Entscheiden, aber wie?

Es gibt eigentlich nur zwei Wege als Postdoktorand an einer akademischen Einrichtung zu enden. Man muss entweder die Wissenschaft sehr lieben und außgesprochen frustrationstolerant sein – oder man ist einigermaßen intelligent, hat aber noch nie bewusst eine Karriereentscheidung getroffen.

Ersterer Typ Wissenschaftler ist zu beglückwünschen. Letzterer Typ bevölkert weite Teile deutscher Forschungslabore und wird in einer aktuellen Spiegel-Kolumne recht gut charakterisiert. Übertragen auf das akademische Umfeld bedeutet das: Erst mal Diplomarbeit machen, erst mal die Promotion durchziehen, erst mal einen Postdoc machen und unbedingt alle Optionen offen halten. Bevor man dann mit Mitte 30 unterbezahlt, überarbeitet, frustriert und ohne Perspektive dem nächsten befristeten Vertrag harrt. Es besteht ja noch die theoretische Chance, tatsächlich irgendwann eine unbefristete Stelle im akademischen Betrieb zu ergattern. Aber erst mal auf die passende Stellenausschreibung warten, erst mal zu ein mehr Vorträgen eingeladen werden, erst mal noch ein paar Papers publizieren.
Die weit verbreitete Ansicht, ohne Promotion sowieso keine Chance am Arbeitsmarkt zu haben und das Versäumnis der Unis während des Studiums auf konkrete Alternativen zur akademischen Karriere aufmerksam zu machen begünstigen den Weg in die akademische Sackgasse. Dennoch, und manche mag das überraschen: Schuld an der eigenen Misere ist man selbst.
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Animiertes gif aus WSWCgradschool.

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12 Kommentare

  1. ob,
    das soll die Adaptation der Spiegel Kolumne auf mein aktuelles Umfeld sein. Der von dir verlinkte Kommentar von gestern passt zum Thema, hat aber mit dem Blogpost nicht direkt zu tun.

  2. Es gibt noch ne Möglichkeit, man liebt die Wissenschaft, ob man das Zeug bzw. die Chance dazu hat Prof. zu werden steht in den Sternen, manchmal findet man es sogar abschreckend zu sehen, dass viele Profs. nur noch damit beschäftigt sind die Forschung zu Verwalten, Drittmittelanträge zu schreiben, in der Uni Verwaltung eingespannt sind und selber kaum noch zum Forschen kommen. Eigentlich fühlt man sich auf dem Postdoc Niveau sehr wohl. Dazu kommt eine Portion Nonkonformismus, ob man viel Geld oder etwas weniger verdient ist einem recht egal, da man eh einen recht Minnimalistischen Lebenstiel pflegt und man sagt sich, ich mach das halt so lange wie es gut geht. Wenn es irgendwann nicht mehr gut geht, versucht man alternativen auf dem Arbeitsmarkt zu finden aber sollte das nicht klappen, wird man auch nicht verzweifeln, schließlich gibt es so viel schönes und interresantes, dass man auch mit sehr wenig Geld machen kann und man ist sich des Risikos ja bewußt gewesen und hat es in Kauf genommen. Das ist allemal besser als für immer in einem Job festzuhängen, den man eigentlich gar nicht machen möchte, so hat man es wenigstens Versucht.
    Ich kann nichts damit anfangen, eine Karriere anzustreben um Geld Macht und Status zu ernten, ehrlich gesagt sind mir diese Sachen völlig egal (so lang ich nicht hungern muss), ich will etwas interresantes, schönes und im Idealfall auch nützliches tun.

  3. Ich kann nichts damit anfangen, eine Karriere anzustreben um Geld Macht und Status zu ernten, ehrlich gesagt sind mir diese Sachen völlig egal (so lang ich nicht hungern muss), ich will etwas interresantes, schönes und im Idealfall auch nützliches tun.

    Hoffentlich beschwerst Du Dich dann nicht, wenn diejenigen die RIchtung vorgeben, denen Geld, Macht und Status nicht egal sind.

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  5. Mich würde interessieren, wo oder wie die These belegt ist, dass „weite Teile deutscher Forschungslabore“ von Menschen bevölkert sind, die „noch nie bewusst eine Karriereentscheidung getroffen“ haben (und damit in einer „Sackgasse“ oder „Misere“ sind)? Es gibt einen akademischen Mittelbau. Folglich muss es auch Menschen geben, welche die entsprechenden Stellen besetzen (z. B. solche, die den bewussten Wunsch hatten/haben in der Wissenschaft zu arbeiten, ohne aber großen Wert auf eine herausgehobene Position als Professor zu legen).

  6. Schön wärs, aber der Mittelbau ist praktisch nicht mehr vorhanden. Viele AG’s bestehen nur aus Prof.und Doktoranden, wenn man Glück hat sind noch ein paar Postdocs dabei, aber alles nur befristet.
    Unbefristete Stellen unterhalb einer Professur sind sehr sehr selten geworden. Meiner Meinung nach ist das schlecht für Forschung und Lehre, zumindest wenn man längerfristige Projekte betreibt.

  7. Die Spiegel Kolumne rechnet ganz schön hart ab. Und mit dem Ausdruck „selbst verschuldet“ würde ich an deren Stelle auch vorsichtig umgehen. Als junger Mensch eine Entscheidung zu treffen ist sehr schwierig, bisweilen sogar unmöglich, da einem die Erfahrung fehlt oder Erfahrungsberichte von anderen nur schwierig zu bekommen sind und einiges an Recherche erfordern. Als Resultat findet man eine Reihe vollkommen widersprüchlicher Aussagen von anderen. Ob man dann diesen Erfahrungsberichten mit 19 Jahren glauben schenkt ist eine ganz andere Sache. Zudem geht man nach dem Abitur mit einer gehörigen Portion Naivität an die Sache, nach dem Motto „ich habe ja noch alle Zeit der Welt“, „irgendwie wird es schon werden“ und „ich studiere etwas, weil es mir in der Schule spaß gemacht hat“. Wenn man auf die Homepages der Unis schaut, so klingt die Beschreibung aller Studiengänge und was man beruflich damit machen kann „eigentlich ganz interessant“. Auf welcher Basis soll man denn da eine konsequente, lebenslange und vor allem sinnvolle Entscheidung treffen? Zudem muss man damit rechnen, dass man in seinem Leben irgendwann einmal doch orstgebunden bleiben wird … sei es wegen dem Partner, der Kinder oder der pflegebedürftigen Eltern.
    Die Entscheidung ein Wissenschaftler zu werden, kann man ja von vorneherein mit einer gehörigen Portion Idealismus treffen und auch gezielt darauf hinarbeiten, wie der Blogautor es auch gemacht hat. Um auf lange Frist erfolgreich zu werden und Professor zu werden, bedarf es aber auch einer gehörigen Portion Glück. Da kann man noch so viel planen wie man will. Deshalb finde ich den Spiegel-Bericht ganz schön überzogen. Denn, wie gesagt, alles im Leben lässt sich nicht im Vorneherein planen oder darauf hin arbeiten, der Zufall und das Glück (oder auch Pech) mischen da ganz gewaltig mit!

  8. Wenn man nicht über sehr viel „Vitamin B“ verfügt, lässt sich ohnehin wenig planen. Vieles ist schlichtweg Zufall.
    Ich habe auch lange an meiner Dissertation gearbeitet, mich von Job zu Job gehangelt und davon geträumt, die Wissenschaft aus den Angeln zu heben. Dann bekam ich durch Zufall die Gelegenheit, in ein Gebiet reinzuschnuppern, mit dem ich nie was zu tun haben wollte. Ich musste eine Entscheidung treffen! Also habe ich meine Promotion ad acta gelegt und bin jetzt… Lehrer – und unterrichte 10-16-jährige. Und so unglaublich das klingt: Ich denke immer noch, die Entscheidung war richtig.
    Das wäre natürlich nicht für jeden die richtige Entscheidung gewesen. Aber ich finde, an dem Spiegel-Artikel ist viel Wahres, auch wenn er etwas arrogant daherkommt: Man muss sich auch mal von alten Träumen trennen und sich zufällig bietende Gelegenheiten wahrnehmen.

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