Der wahre Jim Knopf und die Evolutionstheorie

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Charles Darwin war 22 als er sich mir der HMS Beagle auf das Abenteuer nach Südamerika machte. Mit auf dem Schiff war Jemmy Button, ein verschleppter Ureinwohner Feuerlands. War Jemmy Button das Vorbild für Michael Endes Romanfigur Jim Knopf? Die Koinzidenz war Grund genug für die Augsburger Puppenkiste, Jim Knopf und Frau Mahlzahn nach über 30 Jahren wieder vor die Kamera treten zu lassen.

Viel wurde in den letzten Monaten über die Evolutionstheorie geschrieben. Man konnte lesen, wie sie entwickelt und weiterentwickelt wurde, wie sie missbraucht wurde, und es wurde erklärt, welche Aktualität die Evolutionstheorie hat – sie ist aus der modernen Biologie nicht weg zu denken.
Das gedankliche Grundgerüst für die Evolutionstheorie entwickelte deren Erfinder Charles Darwin auf einer Reise. Er segelte unter Kapitän Robert FitzRoy mit der HMS Beagle von Großbritannien aus, und erkundete zwischen 1832 und 1836 die Küste Südamerikas, machte ausgedehnte Abstecher ins Landesinnere, und fuhr auf die Galapagosinseln. Er sammelte einen unglaublichen Fundus an Proben, Versteinerungen, und Organismen, die er mehr oder weniger zuverlässig katalogisierte und kontinuierlich, noch während seiner Reise nach Großbritannien zurück schickte.

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Darwin war damals 22 Jahre alt, als er auf der Beagle als Naturforscher anheuerte. Es muss für ihn ein großes Abenteuer gewesen sein.
An Bord der HMS Beagle mit dem jungen Darwin und unter Kapitän FitzRoy befand sich auch ein Junge, der aus Feuerland stammte und auf der Rückreise war. Der Junge war der Legende nach für einen Perlmuttknopf von einem britischen Expeditionsteam gekauft, und zwei Jahre zuvor nach England gebracht worden. Er sollte dort die “Zivilisation” kennen lernen, und sie dann in seiner südamerikanischen Heimat verbreiten. Laut Charles Dawins Aufzeichnungen in “Die Fahrt der Beagle” war der Junge, der für einen Knopf gekauft worden war “der Liebling aller; sein Gesichtsausdruck zeigte sogleich sein freundliches Gemüt. Er war fröhlich, lachte oft und war bemerkenswert mitfühlend mit allen, die Schmerzen litten“.
Den Namen, den die Engländer dem Jungen gegeben hatten war: Jemmy Button.

Vor fast 50 Jahren, also zum hundertsten Jahrestag der Publikation der “Origin of the Species” von Charles Darwin hat Michael Ende das Buch “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer” veröffentlicht. Das Buch ist voller politischer Anspielungen, unter Anderem auf die Perversion der Evolutionstheorie zum Sozialdarwinismus von den Nazis, wie Julia Voss in der FAZ vom 16 Dezember 2008 schreibt.
Michael Ende wurde – wie Voss schreibt – neben Freud, Marx und Einstein, von Charles Darwin sein Leben lang beeinflusst. Es ist daher naheliegend, dass Jemmy Button als Vorlage für Jim Knopf gedient haben könnte. Auch wenn der Romanheld seinen Namen Frau Waas aus dem Kauflande schuldet, die auf das nicht zu stopfendes Loch in der Hose von Jim voller Verzweiflung einen Knopf nähte, so dass dieser das Loch – je nach Bedarf – auf und zuknöpfen konnte.
Vor über dreißig Jahren wurde die Geschichte von Jim Knopf von der Augsburger Puppenkiste gespielt und verfilmt. Nach einer Idee von Julia Voss und zum Jubiläum von Michael Endes Buch und Charles Darwins Geburtstag treten Jim Knopf (mit FAZ unter dem Arm) und Frau Mahlzahn erneut vor die Kamera (Klick aufs Bild führt zum Video):

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Weitere Artikel zu Charles Darwin im Blog: Darwin, Hitler und Kopernikus, Vatikan rehabilitiert Darwin, Darwins Engel und Dämonen
Hier der Link zum frei zugänglichen Artikel von Julia Voss: Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie. Lesenswert.
Fotos oben via FAZ. Gemälde der HMS Beagle via Wikicommons.

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Keine Kommentare

  1. Ich liebe die Ausgbuger Puppenkiste und vor allem deren Adaption von Jim Knopf. Aber diese Anspielungen in Jim Knopf waren mir als Kind reichlich egal. Ich liebte den subversiven Humor der Bücher.
    Das Evolutionsvideo der Puppenkiste ist jedenfalls ziemlich klasse. Waah. Noch mal in dem Alter sein wollen Nostalgie schwelg

  2. hmm, den Text hatte ich vor Längerem gelesen – aber den neuen AP-clip übersehen. Sammlung ergänzt, danke für den Hinweis!
    Die alten Sendungen sehe ich immer wieder gerne – seit ich ’67 die Blechbüchsenarmee kennenlernte; da sind entsprechend alte Neffen etc ein willkommener Anlaß…

  3. Um Jim Knopf – den aus der Puppenkiste – zu zitieren: “Ist ja toll!” Selbst mein neunjähriger Sohn ist von den Büchern und den Puppenfilmen (hab’ ich alle auf DVD und Video, und zwar gleich mehrfach) begeistert; die Abenteuer lässt er sich heute noch gerne als Einschlafgeschichten vorlesen. Und ich gebe zu, dass ich bisher immer ein etwas mulmiges Gefühl dabei hatte, weil Ende halt vor allem mit der Physik (ich sag nur: Perpetumobil und Scheinriese) recht generös umgeht – phantasie- und liebevoll, aber trotzdem … Gut zu wissen, dass es nicht nur schöne, fantastische, spannende Geschichten sind, sondern dass man da ruhig mehr Wissenschaft hinein interpretieren darf, ohne dem Autor damit Unrecht zu tun.

  4. Ach ja, noch etwas: Jemmy Buttons stammte aus Feuerland – der Heimat von Herrn Tur Tur, dem Scheinriesen. Muss die Bücher gleich noch einmal lesen und sehen, was man da sonst noch (wieder) entdecken kann. Zum Glück hab’ ich ja ein Kind, dem ich sie vorlesen kann.

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