Abstimmung zur PID im Bundestag

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Heute wird im Bundestag über eine Zustimmung oder Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik (PID) abgestimmt. Es stehen drei Gesetzesentwürfe zur Debatte. Nach zwei Anträgen soll die PID in unterschiedlich definierten Grenzen möglich sein, in einem wird ein völliges Verbot gefordert.

Bei der Präimplantationsdiagnostik werden in vitro befruchtete Eizellen genetisch Untersucht, bevor entschieden wird, welche Eizelle(n) in die Gebärmutter eingepflanzt werden.
Vor genau einem Jahr habe ich einen Artikel zur PID mit Hintergründen zum Thema geschrieben. Anlass war ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs, in dem die PID in drei Fällen für rechtens erklärt wurde. In der regen Diskussion zum Artikel zeichnete sich ab, dass meine Leser mehrheitlich für die PID waren.
In diesen Minuten wird über die Gesetzesentwürfe beraten, später dann abgestimmt. Parallel zum Bundestag kann auch hier im Blog abgestimmt werden, jedoch mit nur zwei Optionen. Für die PID oder dagegen. Wer dafür stimmt, sollte idealerweise unten kommentieren, innerhalb welcher Grenzen er oder sie sich eine Zulassung wünschen würde.

Als Hilfestellung hier ein paar mögliche und unmögliche Grenzen. Die ersten zwei Stichpunkte entsprechen den eingebrachten Gesetzesentwürfen.

  • Wenn die Eltern die Veranlagung zu einer schwerwiegenden Erbkrankheit aufweisen oder wenn eine Tot- oder Fehlgeburt droht.
  • Wenn eine erbliche Veranlagung der Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Fehl- oder Totgeburt führen würde.
  • Wenn eine Erbkrankheit der Eltern zum Tod des Kindes im ersten Lebensjahr führen kann.
  • Wenn eine Erbkrankheit der Eltern zum sicheren Tod des Nachwuchses führen kann, auch im späteren Leben.
  • Ein präimplantatives Screening anhand einer mit den Eltern abgesprochenen Positivliste an auszuschließenden Krankheiten soll durchgeführt werden können.
  • Wünsche der Eltern sollen per PID möglichst erfüllt werden.

Bild vom Reichstag: cestpasgrave auf flickr (cc)

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37 Kommentare

  1. Da habe ich wohl als erster gevoted. Mal nachher schauen wie das Voting hier im Vergleich zur Abstimmung aussehen wird.

  2. So ich hab für ja gestimmt und zwar mit vollgenden Einschränkungen:

    Wenn die Eltern die Veranlagung zu einer schwerwiegenden Erbkrankheit aufweisen oder wenn eine Tot- oder Fehlgeburt droht.
    Wenn eine erbliche Veranlagung der Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Fehl- oder Totgeburt führen würde.
    Wenn eine Erbkrankheit der Eltern zum Tod des Kindes im ersten Lebensjahr führen kann.
    Wenn eine Erbkrankheit der Eltern zum sicheren Tod des Nachwuchses führen kann, auch im späteren Leben.

  3. Ich bin mir nicht sicher, ob ein nennenswertes Risiko fuer den Embryo, der letztlich eingepflanzt wird besteht. Wenn ja, so sollte schon ein guter Grund vorliegen.
    Wenn nein, sehe ich kein ernstzunehmendes Argument fuer ein Verbot der PID – auch wenn ich die gezielte Auswahl eines vermutlich behinderten Embryos als Grauzone empfinde (zB taubstumme Eltern wollen taubstummes Kind).

  4. Ich habe dafür gestimmt. Ich könnte davon auch tatsächlich betroffen sein, sollte mit meiner jetzigen Freundin ein handfester Kinderwunsch aufkommen, denn mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit hätte dieses Kind eine in erheblichem Maße die Lebensqualität einschränkende Erbkrankheit.
    Insofern finde ich die Variante mit der zu testenden Positivliste am Besten — wobei natürlich in jedem Fall vorher von mehreren qualifizierten Medizinern bestätigt werden muss, dass die Krankheiten erheblich genug sind, um abgetestet werden zu dürfen.
    Die Hürden müssen auch hoch genug sein (vorherige, intesive Beratung etc.), dass man so etwas nicht leichtfertig machen kann. Es muss sehr unangenehm sein, so etwas zu tun, aber wer es wirklich will, dem muss so etwas auch ermöglicht werden.
    Die Redner im Bundestag haben hier teilweise Fälle aus der Vergangenheit angesprochen: prominente Menschen, die mit PID vielleicht nich geboren worden wären. Das ist natürlich sehr leicht hingesagt, denn die Gegenbeispiele — Menschen, die nicht geboren wurden, weil die Eltern zu große Angst vor einem kranken Kind hatten oder es wegen Fehlgeburten gar nicht mehr versuchen mochten — sind nicht greifbar.

  5. Ohne Einschränkung erlauben.
    Was macht es für einen Sinn für Eltern und Kind wenn man sicher weiß, dass das Kind eine massive Einschränkung der Lebensqualität haben wird.
    @zuppi
    prominente Menschen, die mit PID vielleicht nich geboren worden wären</>
    Und was ist mit all den prominenten Massenmördern wie ?

  6. Je mehr ich mich mit dem Embryonenschutzgesetz und seinen Implikationen beschäftige, desto klarer wird mir, dass hier Menschen ohne jeglichen Grund gegängelt und zum Leiden verurteilt werden und das ganze Gesetz ersatzlos gestrichen gehört.

  7. Ob wohl die Ja-Sager wissen oder wussten, dass sie für eine Überzeugung einstehen, die bereits den Nazis zu eigen war?
    Man tritt für eine Unterscheidung von werten und unwertem Leben ein damit am Ende das Leben mit der besten Disposition ausgewählt werden kann. Das nennt sich Eugenik. Keine Rede davon, ob die menschliche Würde betroffen sein könnte, ob die Definition von Würde, doch insbesondere die des Lebens eine derartige Selektion ethisch zulässt. Obgleich der BGH eine ethische Unverfänglichkeit bei Verwendung von pluripotenten Zellen in der Präimplantatiosdiagnostik sieht und sich dabei auf das Embryonenschutzgesetz beruft,
    geht es um einen wesentlich tiefgreifenderen Einschnitt in das Wertesystem, denn zweifelsohne handelt es sich bereits bei totipotenten Zelle um Leben gemäss der Definition von Leben.
    Also wird man in Zukunft darüber entscheiden: Du darfst weiterleben, Du leider nicht.
    Wie menschlich. Und wie ekelhaft. Es ist ebenso ekelerregend, dass sich die Vertreter, insbesondere die aus den Naturwissenschaften, nicht wie einstmal die Göttinger 18 erheben und laut heraus schreien: NEIN, da machen wir nicht mit.
    So plausibel die Vorteile der PID für Einzelfälle auch verherrlicht werden. Es wird darüber gerichtet, was lebenswert ist und was nicht. Jeder bekannte Völkermord wird aus den selben Gründen durchgeführt. Völkermord lehnen wir ab. Aus welchen Gründen gleich?

  8. Also wer mit nein stimmt, hat schon das Problem, dass nach Implantation bei Schwangerschft recht regelmäßig eine Abtreibung (auch spät) erfolgt.
    Wobei es klar ist, dass es auch Eltern gibt die beispielsweise ein Kind mit Down Syndrom austragen – wenn sie sich das zutrauen.
    Im übrigen gibt es ja auch keinen Zwang die befruchteten Eizellen tatsächlich zu implantieren.
    Und wenn es drei befruchtete Eizellen gibt, eine davon mit dem erblichen Veitstanz belastet und zwei nicht, ist wohl auch vorauszusehen, welche Eizelle eingepflanzt wird, und dies obwohl die tödlichen Folgen dieser Erbkrankheit erst jenseits des 40 Lj zum Tragen kommen. Da könnte es dann aber auch passieren, dass die Schwangerschaft mit den 2 „gesunden“ Eizellen nicht erfolgreich ist und dann die 3. eingepflanzt wird. Obwohl es für Eltern ja eine furchtbare Sache wäre, dann 40 Jhr später am Grab des eigenen Kindes zu stehen, welches am Veitstanz verstorben ist.
    Eine befreundete Ärztin um die 40 mit drei kleinen Kindern hat erst jetzt erfahren, dass es Veitstanzfälle in der Familie gibt. Sie weiß nicht ob sie sich testen lassen soll, im Fall eines positiven Testes könnte sie ja jetzt für ihre Kinder noch vorsorgen.
    Vorm Ergebnis hat sie Angst, evtl wird sie zuerst auch ihre drei Kinder testen lassen.
    Früher konnte man gar nichts testen- da war das schicksalhaft, hat aber auch viele Paare dazu geführt weil vermeintliches Risiko gar keine Kinder zu bekommen.
    In Zukunft wird wohl spätestens bei Geburt das Genom des Kindes sequenziert und auf allfällige Risken hin untersucht. Ich halte das für unausweichlich.
    In Indien und China wird ja jetzt schon seit vielen Jahren selektiv abgetrieben wenns ein Mädchen ist. Und die haben jetzt das Riesenproblem dass auf 1000 Buben nur mehr 750 Mädchen kommen. Also gemacht wird was möglich ist, auch wenn das Ergebnis 1000 zu 750 massive Sozialprobleme produziert

  9. @M.Schmidt
    Konsequenterweise müssen Sie dann ja auch gegen die Abtreibung sein, ist ja das gleiche Abwägen.
    Schwangere Frauen dazu zu zwingen Kinder zu gebären ist auch nicht gerade ethisch die beste Wahl. Zudem fordern Sie dann, dass jene Frauen/Paare entweder auf eigene Kinder freiwillig verzichten (Eugenik funktioniert auch, in dem man Paaren keine eigenen Kinder zugesteht) oder so lange probieren lässt, bis sie eben „Glück“ haben. Klingt beides nicht viel besser.
    Ich bin froh darüber das sich gerade „die Naturwissenschaften“ (wer auch immer…) nicht auf ein das ideologisches Bild von Embyro = Mensch* eingelassen haben.
    Völkermord (gemeint ist in dem Kontext wohl eher die Rassenhygiene?) ist dann doch was anderes, aber das nur am Rande.
    *Mensch ist mehr als seine Gene- doch wird dabei genau das umgekehrte Bild vermittelt. Das Genom ist da, also ist der „Mensch“ da.

  10. @M.Schmidt:
    Es wird darüber gerichtet, was lebenswert ist und was nicht.
    Nein, nach der jetzt erlassenen Regelung wird höchstens danach selektiert, was lebensfähig ist und was nicht. Embryonen mit massiven Gendefekten werden im Frühstadium aussortiert, und nicht wie bisher im späteren Verlauf der Schwangerschaft auf „natürlichem“ Wege, verbunden mit Schmerzen und schweren gesundheitlichen Risiken.

  11. @Toni
    […Konsequenterweise müssen Sie dann ja auch gegen die Abtreibung sein, ist ja
    das gleiche Abwägen…]

    Muss ich das und ist es das? Erklären Sie mal.
    […Völkermord (gemeint ist in dem Kontext wohl eher die Rassenhygiene?) ist dann doch was anderes, aber das nur am Rande…]
    Nein ich meinte Völkermord, denn bei Verwendung des Terminus der Rassenhygiene fallen streng genommen alle entscheidenen „ethnische Säuberungen“, auch solche, die keinen ethnischen Hintergrund hatten, aus dem Raster obgleich die Hintergründe für eine Säuberung stets die gleichen sind.
    Wenn Ihrer Meinung nach der Mensch mehr als seine Gene ist warum wird er dann anhand seiner
    „Gene“ ausgemustert noch bevor er mehr werden kann? Ich bezog mich auf die Definition von Leben und fasste zugegebenermassen einen etwas abstrakteren Rahmen. Es ist eine Selektion wie sie fundamentaler nicht vorgenommen werden könnte und es ist zu erwarten, dass die Auswirkungen ebenso von fundamentaler Bedeutung – achten Sie bitte auf die Wertefreiheit dieser Aussage! – sein werden. Wenigstens die Biologen, denen die Begrifflichkeit des Holismus bekannt sein muss, werden nicht herum kommen die Folgen dieser Selektion nicht absehen zu können. Imgrunde trifft man eine Entscheidung ohne ausreichende Information über eben diesen Holismus zu haben. Verantwortungsbewusste und verantwortungsvolles Handln sieht anders aus. Darauf haben uns die Göttinger 18 hingewiesen.

  12. @Wookie Monster
    […Nein, nach der jetzt erlassenen Regelung wird höchstens danach selektiert, was lebensfähig ist…]
    Nein. Stimmt so nicht. Die Lebensfähigkeit zielt auf die Wahrscheinlichkeit einer Tod- oder Frühgeburt ab. Hingegen wird die Unwertigkeit durch das Vorhandensein einer schwerwiegenden Erbkrankheit festgelegt. Es sei denn, man definiert „Lebensfähigkeit“ neu.

  13. @M. Schmidt:

    Die Lebensfähigkeit zielt auf die Wahrscheinlichkeit einer Tod- oder Frühgeburt ab.

    Äh, ja. Und genau darum geht es ja auch im einbrachten Gesetzesentwurf (der jetzt auch angenommen wurde). Siehe die ersten beiden oben im Artikel angeführten Punkte und den Satz darüber:

    Die ersten zwei Stichpunkte entsprechen den eingebrachten Gesetzesentwürfen. Wenn die Eltern die Veranlagung zu einer schwerwiegenden Erbkrankheit aufweisen oder wenn eine Tot- oder Fehlgeburt droht. Wenn eine erbliche Veranlagung der Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Fehl- oder Totgeburt führen würde.

    Wo genau bitte ist Ihr Problem damit…?

  14. Vielleicht mal ein Vorschlag für eine etwas differenzierte Position: Ich glaube viele hätten deutlich weniger gegen die PID, um extreme Krankheiten mit Todesfolge zu verhindern, wenn man nicht befürchten müsste, dass sie Einfallstor für weit mehr werden.
    Das Horrorszenario, das im Raum steht, ist ja das der „Designerbabies“ a la Gattaca. Gäbe es einen weitgehenden gesellschaftlichen Konsens, dass derartige Szenarien nicht wünschenswert sind, hätte ich deutlich weniger Bauchschmerzen. Immerhin kann man in Deutschland noch als angesehener Philosoph durchgehen, wenn man derartige Zukunftsvisionen entwirft.

  15. @M.Schmid
    Auch eine Abtreibung ist eine Entscheidung für und gegen zukünftiges Leben.
    Welches Definition von „Völkermord“ legen Sie denn zu Grunde ?

    Es ist eine Selektion wie sie fundamentaler nicht vorgenommen werden könnte und es ist zu erwarten, dass die Auswirkungen ebenso von fundamentaler Bedeutung – achten Sie bitte auf die Wertefreiheit dieser Aussage! – sein werden

    Eine Änderung hat eine Änderung zur Folge hat – …
    Es ist zudem kaum ein Ausselektieren von Genen, da die Träger mancher Erbrkrankheiten höchstwahrscheinlich selbst nichteinmal ins Alter kommen um jemals selbst Nachkommen zeugen zu können.

    Imgrunde trifft man eine Entscheidung ohne ausreichende Information über eben diesen Holismus zu haben.

    Welche Informationen fehlen denn bei dieser Entscheidung ?
    @Hanno
    „Designerbabies“ sind Hollywood und mit PID haben sie so ziemlich nichts zu tun. Es gibt kaum Eigenschaften die genetisch so stark fixiert sind als das die Umweltfaktoren einem nicht noch einen fetten roten Strich durchs „Design“ machen können.

  16. @Björn
    Ich denke, es steht alles da, was zum Verständnis erforderlich ist. Wenn Sie es trotzdem nicht verstehen, lasses Sie es oder stellen Sie Fragen, die keine Informationsredundanzen nach sich ziehen.

  17. Ich weiß, dass ich mit dieser Position (zumindest gefühlt) ziemlich in der Minderheit bin – aber ich würde mich nicht trauen, die erwartbare Lebensqualität als Kriterium für eine PID-Selektion oder eine Abtreibung heranzuziehen. Dafür ist mir das Kriterium viel zu schwammig, und mir ist auch nicht klar, ob man jemandem, der in 40 Jahren „Veitstanz“ (ich denke, man darf das Kind mittlerweile beim Namen nennen: Chorea Huntington ist gemeint) manifest erleben wird, völlig vom Leben ausschließen sollte. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir alle ja absolut sicher wissen, wie in 40 Jahren die medizinische Versorgung und die Behandlungsmöglichkeiten aussehen.
    Der gegenwärtige gesellschaftliche Konsens macht mir ehrlich gesagt etwas Angst (auch, weils mich beruflich betrifft): Alles, was sich Menschen wünschen, muss erlaubt sein, weil das höchste Gut des Menschen sein Selbstbestimmungsrecht ist. Schon klar, niemand lässt sich gern dreinreden – aber was passiert denn, wenn die Herren und Damen Humangenetiker plötzlich die genetische Verankerung von Intelligenz abschätzen könnten?
    Es ist ja kein großes Wunder, dass (je nach Statistik, aber die Größenordnung bleibt etwa gleich) mindestens 90% der diagnostizierten Trisomie-21-Kinder nicht geboren werden. Dabei ist dieses Syndrom gar nicht sicher mit schlechter Lebensqualität für das Kind assoziiert, und erst recht nicht mit Schmerzen, und erst recht nicht mit mangelnder Lebensfähigkeit. Wir haben nur als Gesellschaft keinen Bock, uns mit denen abzugeben, und deswegen machen wir sie weg und schauen die Eltern blöd an, die sich die Mühe antun!

  18. @ M. Schmidt, 14:00
    „Ob wohl die Ja-Sager wissen oder wussten, dass sie für eine Überzeugung einstehen, die bereits den Nazis zu eigen war?“
    In Deutschland endet irgendwann jede Diskussion damit, Diskussionsgegnern eine Affinität zum Nationalsozialismus unterzuschieben.
    Ach, Herr Schmidt, Hitler, Goebbels und Eichmann haben alle mit Messer und Gabel gegessen. Sind denn nun alle Besteckbenutzer Nazis?
    Merken Sie die Einfalt in Ihren Zeilen? Lassen Sie besser künftig die Nazikeule stecken!

  19. @Marie
    Versuchen Sie anderen eigentlich immer vorzuschreiben, was gemacht werden darf und was nicht? Hierfür gibt es die Etikette bei Scienceblogs bzw. die, die der Blogger vorgibt. Der Nationalisozialismus ist für die Deutschen fassbar – zumindest sollte es so sein, was letztlich der einzige Grund war, ihn hier anzuführen.
    Im Übrigen kann ich Ihre These, dass
    In Deutschland endet irgendwann jede Diskussion damit, Diskussionsgegnern eine Affinität zum Nationalsozialismus unterzuschieben.
    nicht bestätigen. Offensichtlich haben Sie ein Problem damit, den Nationalsozialismus als Bestandteil der Deutschen Gesichte zu akzeptieren.

  20. @MoritzT

    Schon klar, niemand lässt sich gern dreinreden – aber was passiert denn, wenn die Herren und Damen Humangenetiker plötzlich die genetische Verankerung von Intelligenz abschätzen könnten?
    Es ist ja kein großes Wunder, dass (je nach Statistik, aber die Größenordnung bleibt etwa gleich) mindestens 90% der diagnostizierten Trisomie-21-Kinder nicht geboren werden. Dabei ist dieses Syndrom gar nicht sicher mit schlechter Lebensqualität für das Kind assoziiert…

    Intelligenz müsste man dafür erstmal vernüftig Definieren, woran es bereits scheitert. (Ja, ich weiss das ein Wert von ~0.5 kursiert, aber auch diese ist umstritten wie eben der Intelligenzbegriff selbst).
    Nehmt doch bitte Abschied von dieses seltsamen Bild das „plötzlich“ alles genetisch determiniert sei und alles nach einer IVF schreit…
    Trisomie 21 ist kein Fall für die PID (sondern für die Pränantale Diagnostik), da keine Erbkrankheit.

  21. @Toni
    Bei einer Abtreibung geht es vorwiegend nicht darum, einem Leben aufgrund
    Unfähigkeit oder Disposition eine Weiterentwicklung zu versagen, was
    der grösste Unterschied zur PID ist.
    Der biologische Holismus ist weitgehend unvollständig, daher erübrigt sich
    die Frage nach dem Fehlen einer spezifischen Information im Holismus. Anders
    ausgedrückt: Man sollte nicht mit einem Feuer spielen, wenn man nicht weiss
    wodurch es sich nährt.
    Es handelt sich DEFINITIV nicht um die Selektion eines Genes (keine Ahnung,
    wie Sie zu dieser Annahme kommen) sondern um Selektion von Leben.
    Was eine allgemeingültige Definition von Intelligenz angeht würde ich Ihnen
    beipflichten. Doch das ist nicht das Problem, welches ich bei der PID
    vordringlich sehe.

  22. @M.Schmidt
    es wurde ja bereits darauf hingewisen das bei der PID ausselektiert wird, was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht lebensfähig wäre.
    Es ist schon sehr zynisch wenn Sie einem Paar so zum wiederholten Male „viel Glück“ wünschen bzw. vorschreiben doch gleich auf eigene Kinder zu verzichten.
    Zudem soll ja eine Beratung vorrausgehen, ist ja nicht so das man da „mal eben so“ hingeht.

    Der biologische Holismus ist weitgehend unvollständig, daher erübrigt sich die Frage nach dem Fehlen einer spezifischen Information im Holismus. Anders
    ausgedrückt: Man sollte nicht mit einem Feuer spielen, wenn man nicht weiss
    wodurch es sich nährt.

    Das einzige was sich wirklich erübrigt sind solche sinnleeren Aussagen.
    „Irgendwas ist unbekannt“ – nun ist auch eine Menge Bekannt.
    Werden Sie konkret, ist das nicht möglich so lassen Sie doch bitte solche Phrasen.
    Und natürlich ist es eine Selektion von negativen Genkombinationen. Von „Leben“ auch- nur ist „Leben“ ein sehr dehnbarer Begriff.

  23. @Toni
    […..Und natürlich ist es eine Selektion von negativen Genkombinationen. Von „Leben“ auch- nur ist „Leben“ ein sehr dehnbarer Begriff…]
    Was Leben ist und womit es beginnt wird ad-hoc gedehnt. An sich sind die Begrifflichkeit hinreichend definiert, damit man ihm einen Wert und sogar Würde zusprechen kann. Ihr Argument mit dem Paar ist emotionaler Nonsens, wie er sehr gerne in der PID-Diskussion angeführt wird. Wie immer, wenn das Fehler fundamentaler Informationen oder Argumente fehlen.
    Es obliegt nicht meiner Verantwortung, Sie dahingehend aufzuklären, was Holismus ist und welche Bedeutung er hat. Sie nehmen aktiv an der Diskussion teil. Daher kann man, nein, man muss davon ausgehen können, dass Sie grundlegende Informationen, Zusammenhänge und Konzepte kennen und verstehen. Ansonsten ist eine Diskussion mit Ihnen überflüssig.

  24. Es ist ja kein großes Wunder, dass (je nach Statistik, aber die Größenordnung bleibt etwa gleich) mindestens 90% der diagnostizierten Trisomie-21-Kinder nicht geboren werden. Dabei ist dieses Syndrom gar nicht sicher mit schlechter Lebensqualität für das Kind assoziiert, und erst recht nicht mit Schmerzen, und erst recht nicht mit mangelnder Lebensfähigkeit. Wir haben nur als Gesellschaft keinen Bock, uns mit denen abzugeben, und deswegen machen wir sie weg und schauen die Eltern blöd an, die sich die Mühe antun!

    Ja und wenn da aus anderen Gründen eine PID gemacht wird und es ist „nur“ eine Trisomie 21 da werden sich wohl die meisten Paare gegen eine Implantation entscheiden – weil es schon nicht so einfach ist ein behindertes Kind großzuziehen und maximal zu fördern. Das trauen sich viele einfach nicht zu, und einige werden es auch nicht können.
    Ich kenne eine 3fach Mammi- das jüngste Kind hat eine Trisomie 21 – ihre Beziehung ist in die Brüche gegangen. Sie hat massive finanzielle Probleme, sie liebt ihre Kinder – also ich bewundere sie, eine starke Frau. Warum soll ich da blöd wegschauen?
    Und mit der Chorea Huntington wenn jemand weis, dass familiäre Fälle vorkommen wird sich wohl um genetisch beraten lassen (ist ja keine PID) und sich überlegen, ob der Kinderwunsch wirklich so groß ist, ich würde da wissen wollen, ob ich Genträger bin oder nicht. Na und wenn ich 2 mutierte Allele habe, würd ich wohl auf Kinder gänzlich verzichten.

  25. @M.Schmidt

    Wie immer, wenn das Fehler fundamentaler Informationen oder Argumente fehlen.

    Na dann mal raus damit, welche fundamentalen Informationen fehlen denn ?
    Ihr Weltbild ist mir ziemlich egal- entweder Sie haben (relevante) Informationen die bisher fehlen sollen und benennen diese endlich, oder Sie lassen es sein ich und muss davon ausgehen das es doch nur viele Gerede um nichts ist.

  26. Nachtrag:
    Natürlich ist das Wissen nicht komplett, aber woher nehmen Sie das „Wissen“ das fehlende Informationen relevant, ja sogar „fundamental“ sind ?

  27. Ich kann auch verstehen, dass es Gegner der PID gibt. Diese Untersuchung birgt ja auch Risiken. Aber wer nicht Betroffen ist, kann sich es einfach nicht vorstellen, wie es ist sich sehnlichst ein Kind zu wünschen und alles, aber auch wirklich alles dafür zu tun, um ein gesundes Kind zu bekommen. Dabei ist es egal, ob eine PID zusätzlich noch gemacht wird. Auch bei der natürlichen Fortpflanzung werden Samenzellen selektiert. Die einen sterben schon in der Gebärmutterschleimhaut und gelangen schon gar nicht zur Eizelle und die die es durch schaffen, die schaffen es ja auch nicht alle in eine Eizelle, (wäre ja auch etwas viel für die Frau 😉 ) Und wenn man davon ausgeht, ist es auch nichts anderes als bei einer künstlichen Befruchtung bzw. auch PID, nur dass es eben äußerlich ist.
    Und wer sich wirklich ein Kind wünscht, der wünscht sich kein Designerbaby. Das ist völliger Schwachsinn.

  28. Rebecca,
    „Und wer sich wirklich ein Kind wünscht, der wünscht sich kein Designerbaby. Das ist völliger Schwachsinn.“
    Richtig und pragmatisch. Wer sich ein Kind wünscht, der wünscht sich, dass es gesund auf die Welt kommt. Das ist schließlich immer die erste Frage nach der Geburt.

  29. Grundsätzlich bin ich für die PID ohne größere Einschränkungen, aber man kann die Frage imho nicht ohne eine griffige Definition über den Beginn des menschlichen Lebens beantworten. All das, was man bei einer Punktion am normal entstandenen Fötus erkennen und bewerten kann, sollte auch (mit allen Konsequenzen) erlaubt sein. Designer-Babies wären somit ausgeschlossen (Missbrauch mal außen vor gelassen) und beide Formen würden gleich behandelt werden.
    Das Hauptproblem ist doch eher, dass es keine schlüssige und schon gar keine einheitliche Definition über den Beginn des menschlichen (nicht im biologischen Sinne) Lebens gibt. Die wäre aber wichtig, weil sonst ist es entweder egal oder Mord bzw. Totschlag.

  30. Wer dafür stimmt, sollte idealerweise unten kommentieren, innerhalb welcher Grenzen er oder sie sich eine Zulassung wünschen würde.

    Erlaubt sollte sein, was dem Kind nicht schadet. Weitergehende Beschränkungen sind nicht vonnöten.

  31. Das Hauptproblem ist doch eher, dass es keine schlüssige und schon gar keine einheitliche Definition über den Beginn des menschlichen (nicht im biologischen Sinne) Lebens gibt.

    Nicht im biologischen Sinne ? Was bleibt da noch übrig außer Religion (bzw. Glaubenssysteme) ?

  32. Ich finde es höchst interessant dass bei der PID Diskussion immer wieder die Frage aufkommt „Woher nehmen wir (respektive die Ärzte) das RECHT über Leben und Tod zu entscheiden?“
    Wenn man sich die Frage mal etwas näher zu Gemüte führt, erklärt sie sich eigentlich von selbst. Die Medizin, der aktuelle Stand der Technik sind es, die die künstliche Befruchtung ermöglichen. Der Arzt ist es, der sie durchführt. Die Paare (bzw deren Kinder) um die es hier geht, sind auf künstliche Befurchtung angewiesen, weil es ja wohl offenbar „auf natürlichem Wege“ nicht geklappt hat.
    Das Leben, dass durch eine künstliche Befruchtung entsteht, entsteht „weil wir es können“.
    Ich würde sagen, die Tatsache dass es ohne das Eingreifen des Menschen (in Form der in vitro Fertilisation) niemals zur Entsteheung dieses Lebens käme, spricht dafür, dass der Mensch auch das Recht hat, über das so entstandene Leben zu entscheiden.
    Mal ganz davon abgesehen dass man wohl ohne Frage ewig darüber streiten könnte, ab wann und ob überhaupt „Leben“ zu diesem Zeitpunkt der Embryogenese schon eine vertretbare Bezeichnung darstellt…
    Ich kann mir nur im Ansatz vorstellen wie es für ein Paar sein muss, einen Kinderwunsch zu haben aber auf herkömmlichem Weg keine eigenen Kinder bekommen zu können – da ich selbst nicht in der Situation bin aber ein solches Paar kenne.
    Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut des Arztes stecken, der einem Paar nach erfolgreicher IVF ohne PID sagt, dass das ungeborene Kind an einer tödlichen Krankheit oder Behinderung leidet. In der Haut der Eltern möchte ich auch nicht stecken. Und auch nicht in der des Kindes.
    Hier geht es doch auch noch lange nicht um das, was man unter „Eugenik“ gemeinhin versteht, ein Begriff der ja immer noch äußert negativ konnotiert ist. Die Nazis waren der Meinung, sie hätten das Recht über bereits vorhandenes Leben zu richten und zu entscheiden, was lebenswert ist und was nicht. In der Folge wurden Menschen einfach so umgebracht, „weil sie ihnen nicht passten“.
    Die PID hat aber nicht zum Ziel „zu werten“, und somit das Leben behinderter oder todkranker Menschen abzuwerten… Diese Menschen leben und haben ein Recht auf ein erfülltes Leben, ohne Zweifel. Die PID versucht vielmehr das Leid und den Schmerz, den zB eine tödliche, schwere chronische Erkrankung oder Behinderung (letztere nicht in jedem Fall aber möglicherweise) mit sich bringt – nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für die Eltern und das ganze Umfeld – von vorneherein zu vermeiden.
    Das hat nichts damit zu tun, dass man nicht jeden Menschen und jedes Leben wertschätzt, wenn man die PID befürwortet… Leider wird einem dann aber gerne mal unterstellt man sei nur an Designer-Babies und Rassenhygiene oder sonstigem Schwachsinn interessiert.
    Zum Abschluss mal eine Umdichtung des beliebten Spruches „Denk doch mal einer an die Kinder!“, der in dieser Situation wohl recht gut passt:
    „Denk doch mal einer an die Eltern…“

  33. Grade durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Und das Thema ist zwar schon bissl her, aber ich muss jetzt trotzdem meinen Senf abgeben. Ich finde es wirklich super dass die PID nun genehmigt wurde!! Wenn auch nur begrenzt aber das war einfach an der Zeit und ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jede Frau die schon einmal schwanger war und ihr Kind aufgrund eines Gendefekts verloren hat, wird das genau so sehen. Ich hab eine schlimme Geschichte gelesen und darüber geschrieben: http://www.kinderwunsch-aktuell.de/kinderwunsch-news/debatte-auf-stern-tv-pid-bleibt-umstritten/ Schrecklich. Das wünscht man seinem argsten Feind nicht.

  34. Ich bin der Meinung das den meisten Männern in dem Punkt das Verständnis für die schwangerwerdende Frau fehlt. Immerhin erklärt sie sich bei der künstlichen Befruchtung bereit 9 Monate eine endoparasitäre Lebensform auszutragen, was durchaus mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist, von denen ein erhöhter Nahrungsmittelbedarf noch der geringere ist.
    Anstatt nun der Frau das Selbstbestimmungsrecht über ihre eigenen Körperhöhlen streitig zu machen sollten sich Menschen mit ernsten ethischen Problemen der PID ( dh mE wenn sie sie nicht nur für sich selbst ablehnen, was vollkommen legitim ist, sondern jedem anderen das Recht auch absprechen) darum kümmern den aussortierten Zellhaufen Obdach zu bieten. Wären biologische Voraussetzungen erfüllt würde doch nichts dagegensprechen wenn Pfarrer und Co abgetriebene oder aussortierte Embryonen in ihren eigenen Körperhöhlen austragen, anstatt Dinge zu denen sie selbst nicht fähig sind von anderen zu fordern.

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