Vuvuzela – Trötenhorror und Heimvorteil

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Die Vuvuzelas kommen in der öffentlichen Berichterstattung nicht gut weg. Sie stören die Spieler auf dem Rasen und die Zuschauer zu Hause vor penetrant summenden Fernsehgeräten. So ist eben eine WM.


Dies ist ein Gastbeitrag von Ulf Kaschl.
Was von Dezibel-Enthusiasten zunächst zur südafrikanischen La Ola gekürt wurde, machte schnell Negativschlagzeilen: Die Vuvuzela. BILD spricht vom Tröten-Horror, Fußballkommentatoren jammern, dass sie das eigene Wort nicht verstünden, und in Blogs schäumt der Hass und in Internetforen wird Stimmung gemacht.
Mit deutlicher Verunsicherung im Blick fragte eine ARD Journalistin nach dem Eröffnungsspiel drei schwarze Zuschauerinnen, ob das hier nicht doch ‚ziemlich laut sei?‘
„YES, ITS SO MUCH FUN!!!“ lachten diese zurück, warfen ihre Köpfe in den Nacken und zeigten angespitzte Eckzähne. Africa is loud, das hat wohl inzwischen jeder begriffen. Und diese WM ist ziemlich anders als die deutsche Version des Spektakels vor vier Jahren.
Zugegeben, Ohrstöpsel machen durchaus Sinn, wenn mehrere Vuvzelas zusammenkommen. 123,9 dB sind in Düsenjet-Lautstärke. Und ja, die traditionsreichen Fußballchöre der Europäer werden in Südafrika auf weiten Strecken überstimmt. Das Recht des Lauteren.

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Und dass das Gesumme in der Fernsehübertragung wie ein gereizter Wespenschwarm auf Zwetschgenkuchenjagd klingt, ist tatsächlich doof. Die Fernsehanstalten sind in Gesprächen mit der HBS (Bild- und Tonproduktionsfirma der FIFA, von der die Sender das WM-Signal -Ton und Bild- abnehmen) um eine Linderung oder Lösung des Lärmproblems in den Stadien zu finden. Schallgeschützte Reporterkabinen gäbe es in den südafrikanischen Stadien nicht.
Andere Länder, andere Sitten, andere Fußballgepflogenheiten. Wer die Vuvuzelas verbieten will, hat das nicht verstanden. Zu Welmeisterschaften gehörten schon immer die Bedingungen vor Ort: der Zustand des Rasens, die Zeitumstellung, das Wetter. Und der Heimvorteil. Und wenn die südafrikanische Mannschaft die Zeichensprache gut beherrscht, äußert sich dieser wohl hauptsächlich durch die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten der anderen Trainer und der gegnerischen Teams auf dem Platz.
In Afrika ist die Vuvuzela übrigens schon lange nicht mehr wegzudenken, nicht nur aus den Stadien, auch aus Kirchen und bei jeder öffentlichen Kundgebung. Die Vuvzela (aus Aluminium) wurde angeblich in Südafrika erfunden. Deshalb: Wer von den Horrotrompeten nicht weggeblasen werden will, tut gut daran, für die Dauer dieser WM mit den Afrikanern zu feiern.
Ansetzen, tief Luft holen, und pusten, was die Lunge hergibt!
Aweeeeeethu iAfrika!
Bilder: Axel Bührmann via flickr cc-Lizenz

Kommentare

56 Kommentare

  1. Ich finde, die sollen sich nicht so haben. Lärm gehört zu jeder guten WM dazu und das ist auch gut so!
    Btw.: Wo kann man diese geilen Riesenbrillen kaufen?

  2. Zu einer WM gehört auch, dass die Völker zusammen feiern. Und genau dies passiert gerade nicht. Brasilianische Sambatrommel – Fehlanzeige, stattdessen tröööt. Englische Schlachtengesänge – Fehlanzeige, stattdessen tröööt. Hörbare Franzosen, Deutsche, Australier, Südkoreaner – Fehlanzeige, stattdessen tröööt.
    Die Teile ersticken jede andere Art von Fussballkultur. Man stelle sich mal vor 2006 wäre in jedem Stadion 10 Blaskapellen aufgelaufen und hätten dort 90min lang Alarm gemacht, he, Deutschland ist laut, Deutschland ist Blasmusik. Genau dies hat man vor vier Jahren nicht gemacht und genau deshalb war es eine so großartige WM. Bisher – Fehlanzeige, stattdessen tröööt.

  3. Mehr Tröööt! Ich find´s weder nervig noch habe ich das Gefühl, das Fans aus anderen Teilen der Welt unterdrückt werden. Abgesehen davon scheinen die sogar auch viel Spaß am Tröten zu haben (mein subjektiver Eindruck durch die Fernsehbilder).
    Ich fände es übrigens super, wenn man die in der neuen Bundesligasaison weiterhin hören würde. Dann würden diese ekelhaften Hass-„Gesänge“ wenigstens ein wenig übertönt 🙂

  4. Re Bengalische Feuer: Selbstverständlich gehören gefährliche Gegenstände in Fussballstadien verboten. Feuerwerksartikel genauso wie Messer und Schusswaffen. Wer sein Gehör im Stadion schonen möchte, kann Ohrenstöpsel tragen.
    Re Nationalhymnen: Gestern Abend beim Deutschlandspiel wurde erst in die Vuvuzelas geblasen, als die Hymnen vorbei waren.
    Re: Ascheplatz und Schulranzen: Es gibt klare Regeln der FIFA, wie ein Fussballspiel auszusehen hat. Daran halten sich die Südafrikaner. Zugelassene Musikinstrumente der Zuschauer sind im Regelwerk nicht enthalten.
    Re: Veständigung auf dem Platz: Hat doch gesten ganz gut geklappt, oder?
    Re: Gepflogenheiten: Natürlich gehört zu einer WM dazu, die Gepflogenheiten der Gastgeber zu akzeptieren! Kann sich jemand and die WM in den USA erinnern? Als lange Pässe ins Aus mit Szeneapplaus bedacht wurden? Was haben wir gelacht! Hätten die Amerikaner nur Zuschauer einlassen sollen, die europäischen Fussball von American Football unterscheiden können und vorher einen Test in Regelkunde und Taktik bestanden haben?

  5. Die Dinger nerven tierisch. Wenn es wenigstens irgendeine Verbindung zur Dynamik auf dem Spielfeld bzw des favorisierten Teams geben würde, wäre das alles gar kein Problem. So ist es einfach nur permanentes, eintöniges Lärmen um des Lärms willen.

  6. Ich hoffe, dass die FIFA die Tröten bald verbietet. Andere vergleichbare Verbote gibt es ebenfalls (z.B. Bengalisches Feuer). Nicht alles, was der Fan im Stadion unter „feiern“ versteht, muss deshalb auch erlaubt sein.
    Man sollte auch daran denken, dass die Spiele nicht für die vielleicht 70.000 Zuschauer im Stadion stattfinden sondern für die Milliarden Zuseher daheim an den Fernsehgeräten. Wäre dem nicht so, würde es eine WM in Südafrika gar nicht geben.
    Theoretisch könnte man die WM auch am Nordpol austragen – ein paar klimatisierte Hallen vorausgesetzt, errichtet mit den Fernsehmilliarden.
    Wer zahlt, schafft an. Das Recht der Südafrikaner auf Selbstverwirklichung ist zweitrangig.

  7. Fussball und Imperialismus in Südafrika:
    Den Eindruck, den ich in Südafrika gewonnen habe ist: Fussball ist ein Sport der Schwarzen. Vermutlich, weil dazu (wie oben schon beschrieben) nichts weiter als ein Ascheplatz, irgend eine Kugel, und vier Schulranzen als Torpfosten nötig sind. Die Weissen spielen und unterstützen Rugy. Vermutlich ein Erbe der Kolonialzeit.
    Wenn die Weissen doch Fussballfan sind, dann von Teams der englischen Liga, keinesfalls jedoch von einem einheimischen Club oder von Bafana Bafana. Vielleicht ändert sich das ja im Laufe der WM.
    Ansonsten hat Stefan Taube recht: Hier hat keiner was gegen Afrikaner, hier stören sich manche an den Tröten. Die Kulturimperialismus-Keule bleibt im Sack

  8. @ Helmut
    wer zahlt, schafft an? Und wer hat die Stadien gebaut? Wer Straßen und Busspuren? War das der europäische Fernsehzuschauer? Macht mir die Welt, wie sie mir gefällt, ich möchts sie aus dem Fernsehsessel genau so sehen, wie ich sie mir vorstelle? Wer die WmM an Nordpol austragen will, negiert jeglichen menschlichen Charakter dieses Turniers. Ohne zu sehr in die Gutmenschtröte zu pusten (welch Wortspiel), trotz Fifa Raffgier etc. ist eine WM für die allermeisten Menschen auf der Welt ein Fest, bei dem es, eben, um Fußball geht, und nicht um Profit.
    @ Jonas, ich stimme nicht zu. Wären mehr Fans angereist (es sind tatäschlich beschämend wenige – beim England udn Deutschalndspiel jeweils etwa 1000!) hätten sie auch keine Schwierigkeiten, sich stimmgewaltig gegen die Vuvus durchzusetzen. Und will man die Südafrikaner jetzt verpflichten, englische, hollädische oder deutsche Chöre anzustimmen?
    @ Steffen, ich teile deinen Eindruck, dass die ausländischen Fans sich sehr gut mit den Vuvuzelas angefreundet haben. Und durchaus herrscht im Stadion ein spielbegleitendes Auf- und Abschwellen des Sounds. Wenn die Fernsehanstalten die Frequenzen kappen, dann ist das ja nicht das Problem der Vuvuzelas, sondern, genau, der Fernsehanstalten, die halt ne andere Vorstellung davon haben, wie eine Fernsehübertragung aussehen soll, und nicht gewilt sind, die Situation vor Ort so darzustellen, wie sie authentisch ist.

  9. Sorry, falls ich jetzt hier den Miesmacherspiele, aber man kann es auch übertreiben. 120 Dezibel sind einfach nicht mehr normal. Kein Mensch sagt etwas gegen Fangesänge, Gejubel oder soetwas. Aber ein „Gerät“, daß wirklich nur genau dem einen Zweck: Krachmachen dient, ist unter aller Sau. Habt ihr, liebe Fußballfans (inbesondere die Fraktion „Lärm gehört halt zur WM“ schonmal drüber nachgedacht, daß es noch eine ganze Menge Leute gibt, denen Fußball ganz einfach am Arsch vorbei geht? Die morgens aufstehen und arbeiten müssen? Die an ihrem Trommelfell hängen, aber trotzdem gern zum Fußball gingen?
    Die Lärmfraktion ist eine Minderheit, die ganz bewusst der Mehrheit die WM versaut.
    Ich empfehle den Leuten mal ein Spiel American Football anzusehen. Die haben ne Fankultur, da könnt ihr einpacken!
    Aber was rede ich eigentlich? Fußball war schon immer hauptsächlich ein Vorwand für Gewalt, sei es nun physisch oder psychisch. Für mich sind diese Trötentypen kaum besser als Hooligans: Sie nehmen andern den Spaß am Sport, um ihre eigenen primtiven Triebe zu befriedigen.

  10. @Ulf: Komische Logik. Nun sind auch noch die Engländer und Deutschen Schuld, dass sie dort nicht in Tausenden aufschlagen und die Vuvus niederschreien? Wieviele Leute brauch es denn um gegen eine Vuvu anzubrüllen? 2? 3? 4? 5?
    Und was wäre wohl los wenn man die Karten von Angang an zu 2/3, 3/4, 4/5, 5/6 an die Europäer verkauft hätte.

  11. Ich bin auch der Meinung, diese Tröten gehören verboten. Ich kann auch die Ansicht des Blogautors nicht teilen, dass jede Sitte und Fußballgepflogenheit des Gastgebers akzeptiert werden muss. Immerhin spielen wir ja auch auf einen Rasen mit zwei Toren und nicht im Staub mit vier Schulranzen. Nein, die Bedingungen vor Ort müssen schon so sein, wie sie dem Ereignis und der Internationalität dieses Sport angemessen sind. Wer das nicht will, muss ja keine WM austragen.
    Ich finde, dass diese Tröten einfach nur magelnden Respekt vor den Gästen ausdrücken. Wenn die Nationalhymnen und die schönen Gesänge der Engländer und Argentinnier einfach niedergetrötet werden, ist das eine Schande. Ich stimme hier voll und ganz mit dem Kommentar von Jonas oben überein.
    Und der Fußball: Wenn Spieler sich nicht mehr untereinader verständigen können, Trainer keine Anweisungen mehr geben können, leidet das Spiel. Aber noch viel wichtiger: Diese Scheißtröte unterbindet die Interaktion zwischen Zuschauern und dem Geschehen auf dem Rasen. Wer schonmal in einem Fußballstadion war, kennt die Faszination, wenn durch die Menge ein Raunen geht, Szenenapplaus gegeben wird oder ein Aufschrei der Entrüstung auf eine Schiedsrichterentscheidung folgt. Wer ins Stadion geht, weiß, wie ruhig es werden kann, wenn das Spiel vor sich hindümpelt und wie aufgeregt, wenn es an Fahrt und Spannung gewinnt. Diese Emotionen hautnah zu spüren unterscheidet den Stadionbesuch vom Fernsehfußball. Die Scheißtröte unterbindet dies alles und wer da für Verständnis wirbt oder das irgendwie nicht so wichtig findet, sollte sich überlegen, ob er nicht erstmal in ein Stadion zur Recherche gehen sollte, bevor er eine Meinung äußert.

  12. Hej Jonas,
    deine harte Logik ist ja auch eher ein weicher Keks. Ist jetzt die WM in Südafrika dazu da, die Bedürfnisse der europäischen Fans zu befriedigen? Willst du ein paar Bimbos hinstellen, dass die ‚Deutschland, Deutschland‘ für uns rufen? Lachhaft.
    Das Recht des Lautstärkeren hat Fußball ja nun immer schon begleitet. Es steht 1:0 für die vVuvus. Offenbar haben die beleidigten Europäer dem nix entgegenzusetzen als abseits des Spielfelds und hinter den Kulissen zu stänkern. Schlechte Verlierer nennt man das. Und, ach ja, wieviele Leute braucht man eigentlich um ne deutschen Blaskapelle niederzubrüllen?
    sumsm hat es auch nicht so mit der logik. Erst verteidigt er / sie Leute, die mit Fußball nix am Hut haben, dann aber trotzdem gerne zum Fußball gingen (hä?). Dann sagt er /sie 120 db wären nicht ’normal‘. Genau. sind sie nicht. Africa is loud. Und aus deutscher Sicht sicherlich nicht normal. Es täte aber ganz gut, die deutsche Brille abzunehmen und nicht immer alles an deutscher Normalität zu messen, nicht nur bei der WM, nicht nur beim Fußball, sondern stets.
    Nur zur Ergänzung: In einem Orchestergraben, in einer Diskothek, beim Silvetserfeuerwerk werden ebenfalls weit mehr als 120 db erreicht. Auch nicht normal. Verbieten will uns das trotzdem keiner.
    Übringes sind die 128,5 db Mündungslautstärke, also wenn man das Messgerät in die Öffnung der Vuvu direkt reinhält. Kann man auch selber mit dem eigenen Mund erreichen, wenn man den Sensor tief genug reinsteckt. Im Stadion hat die ARD beim Eröffnungsspiel 105 db gemessen. Minus 30 db mit Ohrstöpsel sind 75 db. Normale Großstadtlautstärke.

  13. Anscheinend ist der Krach ja so laut, dass sich die Spieler auf dem Platz nicht mehr verständigen können (die Argentinier haben sich zumindest beschwert). Vielleicht sollte man etwas auf die Meinung derjenigen geben, die diese WM auch spielen (und nicht nur ihr zuschauen).

  14. Was mich am meisten stört, ist aber wirklich, dass keine Atmosphäre aus den Stadien rüberkommt. Eckball? öööööööö. Konter? ööööööö. Auswechslung? ööööööö. Gelungenes Dribbling? ööööööö .Tor? Kurzer Jubel, dann öööööö.
    Dieser einheitliche Dauerton ist das furchtbare. Nicht die Lautstärke. Meistens habe ich den Ton abgedreht, ich setze mich doch auch nicht 90 Minuten vor das Fernsehtestbild. Und das ist halt schade. Die WM hat für mich ziemlich an Reiz verloren.

  15. @ulf kaschl: „Offenbar haben die beleidigten Europäer dem nix entgegenzusetzen als abseits des Spielfelds und hinter den Kulissen zu stänkern.“
    Dieses komische Argument kann ich nicht verstehen. Darf man denn nicht etwas saublöd finden, ohne dass gleich die Imperialismuskeule geschwungen wird? Ich finde die Tröte nicht blöd, weil ich Afrikaner blöd finde, sondern weil die Tröte eben blöd ist. Wenn es etwas gibt, was noch nerviger als die Tröte ist, dann dieses linke Gutmenschentum.
    Im übrigen setzt das „Argument“ ja voraus, dass alle Afrikaner die Tröte gut finden und das ist beileibe nicht der Fall. Es geht hier also nicht um Europa gegen Afrika.

  16. Gestern abend haben mich die tröten nicht gestört, vlt nerven sie auch erst dann wenn das spiel, welches man schaut, ebenso monoton und langweilig ist wie das tröten selbst.
    gruß

  17. Wieso müssen wir denn schon wieder alles, was einem gerade nicht passt verbieten lassen? Oder besser gesagt: Nach einem Verbot schreien; denn den Gefallen werden uns, den Deutschen hier, die Menschen in Südafrika dort, wohl nicht so ohne weiteres machen. Mir ist es ehrlich gesagt piepsegal, was in einem Fußballstadion in Südafrika für ein Lärm gemacht wird. Wer sich hier in Deutschland darüber aufregt hat echt keine ernsten Probleme…
    Was mich eher stört, ist, wenn lange nach dem Spiel nachts um 2 Uhr die Tröten vor meiner Haustür immer noch geblasen werden, so wie gestern nach dem Sieg geschehen. Da würde ich schon gerne die Tröten den Besitzern in den Rachen stopfen wollen. Ich finde es aber wieder mal ein Musterbeispiel für kleinstspießige Xenophobie, wenn man jetzt auf diesen Vuvuzuelas herumhakt, als ob es früher bei den diversen Fußballfanatikern nicht schon lange pressluftbetriebene Tröten und ähnliche Lärminstrumente gegeben hätte. Erkläre mir doch mal einer, wo denn da der Unterschied ist? Weil das jetzt anders heißt und von den „Negern“ kommt, also etwas fremdes ist?
    „Pfui! Das ist nicht Tradition bei uns! Das haben wir noch nie gehabt! Ich will, daß man das verbietet! Mach, daß das weggeht!“
    Aber lieber die „schönen Gesänge der Engländer“ hören wollen? Ob man das als schön empfinden kann ist doch auch eher eine individuelle Geschmacks-/bzw. Neigungsfrage. Ich fand den gesamten Zinnober in Summe noch nie schön. Wegen mir könnte man die ganze WM ersatzlos streichen. Ehrlich! Da hätte ich kein Gefühl des Verlustes. Letzten Endes ist das doch einfach eine Freizeitbeschäftigung vieler Menschen um Spass zu haben. Ich gehöre da leider nicht dazu und kann den Spass zwar rational/prinzipiell nachvollziehen, aber mir wollten hier noch nie die notwendigen Emotionen hochkommen. Schade eigentlich, das wäre echt eine billige Freizeitbeschäftigung! Und würde mir auch ein tolles Verbundenheitsgefühl mit dem Rest geben. Außer vielleicht mit allen gegnerischen Parteien. Die sind ja wohl eher als Feinde zu betrachten. Deshalb gibt mir das aber noch nicht das Recht, anderen Menschen diesen Spass zu versauern. Lasst Sie doch machen. Die WM dauert ja nicht ewig und dann ist wieder eine zeitlang Ruhe.

  18. „Außer vielleicht mit allen gegnerischen Parteien. Die sind ja wohl eher als Feinde zu betrachten.“
    Äh… ja, na klar. Und der Sieger darf hinter den Besiegten töten und aufessen. Mal bei einem Public Viewing mit gemischtem Fanpublikum gewesen oder doch nur eher die eigenen Vorurteile pflegen?

  19. @Basilius: „Wegen mir könnte man die ganze WM ersatzlos streichen.“
    Ihr ganzer Kommentar zeigt, dass Sie gar kein Interesse am Fußball haben. Das ist ja auch völlig okay, aber warum wollen Sie dann darüber mitdiskutieren, ob diese Tröte den Fußball beschädigt oder nicht? Verstehe ich wirklich nicht.
    Ansonsten gilt auch für Sie, was der Gastgeber hier klargestellt hat: „Die Kulturimperialismus-Keule bleibt im Sack“ Also bitte keine Unterstellungen dieser Art.
    Übrigens: Stimmt, die Presslufttröten nerven auch. Da aber Pressluft im Gegensatz zu Atemluft begrenzt ist, hält sich das Problem in Grenzen.

  20. Wieso darf ich nicht auch mal meine dummen Vorurteile pflegen? Immer nur rational denken engt meine emotionale Entwicklung so arg ein…
    Nein, ernsthaft: Auch wenn ich das jetzt sehr plakativ/provokativ ausgedrückt habe, so ist mir durchaus klar, daß für die Fußballfans natürlich generell dasselbe gilt, wie für die Trötenliebhaber und sonstige Mitmenschen in dieser Welt. Nur weil ein paar energieüberladene Fans über alle Strengen schlagen darf man selbstredend nicht die nach wie vor viel größere Masse, welche sich doch recht akzeptabel verhält pauschal mit verdammen. Wegen einiger weniger Randalierer nach einem (noch nicht mal jedem) Fußballspiel sind freilich nicht alle Fans (dürften wohl doch eher Millionen sein) des Fußballes hier mit schuldig. Ich hätte das evtl. noch deutlicher schreiben können. Mit ein bisschen wohlwollen kann man das aber aus meinem Kommentar auch herauslesen. Ich schrieb ja, daß die Masse der Vuvuzelas micht nicht ernsthaft stört. Ein bisschen schon, zugegeben, aber ich kann darüber hinwegsehen. Das wird sich schon wieder beruhigen. Es gibt zwei Sachen, welche mich wirklich stören: Erstens die drei oder vier Vollidioten, welche nachts so gegen 2 oder 3 Uhr bei uns in der Straße immer noch nicht genug haben, was aber von der Trötendiskussion VÖLLIG unabhängig ist. Das Zweite, wie schon geschrieben, ist der Ruf nach Verboten, die meines Erachtens nur aus einer überreagierenden Aufregung bzw. Empörung heraus entstehen, weil hier etwas passiert, was irgendwie neu oder ungewohnt ist und deshalb erst mal rundweg abgelehnt wird. Deshalb nochmals meine Frage: Was ist denn an der Vuvuzela so neu oder anders, im Gegensatz zu den „traditionellen“ Krachinstrumenten?

  21. @Basilius: Danke für die Klarstellung, da sind wir uns schon viel näher. „Verbieten“ ist vielleicht wirklich nicht der richtige Weg, das gebe ich zu.
    „Deshalb nochmals meine Frage: Was ist denn an der Vuvuzela so neu oder anders, im Gegensatz zu den „traditionellen“ Krachinstrumenten?“
    Der Unterschied ist m.E. der Dauerton, der in gar keinem Zusammenhang zum Spielgeschehen steht und auch nicht besonders kunstvoll ist (okay, über Kunst kann man streiten, aber eine Trompete blässt sich schon schwerer als eine Tröte). Aber wie gesagt, was mich nervt ist, dass die Interaktion Spieler-Zuschauer nicht mehr zu hören ist, oder wie JV schön geschrieben hat: „Eckball? öööööööö. Konter? ööööööö. Auswechslung? ööööööö. Gelungenes Dribbling? ööööööö .Tor? Kurzer Jubel, dann öööööö.“

  22. Alle im Chor:
    „Lass die Finger von der Vuvuzela“
    😉

    Die Dinger nerven tierisch. Wenn es wenigstens irgendeine Verbindung zur Dynamik auf dem Spielfeld bzw des favorisierten Teams geben würde, wäre das alles gar kein Problem. So ist es einfach nur permanentes, eintöniges Lärmen um des Lärms willen.

    Multi-Kulti-Fachblatt taz ist da anderer Meinung

    Das Tröt-Konzert ist auch nur scheinbar eintönig. Wer genau hinhört, erkennt Schwankungen, ein An- und Abschwellen der Lautstärke. Es folgt dem Spielgeschehen, zwar nicht so ausgeprägt wie Fangesänge in der Bundesliga, aber doch.

  23. Immer wieder: das öööööö töte die Atmosphäre. Wo denn? Im Stadion? Sehen da die Leute gelangweilt aus? Neee. Und warum nicht? Weil es im Stadion ganz ganz anders klingt (oja, ich habe sowohl europäische als auch südafrikanische Stadien von innen gehört und gesehen). Was am Fernseher als ödes Dauergesumme rüberkommt ist live eine unglaublich mitreißende, elektrisierende Beschallung. Adrenalin pur. Und, anders als das offenbar viele Fernsehzuschauer hierzulande wahrnehmen, ist das ööööö auch gar nicht immer gleich und eintönig, sondern folgt dem Spielverlauf durchaus und bekräftigt die Emotionen. Es ist auch nicht das einzige was zu hören ist. Bei Nationalhymnen und Ansprachen halten sich fast immer alle, bis auf ein paar betrunkene Hooligans derer es in Südafrika nur sehr wenige gibt, an die gebotene Respektsstille.
    Es gibt übrigens vielleicht ein technische Lösung für en ganzen Ärger. Filter, die das öööö aus dem Geräuschteppich herausnehmen. Wäre dann zwar nicht mehr so authentisch, aber vielleicht besser als gleich ein Verbot zu verlangen, dass die Gastgebernation brüskiert.

  24. So schreibt Ulf Kaschl: „Was am Fernseher als ödes Dauergesumme rüberkommt ist live eine unglaublich mitreißende, elektrisierende Beschallung.“
    So schreibt der Spiegel: „Der überlaute Dauerton überdeckt jene sonst so gern als „typisch afrikanisch“ bezeichneten Freudenkundgebungen – alle Arten von Schlachtgesängen und Kampfchorälen. Stattdessen liegt ein unterschiedsloses Dröhnen in der Luft, das auch von einer anonymen Maschine stammen könnte.“ http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,700556,00.html
    Ja was nun?

  25. @Basilius: Nur für’s Protokoll: Die Pressluft-Fanfaren sind in vielen Stadien verboten.

  26. Danke für die vielen Beiträge. Ich finde gut, daß das Bild jetzt etwas differenzierter wird. Es soll also primär um den Spaß(?) im Stadion gehen? Ja, ich denke auch, daß hier die Atmosphäre deutlich im Spielverlauf mitschwingt. Warum sollte es durch diese Vuvuzelas auch anders sein, als durch die bisherigen Instrumente der Wahl? Im Stadion war ich zwar noch nie, aber zu Hause kann ich das schon aus eigener Erfahrung beurteilen, da meine andere Hälfte sozusagen meine Eintrittskarte in diese Diskussion darstellt. Soll heißen: Ich muss durchaus ein Spiel quasi mit anhören, auch wenn ich nicht hinsehe (außer ich flüchte aus dem Zimmer, mache ich aber dank Kopfhörer nicht). Ich höre zwar nicht ständig zu, aber mein subjektiver erster Eindruck scheint erst mal eher die monotonen Hummeln fliegen zu hören, als den Spielverlauf. Von diesem wie auch dem Rest höre ich dann aber immer noch genug. Nach einiger Zeit höre ich dann schon auch bei den Vuvus Unterschiede . Ich vermute mal, daß die Toningenieure hier schon von Anfang an versuchen das „Grundhummeln“ im Gegensatz zum NutzTonSignal zu dämpfen. Könnte das evtl. eine Erklärung sein, wieso man hier zuhause das (anfangs) nur als einen Dauerton empfindet? Vielleicht bringen die oben erwähnten Audiofilter ja noch eine Verbesserung? Oder wäre das dann eine Verfälschung des originalen Tons? Hört man dann gar keine Tröten mehr?
    Zu den teilweise verbotenen Presslufttröten: Nein, das wusste ich nicht. Danke für die Information. Kann man sagen, daß die Presslufthörner im Schnitt eher verboten sind, oder eher erlaubt? Ist aber auch nicht so wichtig, da ich diese nur als Beispiel für die vielen real genutzten Krachinstrumente benutzte. Innerhalb des Stadions sehe ich ja hier auch so oder so gar kein Problem. Das Argument mit der ausgehende Pressluft kann man sinngemäß auch genauso auf die Puste der Vuvuzelapuster anwenden: Irgendwann geht denen auch mal die Luft aus, egal ob Press- oder Atem-.
    Bleibt etwa am Ende nur die Erkenntnis, daß es Geschmacksache ist, ob man sich von den Tröten im Stadion gestört fühlt? Und als zweite Erkenntnis, daß das vor dem Fernseher sich wieder etwas anders anhört?

  27. Ich finde Sie nicht so nervend, warum müssen die Leute imme rnörgeln. Das ist halt eine WM in Südafrika und nicht in Deutschland. Andere Länder andere Kultur. Man muss es ja nicht anschauen, wenn man sich genervt fühlt.

  28. In Japan ist man Fischaugen. Ich habs versucht. Unaustehlich.
    Die Amerikaner halten Budweiser (das amerikanische) fuer Bier. Noch unaustehlicher.
    Die Vuvuzelas sind unaustehlich und aus unerfindlichen Gruenden gefallen sie den Afrikanern.
    Die Moeglichketen kulturellen Austauschs sind begrenzt.
    Verbieten? Geht nicht. Fertig.

  29. Mit Herumnörgeln hat das wenig zu tun. Mich nerven die Dinger einfach und sie gefallen mir nicht, wie auch andere Dinge mir nicht gefallen, so einfach ist das. Mich nervt auch Zwölftonner-Musik und Free-Jazz, vor allem wenn laut vorgetragen. Mich nervt auch eine Musikkullise, die so laut ist, dass eine Unterhaltung nur mit Schreien möglich ist.
    Mag sein, dass es hier zahlreiche Fans von so etwas gibt. Nun ja, Jedem das Seine. Ich halte mich einfach davon fern und wenn ich ein Spiel sehen will, drehe ich den Ton runter.
    Etwas nicht schön zu finden oder etwas nicht zu mögen, hat mit Nörgeln grundsätzlich rein gar nichts zu tun. Und selbst wenn 999 von 1000 irgendetwas gut finden und ich nicht, so what?

  30. @Georg Hoffmann
    Budweiser hat in den USA auch den Spitznamen Burpweiser, was ich treffend finde. Als trinkbare Biere habe ich dort die Samuel Adams Sorten (aus Neuengland?, eigentlich überall erhältlich) und St. Pauli Girls (aus Penn.?, wohl nur lokal und trotz des doofen Namens trinkbar) kennengelernt.
    @All
    Budweiser USA hat mit Budweiser Tschechien nicht das Geringste gemein!!

  31. In Japan ist man nicht nur Fischaugen, welche m.E. gar nicht so übel schmecken (Nattou ist da viel grausamer :), und in Amerika gibt es mehr Biere als nur Budweiser (das würde ich allerdings auch stehen lassen, wenn ich eine Wahl habe). Trotzdem sollte man so offen sein, das alles mal auszuprobieren. DANACH kann man dann gerne sagen: Schmeckt mir nicht! Herr Hoffman scheint das gemacht zu haben. Bravo! Verbieten können wir die Vuvuzus den Südafrikanern auch schlecht, probieren möchte ich nicht mehr, da ich schon des öfteren in ein hohles Rohr gepustet habe. Finde ich für mich nicht wirklich prickelnd. Insofern sehe ich die Geschichte auf dem selben Stand wie Herr Hoffmann: Fertig. Basta!
    Ich verstehe lediglich die Aussage mit der Begrenztheit der Möglichkeiten des kulturellen Austausches nicht recht. Wenn es letztlich auf ein „Die Geschmäcker sind halt verschieden“ rausläuft, dann unterschreibe ich das.

  32. „Verbieten? Geht nicht. Fertig.“
    Verbieten ginge sogar ziemlich einfach. Da die WM keine südafrikanische Veranstaltung ist, sondern eine FIFA-Veranstaltung, hat die FIFA das Hausrecht in den Stadien (oder wie man das nennen soll). Und wenn die FIFA sagt, dass die Tröten draußen bleiben, dann ist das so.
    Verbeten geht deswegen nicht, weil FIFA-Boss Blatter die Dinger ganz toll findet.

  33. @JV
    Geht nicht, weil man Leuten nicht was verbieten kann, was sie jeden Samstag so machen. (kann man nicht im Rahmen halbwegs sinvoller Massnahmen). Der Mist mit diesen Troeten ist ja nicht was, was sie sich zur WM haben einfallen lassen. Ihnen gefaellts eben, genau wie den Japaner die Fischaugen.

  34. Aktueller Stand Pro Vuvuzela auf facebook: 108. We are growing…:-)
    Nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass die ganze Pressemaschinerie Deutschlands gegen die vuvuzelas Stimmugn macht.
    Bild macht jetzt ne Unterschriftenaktion.
    Auf der Werder Fanseite wird abgestimmt. Etc. Etc.
    Da regt sich aber dann doch der Unmut, auch wenn die große Kelle nicht ausgepackt wird:
    Mit welchem Recht stimmen die Deutschen denn darüber ab, on in Südafrika getrötet wird?
    Mir wills einfach nicht einfallen…

  35. @ Georg Hoffmann:
    „Geht nicht, weil man Leuten nicht was verbieten kann, was sie jeden Samstag so machen.“
    Nochmal, es ist eine FIFA-Veranstaltung und keine Veranstaltung des südafrikanischen Verbands. Die FIFA erlaubt auch keine Vereinstrikots im Stadion, wenn darauf großflächig „fremde“ Sponsoraufdrucke zu sehen sind.

  36. @ Georg Hoffmann,
    falsch.
    Ich finde es seltsam, dass die Meinung, wir (Europäer, Fernsehzuschauer, Schlümpfe, was auch immer) hätten die Deutungshoheit darüber, wie man Fußball zu feiern hat, wie eine Fußballübertragung im Fernsehen auszusehen oder sich anzuhören hat, und damit das Recht, quasi basisdemokratisch darüber entscheiden zu können, per staatlichem Fernsehen und Massenmedien in die Köpfe gesetzt und verbreitet wird. Und zwar mit beängstigendem Erfolg.
    Dieses Verhalten ist im einfachsten Falle arrogant, oder meinetwegen auch unsensibel. Ich werde aber trotzdem das Gefühl nicht los, dass eine unterschwellige Überlegenheitshaltung gegenüber anderen Kulturen mitschwingt – nach dem Motto, wir haben ja 2006 gezeigt, wie eine perfekte WM aussieht, damit den Goldstandard gesetzt, und jetzt sollen sich bitte alle daran messen lassen müssen. Man nennt das dann ’normal‘. So wie es überhaupt verbreitet ist, auch und vor allem im deutschen Gedankengut, die eigene Realität als die ‚Normalität‘ in der Begegnung mit anderen Nationen / Kulturen vorauszusetzen.
    Darauf will ich aufmerksam machen – und wenn möglich dazu beitragen, dass sich das ändert.
    Ich will also keine Abstimmung pro Vuvuzela. Ich will, dass man die WM und die Gepflogenheiten im Gastgeberlad nicht von oben herab bemäkelt, sondern möglichst so annimnt, wie es ist. Punkt.

  37. Das mit der Überlegenheitshaltung würde dann vielleicht zutreffen, wenn sich nur Europäer (oder sogar nur Deutsche) beschweren würden. Das dem nicht so ist, lässt sich leicht feststellen.
    Mich stört immer, dass bei solchen Debatten diese „Überlegenheitshaltung“ unterstellt wird. Man muss immer sagen „Ja, es stört zwar, aber das ist halt eine andere Kultur“. Man darf nie sagen „Meine Güte, stellt die Dinger ab!“ – weil man dann gleich (in diesem Fall) den reichen weißen Mann raushängen lässt. Und das nervt!

  38. @JV
    Ich rede ja nicht von formalen Moeglichkeiten, von denen ich keine Ahnung habe. Ich rede davon, dass es praktisch nicht moeglich ist (unter Einsatz vertretbarer „normaler“ Mittel jemanden etwas zu verbieten, zumal von einem Tag zum anderen, was er als voellig normal und alltaeglich erachtet. Ich persoenlich meine, man sollte es nichtmal versuchen.
    @Ulf Kaschl
    Noch deutscher ist uebrigens die paternalistische Haltung, dass irgendwie jedes in der Ferne stattfindende Verhalten als authentisches Kulturprodukt veredelt werden muesse. Am allerdeutschesten ist es dann eine ganze Webseite damit vollzuschreiben, warum dieses ferne authentische Kulturprodukt irgendwie Klasse und mindestens im Range des Pandabaeren aller menschlichen Kutlurleistungen zu sehen sei.
    Ich bin ganz schoen rum gekommen auf diesem Planeten. 80% der DInge, die die Menschen so treiben, sind mehr oder minder interessant und halbwegs ertraeglich, 10% fantastisch, 10% sind der groesste Bloedsinn. Typischerweise werden diese letzten 10% am leidenschaftlichsten verteidigt.

  39. Hi JV
    Es läßt sich leicht feststellen, dass sich nicht nur Deutsche und Europäer beschweren? Echt? Wie denn? Dadurch, dass das Internet zu großen Teilen von westlich geprägten Nationen genutzt wird? Dadurch, dass die Fernsehsender objektiv berichteten? Hmmm. Hast du ne repräsentative Umfrage in allen Ländern der Welt an den Start gebracht?
    Natürlich ist eine Anti-Vuvu Haltung leichter zu kommunizieren als die Unterstützung für einen ungewöhnlichen Standpunkt (wie immer in solchen Debatten). Mag auch sein, dass ich als langjähriger Südafrika-Beobachter sensibel auf Bevormundung afrikanischer Staaten und Bevölkerung reagiere. Und btw, dem Spiegel unterstelle, sehr selektv und dezidiert negativ zu ‚all things South Africa‘ zu recherchieren, und das dann nicht mal besonders gut.
    http://ukaschl.blogspot.com/2010/06/der-wichtigste-tip-von-allen-blo-keine.html
    Aber, egal von wem die Forderung kommt, die ‚Dinger abzustellen‘, ob Eskimo oder Chinese, Brasilianer oder Deutscher, kulturell arrogant bleibt es immer.
    Leute, die etwas länger mit Südafrika zu tun haben, scheinen allerdings deutlich pro-Vuvuzela eingestellt zu sein, es stört sie anscheinend weder im Stadion noch beim Fernsehen, sondern im Gegenteil, können sich die meisten die Vuvuzelas aus den Stadien nicht wegdenken (dies ist seinerseits nicht durch eine wissenschaftliche Studie bewiesen, sondern entspricht meinem persönlichen Eindruck vor Ort, der Internetrecherche und vielen vielen Gesprächen mit sowohl Südafrikanern aller Rassen, als auch Ausländern, die in Südafrika leben).
    Für mich ein Hinweis, dass man sich lediglich auf eine andere Art Fußball zu geniessen einlassen muss, um bei dieser WM in allen emotionalen Höhen und Tiefen feiern zu können – so wie das jede WM auf ihre eigene Weise dem Zuschauer/hörer abverlangt. Die kulturelle Brille eben. Die interkulturelle Kompetenz.
    Hier ein link zu einem, wie ich finde, guten und ausgeglichenen Pro-Vuvu blogeintrag aus England, dem Mutterland der Schlachtgesänge, der genau das thematisiert
    http://football.fanhouse.co.uk/2010/06/13/in-defence-of-vuvuzelas-theyre-not-half-as-bad-as-bellowing-ja/

  40. @Georg Hoffmann
    Wo wir wieder bei der subjektiven Sicht der Dinge sind (gibt ja wohl auch keine andere).
    Was du für den „größten Blödsinn“ hältst ist für andere vielleicht die tollste sache auf der Welt und anders herum.
    Mal abgesehen davon: Wo wären wir denn heute ohne Blödsinn? Blödsinn kann das Leben so viel schöner und erträglicher machen. Immer nur ernst und konform ist doch auch nichts. Ohne Blödsinn könnte jeder zweite Fernsehsender, Verlag und bestimmt auch die eine oder andere Plattenfirma, dicht machen.
    Ich sage JA zum Blödsinn (und nein, lieber Herr Hoffmann, nicht um dich zu veralbern, oder deinen Kommentar abzuwerten) und zur Vielfallt des Beklopptseins!
    Denn diese Dinge haben es VERDIENT leidenschaftlich verteidigt zu werden!

  41. @ Georg Hoffmann,
    keiner zwingt dich dazu, irgendwelche homepages mit irgendwelchem Geschreibsel über die kulturellen Blödheiten diverser gesellschaftlicher Gruppen zu lesen.
    Ich habe einen Standpunkt, der der allgemeinen Wahrnehmung zuwiederläuft, und muss mich ständig dafür verteidigen. Damit ich es nicht zehntausendmal sagen muss, schreibe ich einen Blog.
    Wenn alle so schön weit rum gekommen und abgeklärt wären wie du, gäbe es für mich keinen Anlass dazu. Ist aber nicht so.
    Welche 10 % Blödsinn und welche 10 % fantastisch sind, ist leider auch nicht irgendwo festgeschrieben. Das meine Auswahl einem paternalistischem Zwang entspränge, musst du mir erklären.
    (Wobei ich 100% mit dir einer Meinung bin, dass das von dir beschriebene Verhalten bzgl Veredelung und Pandabären in der Tat sehr deutsch ist).

  42. @ Ulf Kaschl
    Auch am x.-Tag der WM nerven mich die Vuvuzelas und an jedem Tag mehr, an dem ich die WM verfolge. Ja, das ist subjektiv, genauso wie Dinge, die mich nicht nerven oder die ich gut finde. Und das hat mit Kultur herzlich wenig zu tun. Man kann so gut wie jede kulturelle Leistung gut oder schlecht finden, es bleibt ein persöhnliches Empfinden, nicht mehr und nicht weniger.
    Nee, und meine persöhnliche Meinung lass ich mir nicht verbieten, egal von wem. der bei dem Kaiser noch so viele Kleider sieht.

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