Schlagwort: Barcelona

  • Glaube, Liebe, DIPG

    Glaube, Liebe, DIPG

    Titien geht es langsam besser. Dinge des täglichen Lebens werden zurück erobert. Ich schiebe sie mit dem Rollstuhl durch den Regen in die Stadt. Wir schaffen es, zusammen mit Rollator einkaufen zu gehen. Wir gehen zu Fuß in einen Biergarten.

    Wir machen einen Ausflug nach Heidelberg, fahren nach Straßburg und fliegen für ein paar Tage in meine alte Heimat, Barcelona. Drei Monate sind vergangen, seit sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

    Ich lebe, ich weiss nicht wie lang,
    Ich sterbe, ich weiss nicht wann,
    Ich fahre, ich weiss nicht wohin,
    Mich wundert, dass ich so fröhlich bin

    Aus: Glaube Liebe Hoffnung von Ödön von Horváth. Originalquelle unbekannt.

    Wie schafft man es als todkranke Person und als deren Ehemann den Alltag zu bewältigen? Das eine Extrem ist, jeden Tag zu leben als wäre es der letzte. Das andere Extrem ist, die Krankheit zu ignorieren und so weiter zu machen, als wenn nichts wäre.

    Mein dritter Weg ist pragmatisch, reflektiert. Ich nehme unsere gemeinsame Zeit sehr viel bewusster war. Alles bekommt eine Bedeutung.

    Ihr dritter Weg ist spirituell. Sie liest in der Bibel und schreibt über ihren Glauben. Sie betet vor dem einschlafen mit mir.

    Wir sagen uns oft, dass wir uns lieben. Manchmal fühlt es sich an, als hätten wir etwas gefunden, dass vielen anderen für immer vorenthalten bleibt. Ein Gefühl des gemeinsamen angekommen seins.

    Manchmal weinen wir auch einfach nur miteinander.

  • Möchten Sie einen unabhängigen Staat Katalonien?

    Die Katalanen machen ernst. Gestern hat der Präsident der Generalitat von Katalonien, Artur Mas, in einer gemeinsamen Erklärung mit Repräsentanten anderer Parteien des katalanischen Parlaments Details zum geplanten Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien angekündigt. Im Referendum, das am 9. November 2014 abgehalten werden soll, sind die Bürger der katalanischen Provinzen aufgerufen, zwei gekoppelte Fragen jeweils mit “Ja” oder “Nein” zu beantworten:

     Möchten Sie, dass Katalonien ein eigener Staat ist?
     Möchten Sie, dass dieser Staat unabhängig ist?

    Die Reaktion der spanischen Zentralregierung lies nicht lange auf sich warten. Ministerpräsident Rajoy selbst trat vor die Presse und machte deutlich, dass das Referendum nicht stattfinden wird, da es gegen die spanische Verfassung verstoße. Hier ist das Video seiner Erklärung.
    Rajoy reagiert zu Recht nervös. Aktuellen Meinungsumfragen zur Folge, sind inzwischen konsistent über 50% der Katalanen für die Unabhängigkeit und nur rund 20% explizit dagegen. Rund Dreiviertel der Gemeinden unterstützen die Unabhängigkeit und zum katalanischen Nationalfeiertag am 11. September gehen regelmäßig über eine Million Menschen auf die Straße, um für die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Anfang des Jahres wurde im katalanischen Parlament mit großer Mehrheit eine Erklärung ratifiziert, nach der die Katalanen das Recht haben, über ihre Unabhängigkeit abzustimmen.
    Ein zentraler Punkt der Unabhängigkeitsbewegung ist die Zugehörigkeit zu einem vereinten Europa. Katalonien möchte gerne ein neuer Staat innerhalb der EU sein. Der europäische Ratspräsident Herman Van Rompuy macht den Katalanen jedoch dahingehend wenig Hoffnung. In einer heute veröffentlichten Erklärung stellt er sich klar auf die Seite der spanischen Zentralregierung und sagt, dass ein neuer, unabhängiger Staat nicht automatisch Teil der EU sei und die reguläre Aufnahmeprozedur durchlaufen müsse.
    Dazu gehöre auch eine Ratifizierung durch alle Mitgliedsstaaten. Inklusive Spanien.

    Van Rompuy: „Cataluña quedaría fuera de la UE
    por europapress

    In einer vorherigen Version des Artikels habe ich fälschlicherweise den 11.9. und nicht den 9.11. als geplantes Datum des Referendums angegeben.
  • Big Data in der Biologie – Wie die Integration großer Datensätze zu neuem Wissen führt

    Big Data in der Biologie – Wie die Integration großer Datensätze zu neuem Wissen führt

    Wissenschaftliche Daten zu publizieren ist das Ziel eines jeden akademischen Forschungsprojektes. Leider kommt das nur relativ selten vor. Es dauert eben seine Zeit, bis die Experimente geplant und durchgeführt, die Daten analysiert, das Manuskript geschrieben, eingereicht und akzeptiert ist. Insofern ist das, was mir in den letzten drei Wochen widerfahren ist durchaus Grund zum Feiern: Ich habe drei Papers publiziert.

    Zum Glück sind alle drei Veröffentlichungen thematisch verwandt, so dass ich sie hier in einem Blogpost vorstellen kann. Ganz allgemein geht es darum, biologisch relevante Schlussfolgerungen aus den großen Datensätzen zu ziehen. Big Data in der Biologie.
    In den letzten Jahren haben sich die High-Throughput Analysemethoden in der Molekularbiologie ständig verbessert, so dass inzwischen mit relativ wenig Aufwand, große Datensätze durch die Analyse komplexer Proben gewonnen werden können. Omics ist der Modebegriff, der dabei auf alles angewendet wird, was nicht direkt an einer Hand abzuzählen ist. Also: Genomics für mRNA Analysen, Proteomics für die Analyse komplexer Proteinproben, und Metabolomics für, leicht zu erraten, die großflächige Untersuchung der zellulären Metabolite. Diese Omics Begriffe werden wirklich inflationär benutzt. Auf Wikipedia existiert sogar eine Liste mit ein paar Dutzend dieser mehr oder weniger populären Omics Begriffe.
    Leider reicht es häufig nicht mehr aus zu sagen was in einer biologischen Probe drin ist und einfach eine Liste der identifizierten zellulären Bestandteile zu publizieren. Inzwischen sind quantitative, vergleichende Analysen gefragt, um beispielsweise ein und denselben Bakterienstamm mit und ohne bestimmte Mutationen  zu untersuchen. Diesen Ansatz haben wir in dem Borras et al. Paper gewählt. Wie verändert sich das Proteom von Mycoplasma pneumoniae wenn wichtige Gene ausgeknockt werden? Es kommt auf das Gen an, und auf die Analysemethode.
    Für das Wodke et al. Paper haben wir ein Modell des gesamten Zellmetabolismus von M. pneumoniae mit quantitativen, experimentellen Daten abgeglichen und dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Das Bakterium nutzt die ihm zur Verfügung stehende Energie nur sehr ineffizient für Wachstum. Ein Großteil der Energie entfällt auf einfache Instandhaltungsreaktionen, wie beispielsweise die Regulierung des intrazellulären pHs.
    Außerdem zeigen wir in dem Paper, dass wir durch das Verknüpfen der Parametersätze an unterschiedlichen Zeitpunkten entlang der Wachstumskurve von M. pneumoniae aus einem statischen Modell ein quasidynamisches Modell generieren können. Dieser Ansatz vereinfacht die Modellierung komplexer biologischer Vorgänge ungemein, da dynamische Modelle zwar genauer sein können, jedoch mit zunehmender Komplexität schnell unlösbar werden. Unser Modell ist so gut, dass wir damit vorhersagen können, was passiert wenn einzelne Gene oder Kombinationen aus zwei Genen ausgeknockt werden.

    Für das dritte Paper haben wir erst die Metabolite in M. pneumoniae gemessen, und wo technisch möglich quantifiziert, und dann diese Ergebnisse mit Proteomics- und Genomics-Ergebnissen verbunden. Dank dieses neuen, integrativen Ansatzes können wir erklären, wie M. pneumoniae mit den zu Verfügung stehenden Aminosäuren und Nukleobasen haushaltet. Wir haben sozusagen Angebot und Nachfrage von grundsätzlichen zellulären Bausteinen untersucht.
    M. pneumoniae ist ein sehr einfaches Bakterium mit nicht einmal 700 Genen – ein Grund, warum wir es als Modellorganismus verwenden. Das Bakterium hat dementsprechend auch einen sehr einfachen Stoffwechsel. Es nimmt Glucose als Energiequelle auf, metabolisiert diese zu Pyruvat in der Glyolyse und sekretiert schließlich Milch- und Essigsäure. Mit Hilfe von Enzymassays können wir die Geschwindigkeit messen, mit der M. pneumoniae die Glucose metabolisiert.
    Durch die quantitative Bestimmung der intrazellulären Glycolyseintermediate und der bei deren Umsetzung beteiligten Enzyme des zellulären Energiestoffwechsels, können wir nach Integration mit der Geschwindigkeit, in der die Glucose metabolisiert wird, die intrazelluläre Aktivität der Glycolyseenzyme abschätzen. Biochemiker machen das in vitro mit aufgereinigten Komponenten, wir haben versucht, einen Eindruck von der Enzymaktivität direkt in der Zelle zu bekommen.
    Soweit ein kurzer Abriss der Inhalte der drei Publikationen. Natürlich habe ich das nicht alles alleine erforscht, und ich schreibe ja auch schon die ganze Zeit von „wir„. In den Papers steht detailliert wer wie und was beigetragen hat, namentlich möchte ich hier dennoch Judith Wodke erwähnen, die ich die letzten Jahre als Doktorandin betreut habe und die jetzt wieder in Berlin ist. Mit Ricardo Gutierrez und Josep Marcos habe ich seit Jahren zur quantitativen Messung intrazellulärer Metabolite kooperiert. Beide sind sonst mit der Untersuchung von Dopingproben beschäftigt. Großer Dank gilt natürlich auch allen anderen Autoren, insbesondere Manuel Liebeke, Edda Klipp und Luis Serrano.
    Heute Nachmittag feiern wir die Papers. Traditionell mit Cava, Pan con Tomate, Queso und Jamon auf der Terrasse meines – jetzt ehemaligen – Institutes. Außerdem ist heute noch Sant Jordi und heute Abend spielt Bayern gegen Barça. Ich habe das Gefühl, es wird ein langer Tag – und eine lange Nacht.

    ResearchBlogging.orgWodke, J., Puchałka, J., Lluch-Senar, M., Marcos, J., Yus, E., Godinho, M., Gutiérrez-Gallego, R., dos Santos, V., Serrano, L., Klipp, E., & Maier, T. (2013). Dissecting the energy metabolism in Mycoplasma pneumoniae through genome-scale metabolic modeling Molecular Systems Biology, 9 DOI: 10.1038/msb.2013.6
    ResearchBlogging.orgBorràs, E., Espadas, G., Mancuso, F., Maier, T., Chiva, C., & Sabidó, E. (2013). Integrative quantitation enables a comprehensive proteome comparison of two Mycoplasma pneumoniae genetic perturbations Molecular BioSystems DOI: 10.1039/C3MB25581F
    ResearchBlogging.orgMaier, T., Marcos, J., Wodke, J., Paetzold, B., Liebeke, M., Gutiérrez-Gallego, R., & Serrano, L. (2013). Large-scale metabolome analysis and quantitative integration with genomics and proteomics data in Mycoplasma pneumoniae Molecular BioSystems DOI: 10.1039/C3MB70113A

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  • 1,5 Millionen Menschen demonstrieren für die Unabhängigkeit Kataloniens

    1,5 Millionen Menschen demonstrieren für die Unabhängigkeit Kataloniens

    In Katalonien verbinden die Menschen das Datum des elften September nicht außschließlich mit den Terroranschlägen auf die Twin Towers in New York, sondern mit vor allem mit dem Ende der Besetzung Barcelonas 1714 und der Aufgabe der katalanischen Souveränität in Folge der Niederlage gegen die spanisch-französische Allianz. Der elfte September ist der katalanische Nationalfeiertag. Er wurde 1980, nach Ende der Franco-Herrschaft, wieder eingeführt und wird seither genutzt um den Opfern der Besetzung Barcelonas zu gedenken und um dem Wunsch nach Unabhängigkeit von Spanien Ausdruck zu verleihen.
    Die Unabhängigkeitsbewegung hatte starken Zulauf in den vergangenen Jahren, da vielen Menschen die Zugeständnisse der zentralen Regierung in Madrid an die autonome Region Katalonien nicht weit genug gehen. Gestern waren Fernsehangaben zu Folge rund 1,5 Millionen Menschen in Barcelona auf der Straße, das sind 20% der Gesamtbevölkerung Kataloniens. In katalanische Flaggen gehüllt, zumeist mit dem Stern als Zeichen für die Unabhängigkeit, und in T-Shirts mit unterschiedlichsten Motiven zur Abspaltung von Spanien, verliehen die Demonstranten ihrem Wunsch nach “In – Inde – Independencia” Ausdruck. Der Verkehr im gesamten Stadtgebiet war selbstverständlich lahmgelegt und trotz sehr niedriger Polizeipräsenz verliefen die Demonstrationen friedlich.

    54 unterschiedliche T-Shirt Motive der Independistas. Hier als Flickr-Set.

    Die Independistas führen kulturelle, politische, ökonomische und historische Gründe für die Unabhängigkeit an. Die offizielle Teil der Veranstaltungen gestern gipfelte in der Übergabe eines Manifestes an die Präsidentin der katalonischen Parlaments und endete mit der Zusicherung, dass der Präsident der katalonischen Regierung innerhalb der nächsten Tage das Gespräch mit den Independistas suchen wird. Eine der Forderungen der Independistas ist ein offizielles Referendum zur Frage der Unabhängikeit innerhalb Kataloniens.
    Auf der Straße wurde vielfach ein neuer, unabhängiger Staat Katalonien innerhalb der EU gefordert : “Catalunya Nou Estat d’Europa”. Ganz so schnell wird das nicht gehen. Auch wenn die Argumente für einen Verbleib innerhalb Spaniens häufig nicht überzeugend klingen, gibt es viele Katalanen, die keine Abspaltung wünschen, so dass der Ausgang des geforderten Referendums keinesfalls sicher ist.
    Selbst im Falle eines erfolgreichen Referendums und der unilateralen Abspaltung Kataloniens, müsste der neue Staat erst von der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden, bevor ein Aufnahmeantrag in die EU gestellt werden könnte. Eine Studie, die eben jenes Szenario analysiert hat, kommt zu dem Ergebnis, dass dadurch das Bruttoinlandsprodukt Kataloniens über 23% einbrechen würde und es mindestens 10 Jahre dauern würde, bis Katalonien wieder zur aktuellen wirtschaftlichen Stärke zurück fände.
    Die Studie stammt selbstverständlich nicht aus Katalonien, sondern von der Universidad Complutense in Madrid.
     

  • Demonstrationen in Spanien – Eindrücke aus Barcelona

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    Was an der Puerta del Sol in Madrid seinen Anfang nahm, ist auch in Barcelona angkommen. Die Menschen demonstrieren. Der Placa Catalunya am Kopfende der Ramblas ist zum Revolutionsdorf und -zentrum umfunktioniert worden.
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  • Profisegeln: Das Barcelona World Race

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    Das Barcelona World Race ist ein Highlight im Rennkalender der Formel 1 des Segelns. Es ist eine non-stop Segelregatta rund um den Globus mit Booten der IMOCA60 Klasse (60 Fuß lang, zwei Mann Besatzung). Am 31. Dezember sind in Barcelona 15 dieser Rennboote zum Barcelona World Race angetreten. Ich war, wie ein paar Tausend andere Schaulustige am Sylvestertag am Strand und habe mir den Start angesehen. Seither interessiere ich mich für Segelrennen.
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  • Dekadente Poolparty und chronische Unterernährung

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    English translation in the bottom half of this article. Über 700 Poster-Abstracts verwirren. Vor allem wenn sie zwar schön gebunden aber nicht einfach zu durchsuchen sind. Was beim täglichen Lunchpaket auf der EMBO-Konferenz gespart wurde, haben die Organisatoren bei der Abschlussparty am Luxushotelpool rausgehauen. Aber sonst war alles super!
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  • EMBO Global Exchange & The Wellcome Trust/ DBT India Alliance Meeting.

    Gastbeitrag. What is the purpose of such meetings and conferences ? Do scientists really need to have such meetings ? Imagine what would happen if the synapses between the neurons were not formed in us. Science in the present day, without networking would be like a nervous system without the ability of form synapses.
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    Gastbeitrag. What a day at the EMBO meeting! Opening lecture by Elisabeth Blackburn on chromosome capping followed by a series of lectures on evolution of animal forms, quick lunch with the editors, gene networks, posters presentations and lessons to learn from the apes with Frans de Waal.

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  • What do scientists do when they are not in the lab?

    Gastartikel Often people answer this question with another question – „Scientists do things outside the lab?!“ The concept of isolated scientists doing top-secret experiments in the basement of their houses is a cliché. Being a scientist requires social and communication skills and a deep sense of networking.
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