Ich bin gerade in Helsinki auf einer Konferenz zu »Open Knowledge«, dem OKfestival. Was ist Open Knowledge? Meine aktuelle Interpretation: Die Ermöglichung des öffentlichen Zugangs zu allerlei Daten durch offene Schnittstellen und Standards. Weiter: Die Aufbereitung und Visualisierung der Daten, so dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Daten werden so zu Informationen und zu Wissen – das Internet spielt als infrastrukturelles Trägermedium dabei eine grosse Rolle.
Ein Blick auf die Teilnehmerliste des OKfestivals verrät, dass »Open Knowledge« eine bunte Schar an Hackern, Netzaktivisten, Designern und sonstigen Kreativen anzieht, die alle „passionate about Open Data“ sind (so zumindest ein häufiger Claim in den Twitter Profilen der registrierten Teilnehmer).Es sind jedoch nicht nur Hipster mit Datenflatrate in Helsinki. Firmen wie IBM, Google und Microsoft, sowie viele Organisationen wie die Weltbank, OECD, einige Universitäten und viele andere öffentliche Einrichtungen sind hier vertreten. Sogar die Piratenpartei ist offenbar mit der Open Governance Aktivistin Anke Domscheit-Berg präsent.
Die Veranstaltung hier hat auch einen Star: Hans Rosling von der Gapminder-Stiftung hält am Donnerstag Abend einen Vortrag. Rosling nutzt das Tool Gapminder um Daten zu visualisieren. Sein Ted-Talk hat mittlerweile viereinhalb Millionen Hits. Wenn die Technik funktioniert, sollte sein Vortrag hier über den OKfestival-Stream auch von zu Hause aus zu sehen sein.
Autor: Tobias
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Was zum Teufel ist Open Knowledge?
Ich werde übrigens auch etwas präsentieren. Zusammen mit meinem Kollegen Peter stellen wir am Donnerstag morgen Open Consortium vor. Das ist eine von uns gegründete Wissenschaftskommunikationsinitiative. Wir wollen dafür sorgen, dass die Erfolge von wissenschaftlichen Konsortien, sei es auf EU oder auf nationaler Ebene, besser wahrgenommen werden.Es geht um große, vernetzte Forschungsprojekte mit mehreren beteiligten Laboren und Instituten – von denen sonst keiner weiß. Wer sich dafür interessiert, wissen will, wie wir uns das vorstellen und was wir machen, findet auf openconsortium.eu weitere Informationen. Wir haben (natürlich) auch ein Blog und man kann uns auf Twitter folgen. Zum Beispiel für Updates von dem OKfestival. -

Können Gene Leben retten? Debatte über personalisierte DNA-Analyse
Hat sich schon jemand hier seine SNPs sequenzieren lassen? Ich noch nicht, obwohl ich es mir seit Jahren durch den Kopf gehen lasse. Derzeit bietet 23andMe, das wohl bekannteste DNA-Typisierungsunternehmen, die Analyse der eigenen Nukleotidpolymorphismen für 299$ an. Insgesamt werden aktuell über 200 verschiedene genetische “Traits” also Merkmale analysiert und die Ergebnisse für den Verbraucher graphisch aufbereitet dargestellt.
Wer das Analysekit von 23andMe anfordert, in ein Röhrchen spuckt und es an die Zentrale in Californien schickt, kann binnen zwei bis drei Wochen die Ergebnisse online einsehen. Man erfährt dann unter anderem, ob ein überdurchschnittlich hohes Risiko für bestimmte Krankheiten wie Brustkrebs und Alzheimer besteht.
Was sich hier einfach in zwei Sätzen zusammenfassen lässt, wirft natürlich etliche Fragen auf: Wer garantiert, dass die Analyseergbnisse richtig sind und korrekt interpretiert werden? Wie geht der Kunde oder die Kundin mit dem gewonnenen Wissen um? Profitiert man selbst überhaupt von dem Wissen? Wie werden die äußerst sensiblen, persönlichen Daten dauerhaft vor unerwünschten Zugriffen geschützt? Wie kann genetische Diskriminierung verhindert werden?
Ich Besuche nachher ab 10:00 Uhr eine Debatte zu diesen Themen: “Direct to Consumer Genetic Testing: Can your genes really… save your life?” Hier der Link zum Veranstaltungsankündigung (.jpg) mit Details zum Programm und zu den Sponsoren.
Auf dem Podium wird unter Anderem Lluis Armengol, der CEO von qGenomics sitzen. qGenomics bietet genetische Tests an. Weiter sind Xavier Estivill und Roderic Guigó dabei. Beide leiten große Forschungsgruppen, die sich mit der Sequenzanalyse von DNA beschäftigen. Guigó ist außerdem einer der Köpfe des ENCODE Projects, das hier im Blog vor kurzem erst Thema war. Pascal Borry von der Uni Leuven in Belgien wird Auskunft über ethische und soziale Aspekte des direct-to-consumer testings geben.
Ich werde versuchen die Erkenntnisse der Veranstaltung per Live-Blog hier zu dokumentieren – falls ich es schaffe, das von den ScienceBlogs-Overlords frisch installierte Plugin rechtzeitig zum laufen zu bekommen. Sonst gibts Updates auf Twitter.
Bis dahin hier noch der Verweis auf thematisch verwandte Artikel hier im Blog:
- Krankheiten Vorhersagen: 23andME, Navigenics und deCodeMe
- Die Risiken des Wissens – Wie sind meine DNA Daten geschützt
- 1000 Genome sequenziert und immer noch nichts passiert
- DNA Sequenzierungsmethoden und ethische Implikationen
09.55
Guten morgen und Willkommen zum Live-Blog von der Diskussionsrunde zu direct-to-consumer genetic testing.09.57
Das Wetter heute morgen in Barcelona: Frische 18°C, keine Wolke trübt den strahlend blauen Himmel. Folglich bin ich heute – wie alle Fahrer – auf Trockenreifen angereist. Die Veranstaltung findet am CRG statt.09.59
Das Live-Blog Plugin scheint soweit zu funktionieren, wahrscheinlich muss die Seite aber manuell neu geladen werden, um die Updates zu sehen.10.05
Eine weitere gute Nachricht: Die Speakers trudeln auch ein, der Beamer funktioniert, und es sieht so aus, als könne es demnächst losgehen.10.13
Nur einer der hier anwesenden hat bislang seine SNPs sequenzieren lassen. Das ist überraschend. Aber es gibt einige, die es sich – wie ich auch – zumindest überlegen.10.21
Kelly Rabionet gibt jetzt erst mal eine sehr grundsätzliche Einleitung. Zellen – DNA drin – 20 000 Gene – ATCG basen – Sequenzen – Vererbung – Mutationen – Krankheiten. Das ist etwas zu basic für die hier anwesenden und wohl auch für die hier mitlesenden.10.27
Rabionet erinnert, wie die Tests funktionieren. Bislang wird nicht die ganze DNA sequenziert, sondern nur bestimmte Stellen untersucht, von denen man weiß, dass Nukleotidaustausche mit gewissen Phänotypen korrelieren.10.36
Rabionet zeigt an graphischen Beispielen, wie die Sequenzierungsdaten grapisch aufbereitet werden. Wer sich das ansehen will, findet die gleichen Slides auf der 23andMe und der deCodeMe Website. Es wird jedenfalls schon eine Herausforderung klar: Wie stellt man die gewonnenen Daten so dar, dass der Verbraucher sie versteht?10.40
Ein weiteres Problem ist die Einordnung der detektierten Varianzen bezüglich tatsächlicher Krankheiten. Das System basiert auf wissenschaftlichen Publikationen, die diese Phänotypen in Relation zu den Mutationen beschreiben. Jedoch wird da häufig nur ein gewisser Marker oder ein Teil eines betroffenen Gens angeschaut, so dass das Gesamtrisiko einer Krankheit sich durchaus von der Summe der Einzelrisiken – die sicher richtig beschrieben sind – unterscheiden kann.10.43
Eine Anmerkung aus dem Publikum: Die Bewertung der Risiken können sich selbstverständlich im Lauf der Zeit ändern, beispielsweise wenn neue Studien publiziert werden. Außerdem ist die Konfidenz einer SNP-Phänotyp-Korrelation wohl ausschließlich auf der Anzahl der Patienten in der jeweiligen Kohortstudie basiert.10.46
Jetzt komme Lluis Armengol. Er war Doktrand und Postoc hier, und ist jetzt CEO von qGenomics. Die Firma biete hauptsächlich Pränataluntersuchungen an. Sie nutzen DNA-Microarrays.10.51
Er gibt einen Überblick über direct-to-consumer genetic testing Firmen:- 50-60 Firmen, heterogene Größe
- 5 Milliarden Markt für klinische Diagnostics 2010, steigende Tendenz
- Die meisten sind in den USA und UK, dann Europa
- zwischen 90 und 1110 Dollars (hängt auch von der Zahl der getesteten Marker ab)
- Drei große Gebiete: Gesundheit, Abstammung und Life-Style
10.52
Hier ist Armengol vor einem Slide mit Firmennamen, die diese Services anbieten:10.59
Unterschiedliche Businessmodelle: Forschungsintensiv (Beispiel decode) vs Serviceorientiert (Beispiel 23andMe) vs. Shops für spezifische Tests (Beispiel Genelex).
Das Geschäftsmodell ist häufig nicht nur der finanzielle Profit durch den Verkauf von Kits, sondern auch die Schaffung von Communities und der (anonymisierten) Auswertung der Kundendaten.
Die größten Players: 23andMe, Decode Genetics, Navigenics, Pathway Genomics, Knome (Illumina) und Myriad Genetics.11.05
Schwächen der Geschäftsmodelle:- Möglicherweise wird die Größe des DTC (direct to consumer) Marktes überschätzt (immerhin hat hier im Saal sich bislang nur einer testen lassen – oder gibt dies zumindest zu).
- Und wieder die Frage, wie verlässlich und wie nützlich die Daten tatsächlich für den Verbraucher sind – speziell wenn es keine Möglichkeit gibt, etwas “dagegen zu tun”.
- Anscheinend niedrige Markteintrittshürden (die eigentlichen Analysen werden in Drittlaboren durchgeführt)
- Und hier die Erwähnung von Open Source tools: OpenSNP (Gruß an einen der Co-foundersBastian Greshake
11.13
Armengol ist fertig, Frage aus dem Publikum: Sind die Firmen in den USA FDA approved? Armengol: Nein.
Was sind die wahren Kosten der Firmen pro Kunde? Armengol: Nicht mehr als 200 Dollar. Ich denke, das muss noch weniger sein.
Anmerkung von Pascal Borry: Es gab Ansätze, die Tests umsonst anzubieten, da der wahre Wert in den Daten und in einer großen Anzahl User steckt.
11.15
Jetzt ist eine Pause, wir schlagen uns die Bäuche voll und nachher geht es mit der Diskussion hier weiter. Ich bitte die Aussetzer des Liveblog-Plugins zu entschuldigen, es geht eben noch nicht alles nach Plan.11.35
Die Exponierte Lage und die Architektur des Gebäudes ist häufig ein Grund für Wissenschaftler, sich hier zu bewerben.11.37
Es geht weiter mit Pascal Ducournau, Assistenzprofessor für Soziologie in Toulouse. Titel seines Vortrags: Direct to consumer health testing services: what commercial strategies for which socio ethical issues? Da bin ich mal gespannt.11.38
Noch eine Zahl: 23andMe hatte angeblich 50 000 Kunden in 2010 und 100 000 in 2011.11.43
Welche Marketingstrategien verfolgen diese Firmen, um Kunden zu gewinnen? Und wie wirken diese soziologisch? Dafür hat Ducournau 42 Firmen untersucht, die DTC testing anbieten. Was sind die Angebote? Wie viele Traits werden untersucht, wie viele Krankheiten direkt? Welche Slogans verwenden die Sites?11.46
Hauptsächlich Marker für Herz-Kreislaufkrankheiten werden untersucht. Dann Brustkrebs und Pharmakogenomics (also wie reagiert man auf bestimme Medikamente). Weiter werden natürlich Krankheiten untersucht, die relativ eindeutig zu untersuchen sind: Zystische Fibrose, Hematochomatosis.11.49
Ducournau fügt den Begriff “healthism” ein: Die persönliche Gesundheit ist der Hauptfaktor fürs Wohlfühlen. Erreicht wird das durch die Änderung des eignen Lebensstils, mit oder ohne therapeutische Hilde. Binsenweisheit oder neues soziologisches Konzept? Ich weiss es nicht.11.57
Ein weiterer Aspekt sei die Personalisierung der Gesundheit. Man nimmt selbst Einfluss auf medizinische Entscheidungen und hängt nicht mehr nur vom Hausarzt ab. Dazu passende Slogans der Firmen: Your health your right to know, etc.
Das gleiche gälte bezüglich der Forschung: “Get involved in a new way of doing research”
Der Soziologe erwähnt auch die Rolle des Webs. Durch Blogs, Foren und Chartooms würden persönliche Beziehungen zwischen den Benutzern untereinander und zwischen den Unternehmen und deren Kunden geschaffen. In seinen Worten: Emergence of new social entities under the effect of biotechnological discoveries and applications called biosocialities.12.00
Zusammenfassung der Marketingstrategien:- Die Ausnutzung des Healthisms (wahrscheinlich war Harald Schmidt einer der Erfinder).
- Die Individualisierung der Gesundheit
- Die Bildung digitaler Communities
12.03
Hier die Zusammenfassung seiner Thesen http://tegalsi.hypotheses.org/
Jetzt Pascal Borry. Über Ethik.12.08
Er fängt mit einer Übersicht der Vor-und Nachteile an und erwähnt das Fehler der professionellen Nachsorge und unbekannte Konsequenzen auf die Gesundheitssysteme. Wichtige Punkte, mal sehen ob noch mehr kommt.12.16
Welche Maßnahmen können getroffen werden, um das Feld zu kontrollieren? Borry illustriert das mit einem Foto der Daltons – also unkontrollierbare Outlaws. Hier jetzt seine Vorschläge für Regulierung:- Information der Gesellschaft und der Ärzte was solche Tests leisten können, was nicht und wo die Probleme sind
- Eine Selbstregulation der Industrie, also evtl, ein ethischer Kodex
- Einführung von Standards bezüglich der Werbung
12.24
Ein weitere Punkt, der von Burry angesprochen wird: Die Regulierung der genetischen Tests und die Zertifizierung der Labore (sind die Ergebnisse richtig? Sind die Analysemethoden auf neuestem technischem Stand?). Er führt aus, dass in Frankreich genetische Tests nur zu medizinischen und Forschungszwecken zugelassen sind.
Das ist natürlich schwer umsetzbar. 23andMe zum Beispiel wirbt direkt damit, auch in andere Länder zu verschicken, unter anderem Frankreich (und auch Deutschland)12.31
Er führt weitere Länder und deren Regulierung an. Holland, Portugal, die Schweiz. Es gibt auch eine europäische Richtlinie zur Regulierung, die allerdings von vielen Ländern nicht ratifiziert ist (unter anderem Deutschland). Interesanterweise hat Island die Richtlinie unterschrieben, deCodeMe, einer der größten Player im Markt, ist (zum Teil) isländisch und die meisten der sequenzierten Kunden sind Isländer. Mit der Richtlinie wäre dem Unternehmen die rechtliche Geschäftsgrundlage entzogen.
In Frankreich ist man da weiter: Es ist es gesetzlich verboten einen genetischen Test anzufordern. Strafe: 3750 Euro.12.36
Jetzt Diskussionsrunde. Ich habe auch eine Frage, mal sehen ob ich drankomme: Was passiert wenn Versicherungen Zugang zu den Daten bekommen?12.38
Erste Frage kommt zum Nutzen: Können solche Tests helfen, Krankheiten zu verhindern? Gibt es die Möglichkeit der Prävention? Ich denke gewissen Änderungen im Lebensstil oder häufigere Vorsorgeuntersuchungen können schon helfen.12.44
Die erste Frage ist ambivalent beantwortet. Manche denke, man könne durch Tests und das Wissen um eigene Risikofaktoren den Lebensstil ändern und profitieren, andere denken, das würde in die Autonomie des eigenen Lebens eingreifen. Eine Anmerkung war, dass der Nutzen vor allem in Pharmakogenomics liegt. Also: Wie verträgt jemand gewisse Medikamente?12.59
Meine Frage war, was passiert wenn Versicherungen Zugang zu den Daten bekommen? Oder gar selbst Produkte anbieten, die die Analyse der Daten mit einbeziehen? Die Ethiker reden sich raus: Die Qualität und die Relevanz der Tests ist nicht gut genug. Aktuell. Borry fügt an, dass es andererseits darum geht, etablierte und funktionierende Tests allen zur Vefügung zu stellen, und da seien nicht alle Gesundheitssysteme auf dem selben Level12.59
Falls jemand der hier mitliest eine spezifische Frage hat: Bitte kommentieren.13.07
Es gibt zwei Diskussionsstränge: Reicht die Qualität der Tests überhaupt aus zuverlässige Aussagen zu machen? Und wie gehen Gesundheitssysteme mit einer möglichen Datenflut um? Der Grundtenor der Experten scheint zu sein: Technisch sind die aktuellen Genotyping-Tests kein Problem, allerdings veraltet. Exome Sequenzing (also alle mRNA Transkripte nach dem Splicen) ist das nächste. Das Gesamtgenom kommt dann.
Allerdings sind die Wahrscheinlichkeitsvorhersagen für eine Krankheit basierend auf den SNP-Daten problematisch, da viele zusätzliche genetische Faktoren, die eine Rolle spielen könnten nicht berücksichtigt werden, da sie aktuelle entweder nicht sequenziert werden, oder deren Einfluss auf eine gewissen Krankheit unbekannt ist.13.09
Frage: Wie groß ist der Prozentsatz der Menschen, die sich sequenzieren lassen würden.
Antwort: 5 Promille
Es wurde auch erwähnt, dass sich diese Zahl nicht unbedingt mit dem Wissen ob der Möglichkeiten für die Tests erhöht.13.17
Gute Frage: Wird es je günstig genug sein, dass alle ihr Genom sequenzieren lassen können und werden die Daten je interpretierbar genug sein, um sinnvolle medizinische Vorhersagen zu treffen?
Kurze Antwort: Günstig ja, sinnvolle Vorhersagen: keine Ahnung.13.19
Weiterer interessanter Punkt: We hilft Laien die Daten zu interpretieren. Nicht nur SNP Data, sondern zum Beispiel auch pränatale Tests auf Krankheiten bei Schwangeren? Eventuell ergibt sich hier ein neues Berufsbild des “Genetic Counselors”. Ärzte jedenfalls scheinen aktuell mit Diagnose und Interpretation überfordert.13.20
So, das wars von hier. Die Session ist vorbei und ich gehe Mittagessen. Leider hakt die Einbindung des Liveblogs noch machmal, ich hoffe diese Macken geben sich noch. Danke fürs mitlesen und Kommentare und Fragen gerne weiter unten. -
Ein Haufen Daten und doch kein Müll: Das ENCODE-Projekt
Traditionell werden wissenschaftliche Ergebnisse zu einem Projekt aus einem Labor zu einem Manuskript zusammengefasst, an ein Magazin zum Begutachten geschickt, und eines schönen Tages publiziert. Was passsiert aber, wenn 442 Autoren aus über 100 verschiedenen Instituten und Universitäten 147 verschiedene Zelltypen untersuchen? Es entsteht die Enzyklopädie der DNA-Elemente (ENCODE), deren zweite Phase jetzt auf einen Schlag in 30 Papers publiziert wurde.
Im ENCODE Projekt wurde systematisch untersucht, welche Teile der DNA tatsächlich in RNA transkribiert werden, wie dies mit bekannten Transkriptionsfaktoren zusammenhängt, also Proteine, die an DNA binden und so die Transkription beeinflussen, wie sich das Chromatin, zwischen den Zelllinien unterscheiden und wie spezifisch die Histone modifiziert sind (Histone sind Proteinkomplexe, um die die DNA gewickelt ist). Schon dieser Satz mit sechs Kommas macht Mühe zu lesen. Wie soll man dann verstehen was bei dem ENCODE Projekt rauskam?
Die Autoren fassen es in dem Hauptpaper in Nature so zusammen: „These data enabled us to assign biochemical functions for 80% of the genome, in particular outside of the well-studied protein-coding regions.“ Anders ausgedrückt: Die DNA, die zwischen den Genen liegt (rund 98% der Gesamt-DNA, im Jargon „Junk-DNA“) hat regulatorische Funktion. Sie beeinflusst direkt und indirekt wann und wie stark Gene abgelesen werden, und ermöglicht dadurch einerseits die große Diversität von Zelltypen und andererseits auch spezifische Antworten von Zellen auf externe Reize.
Die Ergebnisse einer dermaßen umfangreiche Studie können unmöglich in Textform einem einzelnen Artikel akkurat zusammengefasst werden. Nature hat das auch erkannt, und bietet ein nettes Visualisierungstool zu den jetzt publizierten ENCODE Ergebnissen an. Man kann dort in 13 verschiedenen Handlungssträngen die Ergebnisse der Studie nachvollziehen. Das ganze gibts auch als iPad/iPhone App. Und wer eine etwas skeptischere Analyse der Ergebnisse direkt vom Koordinator des Projects und gleichzeitig verantwortlicher Autor des Nature Papers lesen will, ist mit dem Blogartikel von Ewan Birney gut bedient.Die etwas andere graphische Darstellung der Ergebnisse kommt von Luisa Lente. Sie hat das Cover der Ausgabe von Genome Research im Miró-Stil designt (hier links). In dieser Ausgabe sind glaube ich 16 der 30 Papers veröffentlicht. Luisa und Hagen (Erstautor des Tilgner et al. Papers) haben lange hier in Barcelona gewohnt und auch sonst sind die Papers mit Autoren aus meinem persönlichen Umfeld gespickt. Glückwunsch an dieser Stelle, ich werde mich jetzt gleich zur ENCODE Beer Session in Richtung Strand aufmachen, vielleicht kann ich später noch ein paar Fotos von Autoren nachreichen :-).
Edit 20:30.
Hier ein paar Fotos von der Feier.Autoren: Paolo vor Poster, Sara mit Kind und Tom Gingeras, Colin mit Tom Gingeras
Roderic Guigó und Tom Gingeras vor Luisas Poster
Im Innenhof
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Alles neu – ScienceBlogs ist umgezogen.
So, Scienceblogs.de ist auch auf einem Content Management System angekommen, das funktioniert. Wie schon bei Florian und Jürgen geschrieben: Wir sind von Movable Type auf WordPress umgezogen. Es gibt natürlich noch ein paar Baustellen, zum Beispiel funktioniert das mit den Kategorien noch nicht richtig und die jüngsten Kommentare sind nicht mit umgezogen. Wer noch weitere Bugs entdeckt, kann mich gerne in den Kommentaren darauf hinweisen, ich werde es weiter leiten.
Ein paar Anmerkungen noch zur Benutzung: Jedem Kommentar ist jetzt ein eigenes, kleines Bildchen vorangestellt. Wo bei mir ein schwarz-weiß Foto erscheint, ist bei den meisten ein seltsames Gesicht zu sehen (oder einfach ein graues Conterfeit in anderen Blogs hier). Ich vermute, dass kann jeder selbst anpassen, in dem er sich bei Gravatar registriert.
Jeder Blogautor hier kann diese Bildchen selbst an- oder abschalten und auch deren Stil ändern (bei Florian sehen sie anders aus). Ich finde, die Avatare machen die Diskussion persönlicher, daher bleiben sie bei mir erst mal angeschaltet. Weiterhin gilt: Es reicht Name (oder Pseudonym) und eMail-Adresse (die nicht sichtbar ist) zum kommentieren.
Edit 09:26. Ich habe die automatisch zugeordneten Avatare erst mal abgestellt. Wer ein Bild vor seinem Namen oder Pseudonym sehen will, sollte sich also bei Gravatar registrieren /Edit.
Wordpress erlaubt auch sogenannte „nested comments“ einzurichten. Antworten auf Kommentare erscheinen dann eingerückt unter dem jeweiligen Kommentar und es können sich verschiedene Diskussionsstränge entwickeln. Ich habe das bei mir im Blog abgeschaltet, bei anderen wird es wohl funktionieren.
Wie bisher auch, können die einzelnen Blogs per RSS-feed abonniert werden, meiner wäre: http://scienceblogs.de/weitergen/feed/.Ich weiss nicht, ob die alten feedburner-Feeds noch weiter funktionieren. Was aktuell nicht funktioniert ist das Abonnieren von Kommentaren. Ich hoffe, das lässt sich schnell ändern.
Edit 09:17 WICHTIG: Die alten Feed-URLs funktionieren nicht mehr. Man kann aber einfach Artikel oder auch Kommentare eines einzelnen Blogs abonnieren. Für WeiterGen sind die URLs:
Posts:http://scienceblogs.de/weitergen/feed/
Comments: http://scienceblogs.de/weitergen/comments/feed/
/Edit
Am Design der Seite hat sich natürlich auch was geändert. Die Startseite führt jetzt prominent die aktuellsten Artikel und darunter die neuesten in der jeweiligen Kategorie, also Naturwissenschaften, Medizin, Kultur, und so weiter.
Deutlich verändert ist auch das Layout der einzelnen Blogs. Bislang hatten wir zwei schmale Spalten, links und rechts, jetzt gibt es nur noch eine auf der rechten Seite. Konsequenterweise ist so mehr Platz für die Artikel, die Vernetzung zwischen den Blogs auf ScienceBlogs ist deshalb aber geringer. Zum Beispiel fehlen der Kasten mit der ScienceBlogs Top fünf (im Dauerabo von Florian) und der mit den drei aktuellsten Artikeln.
Die Vernetzung zwischen unseren Blogs hier ist natürlich wichtig, ich werde die Kästen trotzdem nicht vermissen und vielleicht stattdessen häufiger im Text meiner Artikel auf Nachbarblogs verweisen. Auch die Verlinkung nach „draußen“ ist nicht standardmäßig eingerichtet, sprich eine Blogroll fehlt. Ich werde das in den nächsten Tagen nachholen und wahrscheinlich nicht die Spalte rechts damit zupflastern, sondern eine eigene Blogseite mit Links einrichten.
Hier noch ein Screenshot der alten Seite, zum Vergleich, für Nostalgiker, und für mich zum Bilder einbauen üben. Ich hoffe, die neue Seite macht Spaß. -
Kann mir Coaching in meiner Krise helfen?
„Hi, this is Suzanne Beveridge, you might remember me, we met at the EMBO meeting. I quit my job at EMBO and I am now a freelance leadership and career coach„. So oder so ähnlich begann ein dreißigminütiger Telefonanruf, der mich vor einigen Wochen im Labor erreichte.
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Meine Emails mit dem XCell-Center

Das XCell-Center in Köln bot experimentelle Stammzelltherapien für eine bunte Sammlung schwerer und schwerster Erkrankungen an. Bis es 2011 geschlossen wurde. Nicola Kuhrt hat in einem aktuellen Spiegel-Artikel die Geschichte der umstrittenen Klinik aufgearbeitet. Hier als Ergänzung mein Emailaustausch mit dem XCell-Center inklusive der mir zugesandten Präsentationen zu Cohortstudien mit XCell Patienten.
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Meine Krise und ein Kurswechsel

Berufliche Krisen sind vielleicht nicht die beste, jedoch hinreichende Bedingungen für Kurswechsel. Auch ich durchlebe eine solche, die sich sich mit der Einsicht zusammenfassen lässt, dass ich nach zehn Jahren Vollgas in der Wissenschaft immer noch keinen festen Boden unter den Füßen spüre und meine beruflichen Perspektiven aktuell nicht über das hinaus gehen, was ich in den letzten fünf Jahren schon als Postdoc gemacht habe. Eine äußerst unbefriedigende Situation.
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Entscheiden, aber wie?
Es gibt eigentlich nur zwei Wege als Postdoktorand an einer akademischen Einrichtung zu enden. Man muss entweder die Wissenschaft sehr lieben und außgesprochen frustrationstolerant sein – oder man ist einigermaßen intelligent, hat aber noch nie bewusst eine Karriereentscheidung getroffen.
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Wie Blogs die Wissenschaftskommunikation bereichern
Treffen sich vier Blogger auf einer Podiumsdiskussion zu Wissenschaftsjournalismus & Neue Medien. Was wie ein Witz anfängt, hätte vor drei Jahren noch mit einer Generalabrechnung der „New Kids on the Blog“ mit dem traditionellen Wisseschaftsjournalismus in großen Medien enden können. Nichts dergleichen ist vorvergangene Woche bei der Diskussionsrunde im Senckenbergmuseum in Frankfurt passiert. Lag das lag daran, dass Wissenschaftsblogs an Bedeutung verlieren und schon scheintot unter der Wahrnehmungsgrenze dahinvegetieren?
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