Science Wars Reloaded – Pseudowissenschaften und Postmodernisten

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Mir gehen die Blogartikel und immer gleichen Diskussionen zu Pseudowissenschaften langsam auf den Geist. Und wenn ich schon dabei bin: Postmoderne Ansichten zur Richtigkeit der wissenschaftlichen Methode ebenfalls. Offenbar sind die Science Wars nicht vorbei, sondern der Krieg wird an zwei Fronten geführt. Auf den ScienceBlogs.

Ich muss gestehen, mir gehen die Windmühlenkämpfe gegen allerlei Pseudowissenschaften, Astrologie, Homöopathie, 2012, Akupunktur, Kreationismus, Anthroposophie, und sonstiger Aberglaube in Form von aktiviertem Wasser, Strahlendetektoren, und so weiter langsam aber sicher auf dem Geist. Es ist halt immer das gleiche, wenn ein mystisches Weltbild und die Realität aufeinander treffen.
Ja, ich weiß, ich muss es ja nicht lesen. Mach ich auch schon nicht mehr. Meine anfängliche Belustigung ob der sich auftuenden esoterischen Abgründe schlägt in Langeweile und Gleichgültigkeit um. Es mag schlicht daran liegen, dass ich als Autor hier auf ScienceBlogs naturgemäß den Beiträgen meiner Co-Blogger stärker exponiert bin. Ich kann mir aber vorstellen, dass es anderen regelmäßigen Lesern ähnlich geht.
Es mag ja zur Netzkultur der Wissenschaftsblogs gehören, hin und wieder unwissenschaftlichen Blödsinn zu thematisieren um daran deutlich zu machen, was Wissenschaft ausmacht. Ich denke jedoch, wenn die Berichterstattung über Pseudowissenschaften dominiert, werden nicht mehr unbedingt die Leser angesprochen, für die ein wissenschaftliches Blognetzwerk gedacht ist.
Es ist ja auch nichts neues mehr und die Argumente drehen sich seit Ewigkeiten im Kreis. Der Plazeboeffekt, doppelblind-kontrollierte Studien, Regression zum Mittel und falsch angewandte statistische Methoden reichen aus um alles, absolut alles zu erklären was hier an hanebüchenen Alternativen und Phänomenen angebracht wird (sofern es überhaupt beobachtbare Phänomene gibt).
Die Science Wars

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Postmodernisten und Realisten über die Grundlagen und die Richtigkeit wissenschaftlicher Theorie die als die sogenannten „Science Wars“ in die Geschichte eingingen.
Vereinfacht stellen sich die Science Wars so dar: Die Postmodernisten zweifelten an der Objektivität der Wissenschaften und kritisierten die Art, wie wissenschaftliche Daten gewonnen und interpretiert wurden, sowie an der wissenschaftlichen Methode im Allgemeinen. Die Postmodernisten waren meistens Geisteswissenschaftler. Die Realisten, denen eher Naturwissenschaftler angehörten, verteidigten den Status Quo des Wissenschaftsverständnis: Es gibt objektives Wissen und wissenschaftliche Experimente taugen um die Wirklichkeit zu beschreiben. Den Postmodernisten wurde zum Teil in deutlichen Worten vorgeworfen, keine Ahnung von dem Thema zu haben, das sie da kritisierten.
Ich sehe zwei Parallelen der Science Wars in den Science Blogs. Zum einen kommen die Inhalte des neuen Blogs Arte-Fakten von Jörg Friedrich meiner Meinung nach den postmodernistischen Interpretationen der Wissenschaft aus den 90ern schon recht nahe. Dementsprechend heftig fallen auch die Reaktionen auf seine Artikel aus. Ich dachte, die Science Wars wären mehr oder weniger beendet und die Philosophen hätten eingesehen, dass ihre Wissenschaftskritik ihr Ziel verfehlt hat und stattdessen Wasser auf den Mühlen diverser reaktionärer Wissenschaftsgegener ist. Offenbar nicht.
Die zweite Parallele bezieht sich auf eine zweite Front der Sciene Wars, wenn man so möchte: Der Auseinandersetzung mit Pseudowissenschaften und Esoterik. Sie kommen im Mäntelchen der Wissenschaft daher, sind gesellschaftlich akzeptiert, missbrauchen wissenschaftliches Vokabular, und vor allem: sie können und wollen nicht einsehen, dass sie falsch liegen.
In diesem Sinne, Freunde an der zweiten Front: Weiter machen!

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41 Kommentare

  1. @Andrea N.D.
    Sie haben Recht, „die Philosophen hätten eingesehen“ ist unzulässig verallgemeinernd. Danke für Ihren Kommentar.

  2. Ich muss gestehen, mir gehen die Windmühlenkämpfe gegen allerlei Pseudowissenschaften, Astrologie, Homöopathie, 2012, Akupunktur, Kreationismus, Anthroposophie, und sonstiger Aberglaube in Form von aktiviertem Wasser, Strahlendetektoren, und so weiter langsam aber sicher auf dem Geist.

    Mir eigentlich auch. Trotzdem fange ich immer wieder an und mische mich immer wieder ein. Muss eine Art Suchtverhalten sein. Vielleicht bin ich auch einfach ein unverbesserlicher Optimist weil ich glaube, dass es Leute gibt, die das lesen und dann nachdenken. Hoffentlich gibt es sie.

  3. Eure Wissenschaftsartikel lese ich auch.gern. Nur zu kommentieren gibt´s da meist nicht viel.

  4. @Jörg Friedrich
    Vielen Dank, dass Sie einen kurzen Abriss der Geschichte der Wissenschaftskritik hier einstellen. Was für Stilblüten dabei rauskommen wird vielleicht an dem von Ihnen zitierten Paul Feyerabend und dessen wissenschaftstheoretischen Anarchismus deutlich. Anything goes, aber bedeuten tuts nix.
    Mich interessiert eine Auffächerung in Postmodernisten, Konstruktivisten und weitere Strömungen überhaupt nicht. Es geht um die Folgen einer willkürlich konstruierten Diochtomie zwischen Philosophie und Wissenschaft, wie es Andrea N.D. oben auch schon benennt.
    Der wissenschaftskritische Soziologe und Philosoph Bruno Latour gibt in einem lesenswerten Essay zu, dass diese Arte der Debatte zwar eine schöne Methode geistiger Masturbation, der Sache selbst jedoch eher abträglich ist: Was I wrong to participate in the invention of this field known as science studies? Is it enough to say that we did not really mean what we meant? (…) Why can’t I simply say that the argument is closed for good?
    Die Folgen sind klar sichtbar: Revisionisten, Verschwörungstheoretiker und Anhänger von pseudowissenschaftlichen Strömungen machen sich die hochtrabenden und äusserst differenzierten wissenschaftskritischen Argumente zu eigen. Sie liefern Munition für die zweite Front.
    Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

  5. Herr Maier: Ich bin Ihnen unendlich dankbar, diese leidige Debatte so pointiert in einem eigenen Kommentar dargestellt zu haben. Bis auf „… die Philosophen hätten eingesehen…“ (es sind nicht alle Philosophen so) uneingeschränkte Zustimmung und Erleichterung. Da ich relativ neu auf SB bin, kenne ich die reaktionären Wissenschaftsgegner ja noch nicht unbedingt und bezog es manchesmal auf die Argumentationskette (die bei mir mangels Erfahrung und Wissen manchmal zu wünschen übrig lässt). Ich bin aber auch jemand, der die mittlerweile erkannte Grundargumentation nicht stehen lassen kann und darf. Wenn nicht auf SB dagegen angegangen wird, wo dann? Und: Eine Frage, die ich auch schon früher aufgeworfen hatte, wozu derartige Artikel auf SB?
    Ich denke, dass Arte-Fakten gute Ansätze hat, uns philosophische Themen nahezubringen und aufzubereiten, das entsprechende Fachwissen ist sicherlich enorm, die Art zu schreiben gut zu lesen. Wie ich andernorts aber auch schon schrieb, geht die Qualität leider dadurch verloren, dass in praktisch jedem Artikel die Dichotomie von Wissenschaft und Philosophie postuliert wird und die Philosophie als die normgebende Instanz über die Wissenschaft gesetzt wird. Die Konsequenzen haben Sie treffend beschrieben.

  6. Richtig ist zwar, dass das, was heute mit dem Begriff „Science Wars“ bezeichnet wird, im Wesentlichen in den 1990er Jahren stattfand, aber der Konflikt ist schon viel älter, und er war auch nicht vor 10 Jahren plötzlich beendet.
    Der polnische Mikrobiologe und Mediziner Ludwik Fleck schrieb sein Buch „Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache“ 1935, er wird damit heute als Vorläufer von Thomas Kuhns „Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ gesehen. Paul Feyerabends Aufsätze zur Autorität der Wissenschaften stammen aus den frühen 1970ern, Latour/Woolgars „Laboratory Life“ (Im Untertitel fast wortgetreu wie Fleck: „The construction of scientific facts“ ist aus der Mitte der 1970er.
    Allein diese Aufzählung zeigt auchschon, dass es sich nicht um eine Auseinandersetzung zwischen „Postmodernen“ und Wissenschaftlern handelt. Auch im weiteren dominierten nicht „Postmoderne“ die Diskussion auf der Seite der Kritiker. Die stärkste und aus meiner Sicht interessanteste Kritik kommt von Konstruktivisten. Daneben macht Keith Parsons, der die Debatte beispielhaft dokumentiert hat, drei weitere Komplexe der Kritik aus: Postmoderne, Feministinnen und Konservative.
    Auch der Begriff „Realist“ ist eine starke Vereinfachung – außerdem verweist er auf eine wissenschftstheoretische Debatte, die mit den Science Wars nichts zu tun hat.
    Ich denke, wenn man die Standpunkte einmal genauer auffächert, dann bleibt von den Fronten nicht mehr viel übrig, dann wendet man sich den aufgeworfenen Fragen zu und debattiert deren Relevanz.

  7. Schriebs und veröffentlichte einen Artikel zu den „sogenannten alternativen Heilmethoden“ um auch der zweiten Parallele zu entsprechen. Relevanzdebattierung über vermeintlich feststehende Behauptungen sind (wie bereits geschehen) sinnlos. Nebenschauplätze (Dauer einer Debatte) breitzutreten, um vermeintliche oder echte Pauschalisierungen aufzudecken ändern doch an dem Inhalt nichts. Wenn die Fronten nicht von den „Wissenschaftskritikern“ aufgeworfen worden wären, gäbe es kaum diesen Artikel.

  8. Ich glaube, Du bist ein Biologe, der in der Wildnis ziemlich gut klarkommen würde, Tobias. :-)))

  9. Nur kurz zu Feyerabend und seinem etwas unglücklichen Spruch: Mit „anything goes“ meinte er eher die Art der Ideengewinnung – vom logischen Ableiten bis zum Träumen – eben „anything goes“. Das hat nichts damit zu tun, dass anschließend der wissenschaftliche Weg zu beschreiten ist. Die Postmodernen haben diesen Satz endlos missbraucht.

  10. Muss Andrea ebenso zustimmen, da ich auch nicht finde, dass man Philosophie schlecht reden kann. Im Grunde genommen ist doch jeder Wissenschaftler mit einer Theorie irgendwo ein Philosoph, aber nicht jeder Philosoph ist ein Wissenschaftler. Das sieht man sehr gut im Bereich der Neurowissenschaften.

  11. @die Philosophen
    Ich hoffe der Artikel erweckt nicht den Eindruck, meine Meinung wäre dass die Wissenschaft keinen Platz für Philosophie ließe. Ich denke auch, dass auf den ScienceBlogs durchaus Platz für Philosophieblogs ist. Der Autor von Arte-Fakten schreibt gut und er ist bei weitem belesener als ich. Bisher bin ich mit der Themenauswahl unzufrieden.

  12. @Florian
    Das sollte kein Vorwurf werden, ich habe meinen persönlichen Eindruck geschildert (und relativiert). Hier schreibt selbstverständlich jeder über das was er will, du und ich eingeschlossen.
    Es sind sicher eine Menge Leser, die über das Stichwort „2012“ in der Google Suche bei dir landen. Es gibt aber auch eine Menge wissenschaftlich interessierter Leser, die ScienceBlogs finden, weil sie fundiert über aktuelle Wissenschaft lesen wollen.
    Letztendlich ist das aber egal, weil sie am Ende sowieso alle bei dir landen, wie die von dir dauerhafte belegte „Top-5“ Liste zeigt 😉

  13. Ich weite das mal aus: Philosophie behandelt Fragen, für die sich Naturwissenschaften schlicht nicht interessieren. Das heißt nicht, daß Naturwissenschaften gewissermaßen „unterlegen“ sind – „Metaphysik“ heißt ja nicht „über“, sondern „jenseits“ von Physik.
    Das heißt übrigens ebenso wenig. daß man an philosophischen Ideen andere Maßstäbe anzulegen hat als an jene naturwissenschaftlicher Theorien – obwohl aus der Ecke der Eso-Spinner ja häufig der Anspruch herübertönt, es immer dann mit Philosophie zu tun zu haben, wenn einer nur hinreichend wirres Zeug redet.
    Schon mal Kant gelesen? Das ist harter Tobak, der sich in seiner analytischen Schärfe durchaus auf der Höhe der Ideen Einsteins befindet.

  14. @Tobias: „Ich denke jedoch, wenn die Berichterstattung über Pseudowissenschaften dominiert, werden nicht mehr unbedingt die Leser angesprochen, für die ein wissenschaftliches Blognetzwerk gedacht ist.“
    Da bin ich ja sicher auch angesprochen. Ich bestreite allerdings die Behauptung, die Berichterstattung zu diesen Themen würde dominieren. Ich (und ich denken auch die anderen Blogger, die sich mit dieser Thematik beschäftigen) schreibe immer noch deutlich mehr Beiträge über Wissenschaft als über Pseudowissenschaft und Esoterik. Es ist allerdings so, dass die Sichtbarkeit dieser Artikel deutlich höher ist. Wenn ich über Lie-Integration oder die Dynamik von Exoplaneten schreibe, dann wird darüber einfach weniger diskutiert und kommentiert als bei einem Artikel über Homöopathie.
    Und (das hab ich in diversen Kommentaren ja schon öfter gesagt), ich halte die Auseinandersetzung und Berichterstattung über Pseudowissenschaft durchaus für angebracht – auch und gerade in einem „wissenschaftlichen Blognetzwerk“! Was Esoterik, Pseudowissenschaften und Co angeht, halte ich ignorieren für die ganz falsche Taktik. Nimm das Thema 2012: Da ist mein Artikel die Nr. 2 bei einer Google-Suche nach „2012“. D.h. einerseits, dass sehr viele Leute, die sich darüber informieren wollen zu meiner Seite kommen und dort hoffentlich vernünftigere Infos kriegen als in diversen Eso-Foren. D.h. aber auch, dass sehr viele „Trolle“ zu ScienceBlogs kommen – das lässt sich leider nicht vermeiden. Aber nochmal: ich habe von Anfang an über Themen dieser Art berichtet und werde das sicher auch weiterhin tun (es sei denn, man schmeißt mich raus 😉 ) – eben weil es aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor in Sachen Wissensvermittlung ist.

  15. @Andrea N.D.

    Ich habe Kant gelesen (besser: versucht zu lesen) und mehrere wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst. Eines steht fest: Die Sätze von Einstein sind mit Sicherheit kürzer :-).

    Nicht der schlechteste Kommentar, hier 🙂

  16. @Tobias: „Letztendlich ist das aber egal, weil sie am Ende sowieso alle bei dir landen, wie die von dir dauerhafte belegte „Top-5″ Liste zeigt ;-)“
    Ich denke den Aspekt sollte man auch nicht vernachlässigen: es gibt sicher viele, die wegen der Homöopathie/Astrologie/etc-Artikel kommen – und dann hier auf die ganzen anderen gut geschriebenen Wissenschaftsartikel treffen, die sie vielleicht sonst nie gelesen hätten.
    „Es gibt aber auch eine Menge wissenschaftlich interessierter Leser, die ScienceBlogs finden, weil sie fundiert über aktuelle Wissenschaft lesen wollen.“
    Naja – ich denke aber, die finden sie hier auch 😉 Wir haben ja alles 😉

  17. Ich finde die Artikel rund um Pseudo- und Parawissenschaften sehr spannend. Es ist wichtig, dass Wissenschaftlich sich fundiert dazu äußern. Gerade die fehlende Beschäftigung mit der Thematik führt dazu, dass viele abstruse Thesen nie widersprochen werden. Mahl ehrlich, wo im Web außer noch bei den Skeptikern wie gwup.org gibt es denn so viele fundierte Kritik an der Homöopathie? NIRGENDS. Wissenschaft hat eine gesellschaftliche Verantwortung und die wird hier wahrgenommen, hervorragend und mit Humor. Ich würde als um etwas mehr Gelassenheit bitten. Außerdem, man lernt teilweise deutlich mehr über Wissenschaft als Methode als bei normalen Themenvorstellungen.
    Also aus meiner Sicht weiter so.

  18. @Tobias:
    „@die Philosophen
    Ich hoffe der Artikel erweckt nicht den Eindruck, meine Meinung wäre dass die Wissenschaft keinen Platz für Philosophie ließe. Ich denke auch, dass auf den ScienceBlogs durchaus Platz für Philosophieblogs ist. Der Autor von Arte-Fakten schreibt gut und er ist bei weitem belesener als ich. Bisher bin ich mit der Themenauswahl unzufrieden.“
    Nimm Deine Kritik bitte nicht zurück. Ich bin auch Philosoph, ich habe offensichtlich nur nicht den Ganzheitswissensüberlegenheitsanspruch und ich meine nicht, Naturwissenschaftlern irgendetwas vorschreiben zu müssen. Es liegt nicht nur an der Themenauswahl sondern auch an der Themenaufbereitung (diese sollte sehr wohl wissenschaftlich, systematisch und methodisch erfolgen) und der vorab feststehenden Sicht auf die Dinge. Philosophie, wie ich sie verstehe, geht offen für alles auf Themen zu und verteilt nicht Postulate. Sonst ist es eher eine „Pseudoethik“ etc., die sich über die anderen Wissenschaften stellt. Philosophie sollte und kann sehr viel mehr sein, als sich konträr zu Naturwissenschaften zu etablieren. Das ist mir viel zu wenig. Insofern war Deine Kritik wichtig und richtig.
    @Florian: Dass Deine sehr informativen und wissenschafts-nahebringenden Artikel weniger kommentiert werden, liegt in der Natur der Sache. Bei den Pseudos meint jeder mitreden zu können. Bei den anderen verschlägt es einem die Sprache :-).
    @Michael: Ich habe Kant gelesen (besser: versucht zu lesen) und mehrere wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst. Eines steht fest: Die Sätze von Einstein sind mit Sicherheit kürzer :-).

  19. Aus der Sicht eines Laien, aber doch wissenschaftlich Interessierten, kann ich Folgendes sagen: Es mag der Eindruck entstehen, daß viele nur wegen der Pseudowissenschaft hier landen – die Diskussionen (oder was auch immer das darstellt) sind auf der irrationalen Seite doch beste Unterhaltung. Ob ich die Geduld wie z.Bsp. Florian aufbringen würde, immer wieder in die Tretmühle zu steigen, dabei sachlich zu bleiben und Wissen zu verteidigen, welches jeder einigermaßen gebildete Mensch schon seit der 8. Klasse haben sollte, weiß ich nicht.
    Man sollte aber nicht vergessen, daß Leute wie ich oder auch die Unentschlossenen weiter bei den Scienceblogs lesen – denn es ist schlich interessant. Man kann als Laie wenig zu Fachartikeln fragen, denn intelligente Fragen sind an Fachwissen gebunden. Aber ich meine, wenn jeder nur 20% des Geschriebenen mitnimmt, den Zusammenhang begriffen hat, ist doch schon viel erreicht. Man sollte sich dann aber hüten (als Laie), seine 20% als absolutes Wissen zu verkaufen – denn so entstehen die ganzen unausgegorenen Halbwahrheiten und Spinnereien – wer Interesse am Thema hat, kann die Artikel selbst lesen, so halte ich das.

  20. Ich habe den verlinkten Text von Bruno Latour nun gelesen und möchte nur folgendes anmerken: Die darin formulierten Selbstzweifel ehren Latour und ich kann ihnen nur zustimmen. Dass nicht jeder Text, den man schreibt, explizit von den Selbstzweifeln spricht, die den Kritiker plagen, ist wohl verständlich und auch gut so, aber hin und wieder müssen sie ausgesprochen werden.
    Wichtig an dem Text ist auch, dass Latour hier explizit sagt, was eigentlich selbstverständlich ist: Wenn man in den Science Studies zu dem Ergebnis kommt, dass alle Fakten letztendlich Konstruktionen sind, dann gilt das natürlich auch für diese Erkenntnis selbst (die ja auch als Fakt konstruiert wurde).
    Wenn Latour die Fragen an die Science Studies so weit treibt dass er meint, diese hätten letztlich die Waffen für Klimawandel-Leugner und sogar für Terroristen geliefert, ist das bedenkenswert – allerdings müssten sich davon dann ebenso Internet-Technologen, Programmierer, Informatiker, Ingenieure und all die Naturwissenschaftler, die die Grundlagen der Waffentechnik und der Flugzeugtechnik geliefert haben, angesprochen fühlen.

  21. Ich stimme schrauber2 (23:25) voll zu.
    Wenn Wissenschaftsbeiträge in einem Blog auch die Aufgabe haben, Laien mit Information und vor allem mit sachlichen Argumenten zu versorgen (was ich in der ganzen Homöopathie-, Astrologie-, Fahrradhelm- und Gentechnikdiskussion überaus dankbar empfand!), dann sollte am bisherigen Konzept nichts geändert werden.
    Oder andersrum: Wenn der Kommentarbereich von SB nur für Wissenschaftler und nicht gleichermaßen für Laien zugänglich sein sollte, wäre dies ja problemlos durch eine Zugangsbeschränkung zu erreichen. Wissenschaftsinformationen und deren Diskussionen verblieben dann in einer Art Legebatterie: Die Produzenten hätten keinen Kontakt mehr zum Boden.
    Wollen das die Autoren? Wollen das die Leser?

  22. Ich sehe das zweischneidig. Einerseits finde ich es gut, wenn wissenschaftlich vorgebildete Menschen aktiv(!) gegen Pseudowissenschaft und Esoterik anschreiben, so wie Florian das am Beispiel 2012 beschreibt, andererseits muss ich zugeben, dass ich ausgerechnet bei den scienceblogs sehr viel über Astrologie und Homöopathie gelernt habe. Als Verlagsmensch weiß ich, dass jede(!) Buchrezension den Absatz fördert, egal ob es sich um einen Veriss oder eine Lobeshymne handelt, wichtig ist nur, dass darüber gesprochen wird. Analog dazu fürchte ich, könnten auch die scienceblogs unfreiwillig Werbung für die Dinge machen, die sie eigentlich „verreißen“ wollen.
    Das Problem, dass gerade die pseudowissenschaftlichen Themen einen hohen Diskurswert haben, halte ich für wirklich groß. Als Blogger ist man natürlich versucht immerwieder ein Thema zu behandeln, dass viele Kommentare bringt, kontrovers diskutiert wird. Damit verlässt der Blogger aber auch oft das eigene Themengebiet. Wünschenswert wären doch wissenschaftliche Beiträge, über die man kontrovers diskutieren kann, ein Gespräch führen kann. Alle anderen Beiträge sind doch eher ein Fall für den Verlautbahrungsjournalismus ala „Die Wissenschaft hat festgestellt …“ und nicht für Blogs, oder?

  23. @ Tobias
    Danke!
    Danke dafür, dass du selber über Esoterik geschrieben hast! Und wie! Sehr gut! Siehe:
    „Masernepidemie durch Anthroposophie“, http://www.scienceblogs.de/weitergen/2008/04/masernepidemie-in-osterreich.php
    „Rudolf Steiner und die Schrödingergleichung“, http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/01/rudolf-steiner-und-die-schrodingergleichung.php
    Zumindest im Falle der „Entdeckung“ der Schrödingergleichung durch Rudolf Steiner möchte ich doch mal ein grosses Fragezeichen hinter deine Aussage setzen:
    „Es ist ja auch nichts neues mehr und die Argumente drehen sich seit Ewigkeiten im Kreis.“
    Das war doch mal was Neues? Oder? Ich hatte dich ja selber gebeten, darüber zu schreiben. Warum? Weil es etwas anderes ist, wenn ein Wissenschaftler bei ScienceBlogs darüber berichtet, als wenn ich als wissenschaftlicher Laie das tue. Danke!

  24. @ Tobias
    Danke!
    Danke dafür, dass du selber über Esoterik geschrieben hast! Und wie! Sehr gut! Siehe:
    „Masernepidemie durch Anthroposophie“, http://www.scienceblogs.de/weitergen/2008/04/masernepidemie-in-osterreich.php
    „Rudolf Steiner und die Schrödingergleichung“, http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/01/rudolf-steiner-und-die-schrodingergleichung.php
    Zumindest im Falle der „Entdeckung“ der Schrödingergleichung durch Rudolf Steiner möchte ich doch mal ein grosses Fragezeichen hinter deine Aussage setzen:
    „Es ist ja auch nichts neues mehr und die Argumente drehen sich seit Ewigkeiten im Kreis.“
    Das war doch mal was Neues? Oder? Ich hatte dich ja selber gebeten, darüber zu schreiben. Warum? Weil es etwas anderes ist, wenn ein Wissenschaftler bei ScienceBlogs darüber berichtet, als wenn ich als wissenschaftlicher Laie das tue. Danke!

  25. Ich gehöre auch zu jenen, die nach Jahren des relativ unkritischen Konsums von Esoterik- und Pseudowissenschafts-Gequatsche endlich die naturwissenschaftliche Perspektive entdeckt hat, dank Autoren wie Carl Sagan, Martin Lambeck oder Richard Dawkins. Auch wenn es „euch Naturwissenschafts-Profis“ innerhalb eures Binnendiskurses längst langweilen mag – ich bin Bloggern wie Florian Freistetter oder Ulrich Berger extrem dankbar für ihre Berichterstattung, weil die Dekonstruktion und Entzauberung von Voodoo-Science eine ganz konkret spürbare emanzipatorische Wirkung hat. Der „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“, den Kant fordert, vollzieht sich da – für mich und, wie ich beobachte, auch für andere Leser – immer wieder und immer nachhaltiger. Meine Lebensqualität, meine Selbstreflexion, meine innere Unabhängigkeit – das hat sich tatsächlich verändert, zum Guten. Und nichts anderes meint doch Aufklärung: den Weg heraus aus magischem Denken und einer Weltdeutung, die sich unhinterfragten religiösen/ spirituellen Autoritäten verdankt.
    Und noch etwas: Ich glaube, Sie unterschätzen, in welchem Ausmaß Pseudowissenschaften und Esoterik den Mainstream der Gesellschaft dominieren – bis weit hinein in Bildungsinstitutionen, Medien, die Alltagspraxis vieler Menschen, denen allerhand Quatsch teuer und in der Regel unwidersprochen verkauft wird. So gesehen leisten die SBs hier Pionierarbeit, und dass es diese Form von Öffentlichkeit gibt, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dass Leute wie Erich Eder von „Kritisch gedacht“ sogar prozessieren mussten, um Grander-Wasser als wissenschaftlichen Unfug bezeichnen zu dürfen, zeigt doch wohl, dass es keinen Grund gibt, sich in den „Elfenbeinturm“ zurückzuziehen.
    Unabhängig davon lese auch ich viele andere Beiträge mit großem Interesse – mangels Fachkompetenz halte ich da dann auch eher meine Klappe.
    Die Pseudowissenschaften erzeugen wohl auch deshalb so viel Wirbel, weil sie nahe an den existenziellen Bedürfnissen der Menschen ansetzen: Gesundheit und Krankheit, Wünsche nach Symbiose und Geborgenheit, Tröstung angesichts des kränkenden Wissens ums Sterbenmüssen…Das sind keine Felder, die man Religion und Esoterik allein überlassen sollte. Ich wünsche mir auch die „furchtlose“ Perspektive, die all diesen Fragen standhält, ohne magisch-mystische Erklärungen anzubieten.
    Daher, Florian Freistetter und Ulrich Berger, bitte unbedingt weitermachen!

  26. Nachfolgendes Zitat sus dem Essay fasst das Wesen der Wissenschaft und das Problem, das wir hier immer wieder mit einigen Kommentatoren haben, wunderbar zusammen.

    Die wissenschaftliche Methode ist also gerade der Versuch, die Subjektivität
    des Meinens, zu der die Menschen immer tendiert haben und tendieren
    werden, so weit wie irgend möglich auszuschließen und die Natur
    in jenem Zustand zu ergründen, in dem sie noch nicht zum geistigen
    Konstrukt geworden ist.

    Wissen gegen meinen und vermuten
    Objektivität gegen Subjektivität
    An diesen Gräben verlaufen die Science Wars.
    Danke, Gema

  27. Ich stimme zu, eine bemerkenswerte Zusammenfassung der auch in den SB-Kommentarbereichen durchexerzierten Debatten. Besonders die Zeilen ab dem letzten Absatz auf Seite 3 und die gesamte 4. Seite sollte man beim Kommentieren jederzeit griffbereit halten. Am besten gleich bei Rechnerstart in die Zwischenablage kopieren…
    Grüße
    Christian W

  28. Ich kann mich nur anschließen, danke für den Tipp!
    Gross/Levitts „Higher Superstition“ werde ich mir gleich bestellen. Und erst die Geschichte mit Alan Sokals „transformativer Hermeneutik der Quantengravitation“, diesem Hoax, auf den die Schwurbler reihenweise hereingefallen sind – herrlich! (Mein Unbehagen und Ärger beim Lesen von Lacan oder Baudrillard waren also doch Anzeichen für eine einigermaßen gesunde Skepsis vor den unsauberen, assoziativ dahinmäandernden Diskurs-Pirouetten der Postmoderne. Späte Genugtuung!:-)

  29. @Rose: Die „Schwurbeler“ sind nicht auf Sokals Hoax reihenweise hereingefallen, das ist eine sehr einseitige Interpretation des Geschehens. Die Wahrheit ist: Sokal hat seinen Hoax in einer durchschnittlichen Zeitschrift (seine Feunde schrieben später zwar, „Social Text“ wäre eine führende Zeitschrift, z.B. schrieb Boghossian: „the leading journal in the field of cultural studies“ aber es war nur eine von vielen Zeitschriften) publiziert, sein Text blieb aber völlig unbeachtet. Niemand nahm ihn wahr, bis sich herumsprach, dass es ein Hoax war.
    Sie wissen sicher, dass es leider auch oft vorkommt, dass völlig frei erfundene „wissenschftliche Ergebnisse“ durch das peer review System führender Wissenschftsjournale kommen – und mehr ist hier auch nicht passiert. Insofern sollten Sie aus dieser Geschichte keine Bestätigung für Ihr Urteil über Lacan und Baudrillard ableiten.

  30. Sie wissen sicher, dass es leider auch oft vorkommt, dass völlig frei erfundene „wissenschftliche Ergebnisse“ durch das peer review System führender Wissenschftsjournale kommen – und mehr ist hier auch nicht passiert.

    Das ist eben nicht das selbe. In experimentellen Wissenschaften muß der Leser oder der Referee einfach darauf vertrauen, daß die Experimente wirklich so durchgeführt wurden, wie es in der Arbeit beschrieben wird. Man hat nicht die Möglichkeit, es nachzuprüfen und kann allenfalls die Schlußfolgerungen beurteilen, die aus den Experimenten gezogen werden.
    In den Geisteswissenschaften sollten es die Leser aber eigentlich schon merken, wenn einfach nur sinnfrei Fremdwörter zusammengesetzt werden.

  31. „In experimentellen Wissenschaften muß der Leser oder der Referee einfach darauf vertrauen, daß die Experimente wirklich so durchgeführt wurden, wie es in der Arbeit beschrieben wird. Man hat nicht die Möglichkeit, es nachzuprüfen und kann allenfalls die Schlußfolgerungen beurteilen, die aus den Experimenten gezogen werden.“
    Wenn das stimmen würde, würde es ein ganz neues Licht auf die Wissenschaft werfen – deren Stärke gerade in der Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Forschungsberichten liegt.
    „In den Geisteswissenschaften sollten es die Leser aber eigentlich schon merken, wenn einfach nur sinnfrei Fremdwörter zusammengesetzt werden.“
    Die darin implizit enthaltene Behauptung, Sokal hätte nur sinnfrei Wörter zusammengesetzt, zeuggt von Unkenntnis des tatsächlichen Vorgangs. Sokal hat den Stil und die Argumentationsweise der Postmodernen imitiert, er hat in diesem Stil aus wissenschaftlichen Theorien politische Konsequenzen abgeleitet, und er hat dies mit der reputation eines anerkannten Physikers getan.
    Wenn ein anerkannter Physiker Überlegungen z.B. über die politischen Implikationen der Quantentheorie anstellt und diese in einem Journal für kulturelle Studien zu veröffentlichen wünscht, warum sollte man dem nicht positiv gegenüber stehen?

  32. Wenn man ein paar Tage offline ist, merkt man erst wieder, wie sehr sich Jörg Friedrich (leider habe ich kein anderes Beispiel) leider ausschließlich – in mannigfaltiger Variation, Raffinesse und Ausführlichkeit, in eigenen Artikeln und Kommentaren – in die Dichotomie der Naturwissenschaft – Philosophie verbissen hat. Schade, das wird langsam nicht nur extrem langweilig und bindet unnötig Resourcen, es nervt tatsächlich ziemlich.
    Und ja: ein anerkannter Physiker ist in der Lage über „Politische Implikationen“ (was immer das sein soll) der Quantentheorie in der Öffentlichkeit zu sprechen. Der Philosoph/Geisteswissenschaftler hat es da ungleich schwerer, da sich zunächst ja einmal über die Quantentheorie informieren muss. Wie oft wurde das jetzt hier und in anderen Threads schon durchgekaut? Wie viel Begriffsvermögen darf hier eigentlich erwartet werden? Hilft nur eines – zukünftig eisern ignorieren.

  33. TK: „Man hat nicht die Möglichkeit, es nachzuprüfen und kann allenfalls die Schlußfolgerungen beurteilen, die aus den Experimenten gezogen werden.“

    JF: Wenn das stimmen würde, würde es ein ganz neues Licht auf die Wissenschaft werfen – deren Stärke gerade in der Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Forschungsberichten liegt.

    Hören Sie, wollen Sie sich über uns lustig machen, wollen Sie uns zu präzisen (und ausladenden) Formulierungen erziehen oder was soll das? Ich weiß natürlich auch, daß die Stärke der Wissenschaft in der Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Ergebnissen liegt. Das heißt aber nicht, daß man jedes Experiment selbst nachbauen kann. Der Aufwand wäre viel zu groß.

  34. Ach ja, und noch zu Sokal: man kann den Text auf jeder beliebigen Seite aufschlagen, ich zitiere hier einfach mal (weil das mein Gebiet ist) aus dem Abschnitt über Topologie:

    At about the same time, in the social and psychological sciences Jacques Lacan pointed out the key role played by differential topology:
    This diagram [the Möbius strip] can be considered the basis of a sort of essential inscription at the origin, in the knot which constitutes the subject. This goes much further than you may think at first, because you can search for the sort of surface able to receive such inscriptions. You can perhaps see that the sphere, that old symbol for totality, is unsuitable. A torus, a Klein bottle, a cross-cut surface, are able to receive such a cut. And this diversity is very important as it explains many things about the structure of mental disease. If one can symbolize the subject by this fundamental cut, in the same way one can show that a cut on a torus corresponds to the neurotic subject, and on a cross-cut surface to another sort of mental disease.57 58
    As Althusser rightly commented, „Lacan finally gives Freud’s thinking the scientific concepts that it requires“.59 More recently, Lacan’s topologie du sujet has been applied fruitfully to cinema criticism60 and to the psychoanalysis of AIDS.61 In mathematical terms, Lacan is here pointing out that the first homology group62 of the sphere is trivial, while those of the other surfaces are profound; and this homology is linked with the connectedness or disconnectedness of the surface after one or more cuts.63 Furthermore, as Lacan suspected, there is an intimate connection between the external structure of the physical world and its inner psychological representation qua knot theory: this hypothesis has recently been confirmed by Witten’s derivation of knot invariants (in particular the Jones polynomial64) from three-dimensional Chern-Simons quantum field theory.

    Was bitte, wenn nicht so etwas, verstehen Sie unter sinnfreiem Zusammensetzen von Fremdwörtern?

  35. @Thili Kuessner: „Und überhaupt, was sollen die „politischen Implikationen“ oder „politischen Konsequenzen“ in Sokals Arbeit sein? “
    Sokal selbst schreibt in seinem erläuternden Artikel (zu finden unter http://www.ee.bgu.ac.il/~censor/katz-directory/01-07-17sokal-lingua-franca-experiment.pdf ): „Basically, I claim that quantum gravity–the still-speculative theory of space and time on scales of a millionth of a billionth of a billionth of a billionth of a centimeter–has profound political implications (which, of course, are „progressive“)“
    Und dazu noch einmal: Wenn ein ausgewiesener Physiker solche Thesen gegenüber einem Publikum aufstellt, das wiederum nicht aus Physikern besteht und dazu auch noch selbst so tut, als ob er das argumentativ belegen zu können glaubt (dass er seine eigenen Argumente selbst für Nonsens hielt, stand ja nicht dabei) so ist es nicht überraschend, dass dieser Text publiziert wird. Ob die Editoren seinen Argumenten zu folgen bereit sind, ist ja damit noch nicht ausgemacht.

  36. Über Sokal könnte man vielleicht noch einmal einen eigenen Artikel schreiben, auch wenn die Story natürlich nicht mehr aktuell ist. Ich muß sagen, daß ich die Geschichte natürlich kannte, mir aber erst auf diese Diskussion hin vorgestern zum ersten Mal Sokals Arbeit angeschaut habe. Was mich dabei besonders überrascht hat ist, daß ein nicht unerheblicher Teil seiner Arbeit aus (wörtlichen oder sinngemäßen) Zitaten besteht, in jedem Abschnitt werden mehrere Quellen zitiert. Es ist also gar nicht so, daß er sich frei assozziierend irgendwelchen Nonsens ausgedacht hat, sondern er hat zum großen Teil „Theorien“ dargestellt, die es wirklich gibt. Dieser Aspekt war mir bisher gar nicht bewußt gewesen.

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