem Artikel oben deutlich werden sollte, ist der akademische Weg, den ja zum Beispiel in den USA nur 15% aller Postdocs bis mindestens zum Tenure-Track-Level gehen, die eigentliche Alternativkarriere. Die meisten machen etwas anderes, wozu möglicherweise kein Postdoc, aber dennoch eine akademische Ausbildung notwendig wäre.
    Postdoc und auch die Promotion sind in vielen Fällen schlicht die einfachste und naheliegendste Wahl. Es wird schon im Studium versäumt, die Nachwuchswissenschaftler auf den Arbeitsmarkt außerhalb der Unis vorzubereiten und andere Karrierewege vorzustellen. Das gehört aber meiner Meinung nach zur Aufgabe des „Systems“ dazu.

  7. Das muss erst einmal dem Steuerzahler verklickert werden, dass „das System“ einerseits die Ausbildung von Akademikern sponsern soll und im Falle von für den Bedarf überproduzierten (und womöglich: oft minder geeigneten) Akademikern andererseits den Weg in eine alternative Karriere subventionieren soll.
    Klingt für Ihren Kommentatorenfreund antiintuitiv.
    Ansonsten, auf die USA bezogen, läuft das doch anders, oder? Oder wird dort mit Stipendien mittlerweile auch um sich geworfen?
    MFG
    Dr. W

  8. Doktoranden und Postdocs forschen und befinden sich nicht in der Ausbildung. Studenten, die sich in der von öffentlichen Geldern finanzierten Ausbildung befinden, sollten adäquat auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dazu gehören Alternativen zur zeitlich befristeten Anstellung als Forscher an Unis und Instituten.
    Verstehe den Kommentar zu den USA nicht.

  9. In den USA versucht man eine engere Bindung an den Berufserfolg dadurch zu erreichen, dass die Studierenden in Vorleistung treten (letztlich aber wohl nicht mehr als 20% der Ausbildungskosten tragen).
    Insofern entsteht ein besonderes Interesse den Studienerfolg, der Doktortitel, obwohl als (erste) wissenschaftliche Leistung bekannt, hier einmal der Ausbildung hinzugerechnet.
    MFG
    Dr. W (der’s aber nicht vertiefen muss, es fiel halt auf, dass in dieser Inhalteeinheit zum Thema regelmäßig geklagt wird, was zumindest dem Schreiber dieser Zeilen nicht ganz nachvollziehbar ist und war)

    • hier einmal der Ausbildung hinzugerechnet, anzustreben. Wobei der Studienerfolg sich auch an der beruflichen Umsetzung orientiert.
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