Es ist doch alles gar nicht so schlimm

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Mein letzter Artikel über die prekären Arbeitsverhältnisse unter denen Wissenschaftler leiden hat offensichtlich einige Kollegen in eine Sinnkrise gestürzt. Siehe dazu den Twitter-Screenshot von oben und auch die recht düster ausgefallenen Kommentare. Nicht mal die Journalistin, der ich ja eigentlich geantwortet habe, hat sich wieder gemeldet.


Hier also eine Liste mit Vorteilen unseres Jobs. Es ist doch eigentlich alles gar nicht so schlimm:
Wir arbeiten in einem internationalen Umfeld und können wenn wir Lust haben für ein paar Jahre nach Australien ziehen.
Wir fahren manchmal auf Konferenzen an Orte an denen wir noch nie waren.
Wir können unseren Doktortitel auf dem Personalausweis eintragen lassen.
Wir sind von intelligenten Kollegen umgeben. Das färbt zwar nicht ab, ist aber trotzdem schön.
Wir hören inspirierende Vorträge und treffen interessante Menschen.
Wissenschaft ist ehrlich. Wir wollen nichts verkaufen und niemanden übers Ohr hauen.
Wir können vor uns rechtfertigen was wir machen. Wissenschaft ist sinnstiftend.
Wir können auch mal später morgens anfangen zu arbeiten und eine Stunde auf Facebook verbringen.
Noch was vergessen?
Hier noch ein kleines Motivationsvideo. Nur nicht durch etwaige Hindernisse aus der Bahn werfen lassen. Und wenn doch: Einfach weiter laufen! Besser mit Ton (via Cynicism 101)

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39 Kommentare

  1. Falls sich jemand wundert: Der twitternde MartinB hat nichts mit „Hier wohnen Drachen“ zu tun – ich bin kein bisschen demotiviert.
    An Pluspunkten wüsste ich noch
    + Wir dürfen spannende Forschungsfragen untersuchen.
    + Wir dürfen unser Wissen in Vorlesungen etc. an Studis weitergeben.
    + Wir tun etwas, was uns wirklich Spaß macht.

  2. @MartinB
    Ja, der „Hier wohnen Drachen“ MartinB wird auf Twitter vermisst. Immer diese Verwechslungen sind anstrengend auf die Dauer. Vielleicht braucht es einen klärenden Tweet deinerseits 😉

  3. @MartinB
    Also:
    1. Computer hochfahren (überprüfen ob alle Kabel richtig angschlossen sind und das Gerät ans Stromnetz angeschlossen ist).
    2. Sicherstellen, dass eine Verbindung zum Internet besteht.
    3. Browser starten.
    4. In die Adresszeile „www.twitter.com“ tippen (ohne Anführungs- und Schlusszeichen).
    5. Auf den grossen Gelben „Sign-up“ Knopf klicken.
    6. Instruktionen befolgen.
    Jetzt solltest du es eigentlich schaffen 😉

  4. @Carl
    Ich fürchte, das wird nix. Twittern ist doch diese „Sags-in140-zeichen-technik“, oder? Schau mal auf die Länge eines durchschnittlichen Hier-wohnen-Drachen-Posts: Wirke ich wie jemand, der sich auf 140 Zeichen beschränken kann? :-))

  5. Naja wer suchet der findet.
    Man findet in jedem Bereich Menschen die mit dem Leben mehr oder weniger gut zurecht kommen.

  6. Wir arbeiten in einem internationalen Umfeld und können wenn wir Lust haben für ein paar Jahre nach Australien ziehen.

    …und dürfen da 70 Stunden in der Woche abreißen.

    Wir fahren manchmal auf Konferenzen an Orte an denen wir noch nie waren.

    …aber da wir das Tagungszentrum eh nur von innen sehen…

    Wir können unseren Doktortitel auf dem Personalausweis eintragen lassen.

    Aber Homöopathen bald auch.
    etc. pp.
    :-p

  7. …und dürfen da 70 Stunden in der Woche abreißen.

    So what? Man macht es ja für die Sache und die Arbeit ist interessant.

    …aber da wir das Tagungszentrum eh nur von innen sehen…

    So what? Dafür hört man spannende Vorträge.

    Aber Homöopathen bald auch.

    Aaaaaargh. Jetzt hast du mich doch noch runtergezerrt. Musste das sein?

  8. Physiker,
    und hier liegt dann wohl auch einer der Hauptgründe für das Ungleichgewicht männlicher und weiblicher Nachwuchswissenschaftler ab dem Level Nachwuchsgruppenleiter aufwärts. Dass es mehr als ein full time Job ist, weiß man als Doktorand; dass es nie besser wird, wird einem als Postdoc bewusst. Und die tickende biologische Uhr – verbunden mit der Tatsache, dass Kinder Zeit kosten und die gegebenen Strukturen beides, Job und Kind, fast nicht erlauben, sind Klischees, die dann zur Realität werden. Die mehr als zehnjährige Ausbildung ist dann reduziert auf den Titel im Pass und den Wunsch, endlich ein normales Leben zu führen.

  9. Sorry, wenn ich dem noch eins draufsetze:
    Das Totschlagargument gegen eine wissenschaftliche Laufbahn ist die Unvereinbarkeit mit einer Beziehung/Familienplanung – insbesondere während der PostDoc-Zeit.
    Respekt, @alle die das unter einen Hut bringen!
    (auch wenn mir jetzt grad‘ spontan niemand einfällt, der das erfolgreich geschafft hat…)

  10. [blockquote]Wissenschaft ist ehrlich. Wir wollen nichts verkaufen und niemanden übers Ohr hauen.[blockquote]
    Leider ist Anträgeschreiben und sonstiges Drittmitteleinwerben häufig genau das.
    Und das endet dann manchmal sogar noch in nach aussen gut verkaufbarer Forschung, die man vor sich selber nicht wirklich verantworten kann und die nicht sinnstiftend ist.

  11. @Tobias: Ehrlich, ich bin gerade in genau dieser Sinnkrise. Was soll der Scheiß? Sitz ich in 10 Jahren auf der Straße? Ohne Job, ohne Kind, ohne Zukunftsperspektive, ohne ein Sicherheitspolster und fahr wieder Pizza aus wie zu meinen Studenten-Zeiten? Und hab ich dann was von, dass ich total spannende Weltraumsachen gemacht habe?

  12. ich bin Physiker im 5. Semester, aber mich würde mal interessieren, ob jemand Ideen hat wo es denn nicht so „hart“ zugeht wie im Wissenschaftsbetrieb? Oder wie es in anderen Berieichen aussieht? Medien, Wirtschaft, Sport etc ?
    Als Manager oder Jurist, der Karriere machen will, denke ich mal, muss man auch manches im Privatleben vernachlässigen.
    Als Naturwissenschaftler könnte man sich aber zumindest mit Formeln verewigen 😉

  13. @maxfoxim: Das Problem ist ja weniger, dass es im Wissenschaftsbetrieb hart zugeht. Demgegenüber gibt es ja wirklich einige Vorteile.
    Das Hauptproblem liegt darin, dass es biografische Totalschäden nicht gerade selten gibt. Entweder man wird Professor oder man ist Mitte 40 immer noch prekär angestellt und landet dann schnell mal auf der Strasse.

  14. Martin B,
    es geht gar nicht um die Selbstverwirklichung einzelner, es geht um die allgemeinen Zustände und Perspektiven in der akademischen Forschungslandschaft, und die sind nicht gut.

  15. Vielleicht sollte man überlegen, ob man nicht auf diesen ganzen idealistischen Selbstverwirklichungsmumpitz scheissen soll und schnellstmöglich eine TA-Stelle in der Industrie finden sollte: geregelte Arbeitszeit, feste Anstellung, relativ gute Bezahlung, die Verantwortung liegt bei anderen.
    Aber eigentlich lebt man ja für den ganzen Mist, und es macht ja auch Spaß. Ich habe jedenfalls beschlossen, diesen selbstzerstörerischen Mist nicht mitzumachen (Modell „Arschlecken“) und mein Ding durchzuziehen.
    Wenn man einen vernünftigen Chef (mit Kindern!) hat, kann man auch mit einer 40h-Woche Ergebnisse produzieren, hoffe ich.
    Gespannt, was die Zukunft wohl bringt,
    Detritus/gedankenabfall/MartinB.

  16. Nun, jeder Job hat seine Vor- und Nachteile. Karriere und Geld lassen sich bei entsprechendem Ehrgeiz immer noch in der Wirtschaft erzielen.
    Ist man mit weniger und dafür mit mehr Freizeit glücklich, sollte man was an der Uni, im sonstigen ÖD bzw. einem Großkonzern suchen. Da schuftet man sich üblicherweise keinen Buckel und je größer der Konzern, um so geringer die Chance, passable Leistung vorausgesetzt, entlassen zu werden.
    In erster Linie sollte man den Weg wählen, der einem liegt, auch rein gefühlsmäßig. Die Kombination von Ausbildung und Neigung führt nicht selten zu guten (überdurchschnittlichen) Leistungen in der gewählten ‚Nische‘.
    Zu ‚meiner Zeit‘, also unweit der damaligen Berufswahl, waren Pharmareferent und Lehrer die Nemesis. Wobei bei beiden Berufen auch einige Vorteile verknüpft waren.

  17. @Tobias
    Das ist schon klar, nur ist man als Wissenschaftler ja noch dankbar für die miserablen Arbeitsbedingungen. Das hat schon was mit persönlichen Motiven wie Selbstverwirklichung zu tun – man schuftet ja für die eigenen Ergebnisse.
    Und eigentlich bin ich ja selbst auch gar nicht unzufrieden mit meiner jetzigen Situation, aber im Allgemeinen sind die Zustande nicht tragbar.
    Immerhin gibt es in Bezug auf die Doktorandenstellen seitens der DFG ein Umdenken: 67%-Stellen werden wohl zur Regel werden …

  18. Also ich hab hier jetzt einen großen Motivationsschub bekommen. Habe in letzter Zeit immer mehr mit mir gehadert Maschinenbau anstatt Physik zu studieren. Doch jetzt weiß ich: das war die richtige Wahl =P (Zumindest wenn man beide Felder gleich interessant findet!)

  19. „Wir tun etwas, was uns wirklich Spaß macht.“
    „Und eine Welt ohne Idealismus – und der gehört nun mal für forschende Wissenschaftler dazu – wäre eine arme Welt.“
    Das sind die Gründe, warum ich Wissenschaft / ler und innen immer noch bewundere
    (und manchmal ein klein wenig beneide).

  20. @Ludmila
    „Und hab ich dann was von, dass ich total spannende Weltraumsachen gemacht habe? “
    Ja, ich glaube schon. Etwas gemacht zu haben, was sinnvoll ist und Spaß gemacht hat, gibt immer eine gute Erinnerung.
    Das Wissen kann Dir keiner mehr nehmen.
    Dinge gut erledigt zu haben gibt Selbstbewußtsein (OK, davon hast Du eh schon zu viel)
    Wenn ich einige Deiner Kommentare richtig verstanden habe, hast Du einen Partner, der Stolz auf Dich ist. Wäre er in dem gleichen Maße, wenn Du von der Aufgabe zurückgeschreckt wärest und nur Pizza ausfahren würdest?
    Tja, Pizza ausfahren bis zur Rente und das Leben würde Dich zu Tode langweilen. Und das ist wiederum schlecht für jede Partnerschaft.
    Im Leben muß man sich halt entscheiden, worüber man hauptsächlich meckern möchte.

  21. Sinnkrisen kommen und Sinnkrisen gehen, da muss man durch. Wie einer unserer Chefs mal sagte: Es gibt Zeiten, da muß man jeden Tag einzeln fertig machen. Aber diese Zeiten gehen auch vorbei (und kommen wieder).
    Auch was das Famile gründen oder Kinder in die Welt setzen angeht: Nicht lange grübeln, machen.

  22. Ein Job in der Wirtschaft ist, wie ich aus schmerzhafter eigener Anschauung nun weiß, leider auch keine Garantie – ich schau‘ mich jedenfalls derzeit bevorzugt nach Jobs an einer der vielen Unis hier um. Da ist man nämlich mit 50 Jahren noch nicht automatisch altes Eisen …

  23. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen:
    Der MartinB., der hier kommentiert, hat nichts mit mir zu tun.

  24. @ max
    @ WeiterGen
    Wer als durchschnittlicher Hauptschüler (aber auch als guter Absolvent der Schule für Lernbehinderte) z.B. eine dreijährige Ausbildung zum Fertigungsmechaniker bzw. eine zweijährige zum Teilezurichter durchläuft und von seinem Betrieb anschließend übernommen wird, hat einen Facharbeiter(Tarif-)lohn zwischen ca. EUR 2.350,- und 2.750,- (jeweils ohne Zuschläge) p.m. bei rund 40 h/Wo. nebst geregeltem Urlaub – und sonst keine Sorgen.
    Dies um die Zukunftsperspektiven für deutsche Nachwuchsforscher zu verdeutlichen.
    (Aber dafür machen die Forscher und Doktors lauter interessante Sachen mit den vielen Reagenzgläsern und so – und treffen lauter interessante Leute – und auch sonst ist alles so interessant… Zyn. off)

  25. wer sich nicht wehrt braucht sich nicht beschweren richtig… – hab noch nie wissenschaftliche mitarbeiter demonstrieren sehn.

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