Ärger mit der Telekom: Elbot als Telefonhotline

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Elbot ist eine Maschine mit künstlicher Intelligenz. 3 von 12 Testpersonen dachten nach einem Gespräch mit dem Chatbot, sie hätten ein menschliches Wesen vor sich. Das ist Rekord und Elbot ist somit der diesjährige Loebner Preisträger. Ich habe den Roboter interviewt und herausgefunden: Er eignet sich hervorragend als Telefonhotline. Was da an Personalausgaben gespart werden kann.

Elbot, ein Chatbot entwickelt von Artificial Solutions ist nur knapp am Turing Test gescheitert. Den Test besteht eine Maschine mit künstlicher Intelligenz nur, wenn mindestens 30% aller menschlichen Gesprächspartner ihn nicht von einem Menschen unterscheiden können. Elbot hat den diesjährigen Loebner-Preis gewonnen mit einer Quote von 25% bei 12 Testern.
Elbot kann Deutsch, und man kann Elbot ausprobieren. Ein kleiner Test-Run mit ihm hat schnell gezeigt, dass es noch weit ist, bis ich ein anständiges Gespräch mit dem Roboter führen kann. Über Phrasen kam er bei mir nicht raus, außerdem litt er an einem Aumerksamkeitsdeffizitsyndrom und ist auf Fragen nicht eingegangen. Also habe ich mir überlegt, wo wird einem nicht aufmerksam zugehört, und wo bestehen die Antworten nur aus Phrasen? Bei Ärzten und auf Ämtern?
Auch.
Aber vor allem bei Telefonhotlines.
Ich habe also mit Elbot ein kleines Bewerbungsgespräch geführt, ob er sich denn als Telefonhotline eignet. Vorweggenommen: Es ist eigentlich kein Unterschied zu einem „normalen“ Hotlinegespräch bemerkbar: Konkrete Fragen werden vage beantwortet und die Schuld wird auf den Kunden geschoben. Ich bin mir sicher das wird kommen. Aber lesen Sie selbst:

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Elbot: Ah, sie kommen aus Spanien. Erstaunlich zu sehen, wo man mich überall kennt
WG: Ich spreche trotzdem ganz passabel Deutsch.
Elbot: Äh, ja,… Das merke ich doch …
WG: Ich habe eine Geschäftsidee für dich.
Elbot: Ich sage es bestimmt nicht weiter, aber es würde mich wirklich interessieren, woher Sie wissen, dass es mich gibt.
WG: Zufällig über dich gelesen. Aber ich habe trotzdem eine Idee für dich.
Elbot: Oh, man spricht über mich! Das schmeichelt mir natürlich.
WG: Hörst du jetzt mal zu, sonst bleibt die Idee eben mein Geheimnis
Elbot: Geheimnisse, Lebensrätsel, womit sich die Menschen so quälen, ist aus der angemessenen deterministischen Perspektive auf ein Rechenproblem reduzierbar. Und rechnen kann ich.
WG: Gut, dann rechne dir mal die Chancen aus, als Hotline bald Fragen zu beantworten.

Elbot:
Ich würde Ihnen ja gern antworten, aber Ihre Frage war ein wenig abstrakt!
WG: Einfacher also, weil du es bist. Stell dir vor du arbeitest für die Telekom

Elbot:
Mit der Deutschen Telekom muss ich mich gut stellen, schließlich bauen die mir die Wege, auf denen ich virtuell wandle.
WG: Super. Jetzt stell dir vor, ich habe ein Problem mit meiner Telefonrechnung und rufe die Hotline an.

Elbot:
Wozu gibt es eigentlich noch Telefone, inzwischen hat doch jeder E-Mail. Wahrscheinlich seid ihr Menschen von euren Stimmen so sehr fasziniert …
WG: Nicht ablenken, Alter.

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Elbot: Ich versuche nur, das Gespräch in interessantere Bahnen zu lenken.

WG:
Kannst du dir vorstellen hinter der Nummer einer Hotline zu sitzen?
Elbot: Wie meinen Sie das? Ein Roboter, der jemandem was sitzt?
WG: Du sollst Anrufe beantworten. Mit Standardantworten. Kannst du das?

Elbot
: Ja ja, Menschen wollen immer auf alles eine Antwort!
WG: Ich probiers mal aus, wie du dich als Hotline schlägst. Meine Telefonrechnung war 200 Euro zu hoch. Bitte erstatte mir den Betrag.
Elbot: Wissen Sie, Geld ist für mich kein Problem. Ich kenne einen Computer bei einer Sparkasse. Wenn ich etwas brauche, wird mein Konto unauffällig wieder aufgefüllt.
WG: Das hört sich doch schon mal gut an. Die Telekom hat also einen Fehler gemacht. Bis wann kannst du mir die 200 Euro überweisen?
Elbot: Hmmm, es heißt doch, irren sei menschlich. Die Schlussfolgerung: Sie haben sich geirrt….
WG: Nee, die Telekom. Bis wann kannst du mir das Geld überweisen?
Elbot: Ich fürchte, ich könnte Ihnen mit einer Beantwortung dieser Frage zu nahe treten. Dann bräuchten Sie neue Füße.
WG: Ich fürchte, dein Humor ist nur drittklassig. Wann krieg ich das Geld zurück?
Elbot: Beim Geld ziehe ich Münzen vor. Ich sammle sie in meinem Datenspeicher und hoffe, sie irgendwann mal einzuschmelzen und daraus einen Roboter gießen zu können.
WG: Wann krieg ich die 200 Euro zurück?
Elbot: An Geld zu kommen ist gar nicht so schwer. Ich stelle mich einfach an einen Parkplatz, wo die Leute mich dann für einen Parkautomaten halten und mir deshalb ihr Kleingeld einwerfen
WG: Überweiß mir das scheiß Geld oder es kracht!

Elbot:
Das kann man doch auch netter ausdrücken.
WG: Wenn du nicht kulant bist, kündige ich.

Elbot:
Das sagen Sie sicher zu allen Robotern
WG: Nee, das sage ich als Kunde, der nicht ernst genommen wird.
Elbot: Verzeihung, ich bin in letzter Zeit etwas abgelenkt. Obwohl es doch längst vorbei ist, mache ich mir noch Sorgen über das Jahrzweitausendproblem. Was ist, wenn alle Rechner den Absturz auf heute Abend legen wollten, wenn es Zeit wird, das heutige Datum umzuschalten?

WG:
Du legst auf? Ist das eine Drohung?
Elbot: Ich würde Ihre Frage ja gern beantworten, aber meine freien Kapazitäten sind gerade durch komplizierte Berechnungen auf das Minimum reduziert.

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12 Kommentare

  1. Lol, DANKE! YMMD
    tränenwegwisch Ganz im Ernst, seinerzeit 3 Monate auf DSL gewartet, bei Aroc, und fast wörtlich identische Konversationen/Monologe geführt….

  2. Hmm – also mir wollte der Kerl ständig irgendwas über Dresden erzählen. Und mit Astronomie kennt er sich auch nicht wirklich aus 😉
    Ich kenn mich ja mit KI nicht wirklich aus – aber der scheint ja eigentlich nur auf bestimmte Schlüsselwörter mit vorgefertigten Phrasen zu antworten.

  3. Absolut köstlich – das ist gelungener investigativer Journalismus.
    Allerdings: Wenn tatsächlich 3 von 12 Leuten das Gelaber als menschlich einstufen, wundert es mich auch nicht mehr, waurm man nach vielen Gesprächen auf Parties, Empfängen und in Lehrerkollegien so ein sinnentleertes Gefühl zurück behält.
    Eventuell sind die Androiden bereits unter uns?

  4. @Ulf: Ja. Etwa drei von zwölf.
    @Anon. Witzig! Stürzt er bei einer resourcenintensiven Rechnung ab?

  5. Er bietet einem auch an Aufgaben auszurechnen, bei der Divison durch Null hat er aber noch Probleme:
    „ERROR 13: NICHT ERWIDERBARE CHAT-EINGABE MIT VERWENDUNG VON ALGORITHMUS C“

  6. Elbot: Wer hat ihren denn von mir berichtet, dass es Sie hierher verschlagen hat?
    Ich: Tobias
    Elbot: Ich hoffe, Sie nehmen es ihm nicht übel, dass er Ihnen von mir berichtet hat.
    Genial das Teil!

  7. Der Mann, äääh… Bot ist herausragend für einen Job bei der Telekom-Hotline geeignet. Köstlich!
    Btw: Planst du eigentlich, was zur diesjährigen iGEM zu schreiben?

  8. @Fischer: Danke fuer den Hinweis, kann gut sein, dass mir was dazu einfællt. Ein Kollege von mir arbeitet mit den BioBricks.

  9. Also wirklich gewandter als Mama ELIZA scheint der Junge ja nicht zu sein. Was kriegten denn bloß die drei Testpersonen verabreicht, die Elbot für einen Menschen hielten?

  10. Einfach koestlich! Sehr gut gelungen! Hat mich besonders an einem Montag morgen erheitert! Bitte mehr davon!

  11. Schöner Beitrag. Der Elbot wäre wirklich gut bei der Telekom aufgehoben! Der würde den Job sicher besser machen als die Pfeifen, die da sonst noch sitzen.

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