ESOF: Brustkrebs durch Rotwein, Bionik und regenerative Medizin

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Kurze Zusammenfasung der letzten zwei Sessions meiner live Berichterstattung vom EuroScience Open Forum (ESOF) in Barcelona:
Ben Goldacre: Food Fads and Fanatasies
Ben Goldacre ist Kolumnist beim Guardian und er schreibt den bekannten Bad Science Blog. Er klärt darin über pseudowissenschaftliche Mythen auf im Zusammenhang mit der Ernährung. Ben ist ein hervoragender Speaker, und er hat uns die Beispiele nur so um die Ohren gehauen. Eins gefällig?:
Artikel imTelegraph:”Red wine could help prevent breast cancer: Laboratory tests have shown that a chemical found in the skin of grapes could halt the development of most cases of the disease.

Was die nicht vorhandene Wissenschaftsredaktion von Telegraph vergisst: Rotwein enthält unter anderem auch Alkohol, der wiederum zu Azetaldehyd abgebaut wird, was wiederum DNA schäden auslösen kann, also prinzipiell krebserregend ist. Das ist erwiesen.
Goldacre: “They estimate that overall, half a glass of red wine a day increases your risk of breast cancer by 10%. If their figures are correct, alcohol causes about 6% of all breast cancer in the UK, meaning 2,500 cases a year“. Details dazu hier auf seinem Blog

Bionics vs Regenerative Medicine
Medizinerwitz:
Ein Bionik-Chirurg und ein Regenerativmediziner sind zusammen auf Visite in einem Krankenhaus. Sie stehen vor einem Patienten, mit schwerem Herzfehler, der nur noch zwei Wochen zu leben hat.
Der Bionik-Chirurg schlägt vor, den Brustkasten zu öffnen, Schläuche hinein zu legen und nach und nach die Herzkammern abzuklemmen, und das Blut über eine externe, handgepäcksgroße Pumpe laufen zu lassen. Dann den Brustkorb wieder zu zu nähen und zu hoffen, dass es keine Stromausfall gibt.
Der Regenerativmediziner will schnell ein paar Stammzellen isolieren, und kultivieren, sie dann auf einem Gerüst aus biologisch abbaubaren Polymeren in der passenden Form des kranken Stück Herzens züchten, das Ding tatsächlich zum schlagen zu bringen und dann in einem möglichst minimalinvasiven Eingriff, ergänzend das Herz reparieren.
Frage: Nach welcher Behandlung lebt der Patient länger?
Beim Bionik-Chirurg stirbt er in spätestens zwei Jahren, wenn ich den präsentierten Zahlen glauben schenken darf, beim Regenerativmediziner stirbt er in zwei Wochen, weil es noch Jahre an Forschung bedarf, bis wir so weit sind.
Unabhängig von dem von mir hier willkürlich gewählten Beispiel hat der Vortrag mir vor allem folgendes gezeigt:

  • Bionik ist toll, was mechanische Prothesen betrifft. Von den Organen sollen sie besser die Finger lassen.
  • Leider war der Vortrag größtenteils auf das Herz beschränkt. Interessante Bionikanwendungen sind zudem Sinnesorganimplantate und die Steuerung von einem Computer durch abgeleitete Gehirnströme. Dazu kam gar nichts.
  • Die erfolgreichsten Herzoperationen sind Transplantationen von Spenderherzen.
  • Regenerative Medizin hört sich toll an, und ihr gehört die Zukunft. Interdisziplinär und mit laufenden Forschungserfolgen (Beispielsweise haben sie es geschafft in querschnittsgelähmten Mäusen die Nervenzellen dazu anzuregen, die durchtrennte Stelle zu überbrücken. Dazu wurden sich selbst organisierende Polymere ins Rückenmark injiziert, die dann sozusagen die Grundstruktur für die Überbrückung gebildet haben).
  • Regenerativmedizin ist aktuelle Forschung. Es dauert noch Jahre, bis tatsächliche Anwendungen möglich sind. Ich lass mich hier sehr gerne eines besseren belehren.

Der Vortragende zu dem Teil Regenerativmedizing war übrigens James Fitzpatrick. Er forscht an der Uni Mainz.

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2 Kommentare

  1. Na wenigstens scheinen Bionik und Regenerativmedizin zu halten, was uns die Sci-Fi versprochen hat. Wo sind denn die fliegenden Autos (Zurück i. d. Zukunft) oder die nachwachsenden Organe (Star Trek IV)? grummel

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